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Wichtige Informationen aus dem Kühlschrank
Notfalldose kann Leben retten

 Kirkels Bürgermeister Frank John (links) und der Seniorenbeauftragte Hans-Peter Schmitt präsentierten zusammen mit Apothekerin Ute Bähr offiziell die Notfalldosen, die Rettungskräften die Patientenversorgung erleichtern sollen.
Kirkels Bürgermeister Frank John (links) und der Seniorenbeauftragte Hans-Peter Schmitt präsentierten zusammen mit Apothekerin Ute Bähr offiziell die Notfalldosen, die Rettungskräften die Patientenversorgung erleichtern sollen. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Wenn Retter in einem Haus erst Infos über den Patienten suchen müssen, geht  wichtige Zeit verloren. Daher führt Kirkel die Notfalldose ein, in der ein Blatt mit dem Wichtigsten steckt. Aufbewahrt wird sie im Kühlschrank. Von Thorsten Wolf

Man muss nicht immer selbst eine gute Idee haben. Nicht selten ist es genauso wertvoll, eine gute Idee als solche zu erkennen – und dann was daraus zu machen. Genauso hat es Hans-Peter Schmitt in Kirkel gemacht. Der frühere erste Beigeordnete der Gemeinde und ehemals Ortsvorsteher von Kirkel-Neuhäusel hat in seiner jetzigen Funktion als Seniorenbeauftragter in Kirkel erkannt, welches Potential in der so genannten „Notfalldose“ steckt.


Notfalldose? Das Konzept hinter diesem Begriff ist ebenso einfach wie sinnvoll: Die Notfalldose ist ein kleiner zylinderförmiger Behälter in grün-weißer Farbe, der mit einem Notfall-Infoblatt über den Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Operationen und Medikamente informiert. Diese Informationen werden zu Hause in dieser Dose in der Kühlschrank-Tür gelagert – nicht, weil Medikamente oder ähnliches drin sind, sondern weil es wohl in jeder Wohnung einen Kühlschrank gibt. Mit kleinen Aufklebern an der Haus- oder Wohnungstür und am Kühlschrank werden Rettungskräfte auf die Existenz und den Lagerort der Dose aufmerksam gemacht – und können so bei einem Einsatz schnell ausmachen, welche Voraussetzungen ein Patient mit sich bringt und auf was bei einer Behandlung geachtet werden muss. Die Notfalldose bietet also die Möglichkeit, alle wichtigen Patientendaten so aufzubewahren, dass sie im Notfall vom Rettungsdienst schnell gefunden werden können.

In Kirkel nun gibt es diese Dosen seit einigen Tagen in den beiden Apotheken und Limbach und Kirkel-Neuhäusel sowie im Rathaus zum Preis von drei Euro zu kaufen. Bei der offiziellen Vorstellung des Konzeptes in Limbach verdeutlichte Hans-Peter Schmitt die Vorteile des Systems. „Durch den Einsatz der Notfalldose fällt es den Rettungskräften einfacher, sich bei einem Einsatz vor Ort schnell ein Bild vom Patienten zu machen. Alle wichtigen Informationen sind auf einem Blatt zusammen gefasst, zusätzlich Informationen zu Versorgungsvollmachten und Patientenverfügungen.“



Kirkels Bürgermeister Frank John war sich sicher, mit der Einführung des Angebots einer Notfalldose in der Gemeinde gerade alleinstehenden Menschen eine weitere Absicherung bei einem Notfall oder einer Notlage gebe, „Menschen, die keine familiäre Bindung mehr haben und bei denen niemand mehr da ist, der über den Tag hinweg oder generell in einer solchen Situation erreichbar ist und entsprechende Informationen über den Patienten geben könnte. Bei einem Notfall aber zählt jeder Sekunde. Und hier greifen die Rettungskräfte auf diese Notfalldose zurück und können sich innerhalb von wenigen Augenblicken einen Überblick verschaffen.“

Damit sei diese Vorsorgemaßnahme, so John, gerade in Zeiten, in denen man von Vereinzelung rede, „eine sehr sinnvolle Sache, die weit verbreitet sein sollte“.

Was aber kann man nun alles auf dem Infoblatt erfassen? Da wären zum einen Hinweise auf Allergien und Unverträglichkeiten, auch und gerade mit Blick auf Medikamente. Fernen können auf dem Blatt Angaben zu Vorerkrankungen und vergangenen Behandlungen gemacht werden, so zu Herzinfarkten, Herz-Operationen, chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Schädigungen der Niere und vergleichbare Krankheitsbilder. Wichtig für Rettungskräfte ist natürlich auch die Antwort auf die Frage, ob ein Patient schon regelmäßig Medikamente nimmt. Auch eintragen kann man die Daten seiner Hausarztpraxis, Kontaktinformationen eines Pflegedienstes und Hinweise darauf, wo weitere, wichtige Dokumente zu finden sind.

Mit dem Angebot der Notfalldose geht Kirkel nach St. Ingbert als zweite Kommune im Saarpfalz-Kreis, so Hans-Peter Schmitt, diesen Weg, um die Versorgung von Notfall-Patienten in den eigenen vier Wänden für die Rettungskräfte einfacher zu machen.