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Hommage an einen toten Künstler

Kirkel. Reiner Gaußmann war ein saarländischer Künstler, der an Krebs starb. Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung erinnert das Bildungszentrum in Kirkel an ihn. Die Werkschau endet mit einer musikalisch-literarischen Hommage. Jürgen Neumann

Eine ganz und gar ungewöhnliche Ausstellung endet Ende März im Bildungszentrum Kirkel . Die Ausstellung war einem Toten gewidmet. "Eine ganz besondere und sehr persönliche Ausstellung", nennt Erwin Irmisch, der Leiter des Bildungszentrums, diese Ehrung eines Künstlers nach seinem Ableben.

Mit "Reiner Gaußmann Posthum" erinnerte das Bildungszentrum an einen Künstler, der am Sonntag, 2. Januar 2011 starb. "Bruno hat so entschieden, dass jetzt Schluss ist". "Bruno", so nannte Reiner Gaußmann seinen Lungenkrebs. Und wenn Bruno nicht irgendwann verschwinde, "dann sterben wir gemeinsam", hatte Gaußmann noch wenige Tage vor seinem Tod anlässlich der Veröffentlichung seines Buches "Mein Tumor heißt Bruno" erklärt. 57 Jahre alt ist Reiner Gaußmann geworden.

Er ist in Burbach aufgewachsen. Das entbehrungsreiche Leben der Berg- und Hüttenarbeiterfamilien prägten ihn und sein künstlerisches Schaffen. Für ihn war Dantes "Inferno" in einer Vorstufe in Burbach zu erkennen. Giftgase, staubgeschwängerte Luft, Smog und Schmutz waren dort allgegenwärtig. Sie spiegeln sich auch in seinen Kunstwerken wider. Gaußmanns künstlerische Sichtweise stellt den Menschen in einem Zustand der Verletzung dar, als "nicht unversehrt".

Aber auch als einen Menschen, der seine Verletzungen immer wieder selbst zu heilen versteht. Wobei Gaußmann die "Seele" als einen Organismus sieht, der diese Heilung beflügelt. Dargestellt in dem Licht der Augen und im leuchtenden Ensemble der Farben, die im widergespiegelten Licht, in Gesichtern und in der "Stille" des umgebenden Hintergrundes Trost spenden sollen. Eine optimistische Sichtweise, was die Interpretation des Lebendigen angeht.

Die Ausstellung in Kirkel endet mit einer Hommage an den verstorbenen Künstler in Form einer "Finissage" am kommenden Donnerstag, 19 Uhr, im Bildungszentrum. Sie wird begleitet von einem kleinen kulturellen Programm. Es spielt an diesem Abend eine sich neu formierende Band mit den Mitgliedern Michael Bamberg (Gitarre / Gesang), Elmar Federkeil (Schlagzeug) und Felix Hubert (Kontrabass). Die Idee zu diesem Auftritt hatte Michael Bamberg, der Reiner Gaußman schon vor 43 Jahren im damaligen Saarbrücker "Starlight" in der Dudweilerstraße getroffen und kennengelernt hatte. Michael Bamberg ist aus dieser Zeit, etwas später auch unter dem Namen "Bamby", der Szene Saarbrückens als Bandleader der Gruppe "Bloody Mae" bekannt geworden. Elmar Federkeil ist als Drummer ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt der Rock, Funk und Rhythm & Blues Gemeinde im Saarland, da er in der Vergangenheit schon in vielen "bekannt" gewordenen Band-Projekten der saarländischen Musikszene mitgewirkt und dort auch enorm viel gestaltet hat. Der Kontrabassist Felix Hubert ergänzt und rundet das Trio dieser Rock Combo vollends ab, weil sich die musikalischen Interpretationen aller den Hörern bekannten Songs mit einem getragenen "Wave"- Groove präsentieren.

Dazu wird es, zusätzlich zur über die Kunst Gaußmanns gehaltenen Laudatio, eine dem musikalischen Programm zugeschnittene Performance geben, die den Erlebniseffekt von Reiner Gaußmanns Kunst unterstreicht.

Der Eintritt ist kostenfrei. Die Ausstellung hat bisher mehrere hundert Besucher angezogen.

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