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Ehrenamtliches Angebot
Der Bürgerbus Kirkel auf Jungfernfahrt

 Lilli Schumacher hatte am Montag die Ehre, als erste Fahrerin den Kirkeler Bürgerbus auf die Strecke zu bringen, den Schlüssel gab's vom Bürgerbus-Vereinsvorsitzenden Hans-Peter Schmitt.
Lilli Schumacher hatte am Montag die Ehre, als erste Fahrerin den Kirkeler Bürgerbus auf die Strecke zu bringen, den Schlüssel gab's vom Bürgerbus-Vereinsvorsitzenden Hans-Peter Schmitt. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Am Montagmorgen hat der Bürgerbus Kirkel den Betrieb aufgenommen. Saarlandweit ist die Burggemeinde die erste Kommune, die so ein ehrenamtlich getragenes Angebot vorweisen kann. Der Bus ergänzt das Netz des ÖPNV. Von Thorsten Wolf

Es gibt in diesen Tagen kaum ein Thema, das sich aus so unterschiedlichen Perspektiven beleuchten lässt, wie das des Autos. Des Deutschen liebstes Kind steckt in der Krise, Dieselfahrverbote, E-Mobilität, Strafzölle – kein Nachrichtenformat kommt ohne diese Schlagzeilen aus. Und in dem Maße, wie der so stark gebeutelte Individual-Verkehr ins Schlingern zu kommen scheint, in dem Maße könnte der öffentliche Personennahverkehr ja einen Aufschwung erfahren. Doch so ist es wohl nicht, große Unternehmen wie die Bahn AG stehen zwar oft in den Schlagzeilen, selten aber mit positiven Vorzeichen.


Inmitten dieser Suche nach dem „Verkehr der Zukunft“ hat Kirkel am Montagmorgen das erste Kapitel einer ganz eigenen Geschichte geschrieben: Pünktlich um neun Uhr ging der „Bürgerbus Kirkel“ auf seine erste Tour. Bürgerbus?

Hinter dieser Saarlandpremiere steckt das private Engagement des „Bürgerbus-Vereins Kirkel – Bürger fahren für Bürger“ mit seinem Vorsitzenden-Gespann Hans-Peter Schmitt und Anne Daum. Mit seinem ehrenamtlichen Engagement will der Verein mittels eines Kleinbusses mit acht Plätzen und zweier Fahrplan-gebundener Strecken durch die Gemeinde Lücken im öffentlichen Personennahverkehr schließen.



Was wichtig ist: Die Macher verstehen sich dabei nicht als Konkurrenz zum etablierten ÖPNV, sondern als Ergänzung – wenn es zu bestimmten Zeiten kein Angebot gibt oder bestimmte Bereiche oder Orte nicht bedient werden können. Hier will der Bürgerbus Kirkel mit seinem Einsatz das Netz engmaschiger machen.

Im Saarland ist Kirkel die erste Kommune, die ein solches ehrenamtlich getragenes Angebot vorweisen kann. Das Nachbarland Rheinland-Pfalz sei da schon weiter, schilderte Schmitt am Rande der Jungfernfahrt am Montag, dort gebe es zwischenzeitlich 68 Bürgerbus-Vereine.

Schmitt, auch Seniorenbeauftragter der Gemeinde, hatte die Idee des Bürgerbusses vor 27 Monaten auf den Weg gebracht und musste bis zum tatsächlichen Start des Angebots am Montagmorgen zahlreiche Hürden überwinden.

„Wir mussten in der Vergangenheit auch feststellen, wie schwer es ist, für ein Projekt, das auf einer privaten Initiative des Seniorenbeirats der Gemeinde Kirkel beruht, Mitstreiter zu finden.“ Immer wieder habe er, so Schmitt, den Menschen erklären müssen, was es mit dem Bürgerbus auf sich habe.

Bei der Finanzierung des Projektes konnte Schmitt auf die Gemeinde Kirkel und den Saarpfalz-Kreis zurückgreifen. Förderungen seitens des Landes seien zwar grundsätzlich vorgesehen, allerdings stünden die Förderrichtlinien noch nicht fest. So gebe es aus Saarbrücken auch noch keine finanzielle Unterstützung.

Folgerichtig dankte Hans-Peter Schmitt den beiden Verwaltungschefs, Kirkels Bürgermeister Frank John und Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo, für deren Einsatz  und für die Unterstützung dieses Ehrenamts-Projektes. Das umfasst derzeit einen Stamm von 15 Fahrerinnen und Fahrern, die auf den beiden unterschiedlichen Routen unterwegs sind.

Frank John zeigte sich sicher, dass das neue Angebot mit der Zeit gut angenommen werde, Theophil Gallo betonte die große Bedeutung des Projektes, für den Ausbau des ÖPNV im ländlichen Raum ebenso wie für das Ehrenamt.

„Der ÖPNV ist ein Riesenthema, an dem aktuell ja an den verschiedensten Stellen gearbeitet wird. Das ist alles nicht so ganz einfach. Dass wir vor diesem Hintergrund nun auf einen Bürgerbus zurückgreifen können, das ist eine tolle Leitung.“ Dieses private Engagement sei sehr hoch anzusehen.

Was bedeutet der neue Bürgerbus nun für die Gemeinde? Konkret gibt es zwei Linien. Die eine verbindet montags, mittwochs und freitags die Kirkeler Ortsteile Limbach und Altstadt, die andere dienstags und donnerstags Limbach und Kirkel-Neuhäusel.

Angefahren werden Wohngebiete und zentrale Punkte in der Gemeinde, das Mitfahren ist kostenlos; es können aber Spenden entrichtet werden. Das Haltestellen-Netz ist dabei eng gestrickt und soll so dem Anspruch gerecht werden, als „Nahverkehr von unten“ das bestehende ÖPNV-Angebot zu ergänzen. Den detaillierten Fahr- und Streckenpläne gibt es auch online unter www.buergerbus-kirkel.de.

Was Hans-Peter Schmitt am Montagmorgen ebenfalls klar machte: Fahrpläne und Streckenverläufe seien „nicht in Stein gemeißelt“.

Man werde in den ersten zwei Monaten des Betriebs prüfen, ob und was man gegebenenfalls nachjustieren müsse.