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Hornhautbank
Modernste Technik für die Augen

 Im Reinraum der Hornhautbank herrschen absolut saubere Bedingungen. Er wurde erst vor einigen Tagen in Betrieb genommen.
Im Reinraum der Hornhautbank herrschen absolut saubere Bedingungen. Er wurde erst vor einigen Tagen in Betrieb genommen. FOTO: Christine Maack
Homburg. Durch die Unterstützung der Klaus-Faber-Stiftung war es möglich geworden, die früheren OP-Räume der Universitäts-Augenklinik im ersten Obergeschoss zu entkernen und zur modernsten Hornhautbank Deutschlands umzubauen. Von Christine Maack

Als der Dekan der medizinsichen Fakultät, Professor Michael Menger, bei der Examensfeier im Dezember  im großen Hörsaal die Frage stellte: „Wer hat geweint, als er ins Saarland kam?“ , da hob Professor Berthold Seitz, Leiter der Universitäts-Augenklinik, sofort die Hand.


Und jetzt? „Ich habe hier das beste Team, das ich je getroffen habe!“ rief Seitz gestern in den etwas kleineren, aber proppevollen Hörsaal der Augenheilkunde am Uniklinikum. Von Weinen keine Spur, vielmehr hatte er Grund zur Freude, denn gestern wurde das Klaus Faber Zentrum für Hornhauterkrankungen inklusive Lions-Hornhautbank eingeweiht.

Den Anfang nahm die ganze Geschichte vor einem Jahr, da habe er sich gefühlt wie im Märchen vom Sterntaler, hatte Professor Berthold Seitz damals gesagt. Denn auf ihn prasselten 1,2 Millionen Euro herab. Es war die Klaus Faber Stiftung, die ihm diese großzügie Spende gewährte. Die Stiftung ist Gesellschafterin der Firma Klaus Faber mit Sitz in Saarbrücken, auch bekannt unter dem Namen „Faber-Kabel“. Die Stiftung unterstützt geeignete Projekte der forschenden und angewandten Medizin - im Fall von Professor Seitz war es die Maßgabe, mit dem Geld ein Zentrum für die Behandlung von Hornhauterkrankungen mit Integration der Lions Hornhautbank zu errichten. Hornhauterkrankungen bis hin zur Hornhauttransplantation stellen einen Schwerpunkte des Teams um Professor Seitz dar, 542 Hornhautverpflanzungen wurden 2018 in der Universitäts-Augenklinik in Homburg durchgeführt.



Durch die Unterstützung der Stiftung und einer zusätzlichen Spende des Lions Clubs von 100 000 Euro war es möglich geworden, die früheren OP-Räume der Augenklinik im ersten Obergeschoss zu entkernen und zur modernsten Hornhautbank Deutschlands umzubauen. Hier stehen jetzt drei  permanente Wetlabs mit sechs OP-Mikroskopen und Instrumenten zum Training der ,,perforierenden und lamellären Keratoplastik-Techniken“ zur Verfügung. Das hört sich kompliziert an und ist es auch, denn man muss eine spezielle Technik beherrschen, um die dünne Hornhaut perfekt auf dem Auge, das bekanntlich eine bewegliche, gallertartige Struktur hat, zu befestigen. Noch dazu mit einer augeklügelten Fadenführung. Und so waren auch die geladenen Gäste und die Festredner sehr angetan von dem Top-Standard des nagelneuen Zentrums für Hornhauterkrankungen, das nun zu den modernsten in Deutschland gehört. Gesundheitsministerin Monika Bachmann bedankte sich bei den Spendern, lobte Professor Seitz für seinen Einsatz und warb für Organspenden. Susanne Reichrath, Hochschulbeauftragte des Ministerpräsidenten, vertrat die Landesregierung und hob die besondere Bedeutung der Faber Stiftung hervor, zumal „das kleine Saarland nicht so reich gesegnet ist mit Stiftungsvermögen wie etwa Frankfurt oder München.“ Kollegiale Grüße überbrachten die Professoren Philip Maier aus Freiburg, Michael Zemlin von der Homburger Universitäts-Kinderklinik und Urban Sester vom Transplantationszentrum des UKS. Die humorvolle Festrede hielt Dr. Andreas Schmitt vom Vorstand der Klaus Faber Stiftung. Am Ende gab Dr. Mona Bischof-Jung noch einen Einblick in die Zahlen und die Hürden, die genommen werden mussten, um überhaupt zu dem renommierten Zentrum werden zu können, das man heute ist.

 Roman Jansen-Winkeln (links) District Governor des Lions’ Clubs und Professor Bertold Seitz, Leiter der Universitäts-Augenklinik, vor der Tür zu den nageneuen OP-Räumen. 
Roman Jansen-Winkeln (links) District Governor des Lions’ Clubs und Professor Bertold Seitz, Leiter der Universitäts-Augenklinik, vor der Tür zu den nageneuen OP-Räumen.  FOTO: Christine Maack

Nach den vielen Festreden und dem riesigen Blumenstrauß, den Professor Seitz von seinem ehemaligen, über 80jährigen Lehrer aus dem Uniklinikum in Erlangen bekommen hatte,  durften alle Gäste die OP-Räume besichtigen und einen Blick übers Fenster in den Reinraum werfen. > Siehe auch Seite B2