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Ertragreicher Tag im Weidengrund

Altstadt. Die Aktion diente in erster Linie der Natur, aber auch Korbflechter und Gartenliebhaber zählten zu den Gewinnern: Der Altstadter Naturschutzbund trat jüngst zum Schneiteln der Weiden an. Auch die Weidenmeise dankt. Martin Baus

Dass Weidenruten stark nachgefragt sind, diese Erfahrung machte der Altstadter Naturschutzbund bei seinem jüngsten Arbeitseinsatz. Gartenliebhaber, Korbflechter, Kunsthandwerker und Kindergärten standen regelrecht Schlange, um ein Kontingent der begehrten schlanken Gerten zu ergattern. Beete damit natürlich einzufrieden, dekorative Bündel für das Wohnzimmer zu schnüren oder lebendige Tunnels und Tipis damit zu bauen, das waren die Vorhaben, die mittels der grünen Stecken realisiert werden sollten. Der Umweltverband erfüllte freigiebig alle Wünsche, zumal beim diesmaligen Schneiteln seiner Kopfweiden die begehrten Reiser in Hülle und Fülle anfielen.

Die Bäume am "Bruchgraben" unweit des Zollbahnhofes standen im Mittelpunkt der Aktion in Sachen Naturschutz. Ihnen eine neue "Frisur" zu verpassen, lautete die Aufgabe, die sich das Nabu-Helferteam gestellt hatte. Das etwa einen Hektar große Feuchtgebiet war vom Umweltverband vor mehr als 30 Jahren angelegt worden. Das Gelände befindet sich zum Teil im Eigentum des Vereins, zum Teil haben aber auch private Grundstücksbesitzer ihre Parzellen für den Naturschutz zu Verfügung gestellt. Bei der Bepflanzung des Terrains anno 1982 waren Weidenstöcke in den feuchten Erdboden gesteckt worden. Diese haben sich zwischenzeitlich zu ansehnlichen Büschen und Bäumen gemausert.

Diese Kopfform der Weide hat eine alte Tradition: Früher stand sie in Wiesen, um einerseits die Ufer von Bächen, Gräben und Teichen auf natürliche Weise zu befestigen und vor Abbrüchen zu schützen. Andererseits wurde aus ihr auch ganz praktischer Nutzen gezogen; der Rückschnitt auf den Stamm diente auch der Gewinnung von Weidenruten, die beim Flechten Verwendung fanden. Körbe entstanden so in kunstfertiger Handarbeit, die bei der Kartoffelernte zum Beispiel eingesetzt wurden. Dem Naturschutzbund geht es heute aber darum, die Kopfweide als Lebensraum für verschiedene Vogelarten zu erhalten oder auch wieder anzubieten. Allerdings ist der Wiedehopf noch nicht wieder zurückgekehrt, der als auffälliger und farbenprächtiger Gast früher in den Kopfweiden heimisch war. Aber die Weidenmeise ist durchaus häufiger in den Bäumen von der merkwürdigen Gestalt beobachten, deren fachgerechter Schnitt im Fachjargon als "Schneiteln" bezeichnet wird.

"Angeleiert" wurde die Pflanzung von Kopfweiden im Übrigen vom ehemaligen Nabu-Kreisvorsitzenden Winfried Fromm aus Lautzkirchen. Der in regelmäßigen Abständen erforderliche Rückschnitt der langen Triebe zurück auf eine Art "Bubikopf" ist inzwischen zur Routine geworden - binnen weniger Stunden waren auch die knorrigsten Gesellen zurechtgestutzt und präsentierten sich im neuen Outfit. Mehr Licht und Sonne wird künftighin auch der Teich haben, der sich inmitten des Biotops befindet. Speziell Molche fühlen sich in dem Tümpel mit dem klaren Wasser pudelwohl.