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Jubiläum des Naturfreundehauses
Ein Haus mit bewegter Geschichte

Zum 90-jährigen Geburtstag des Naturfreundehauses Kirkel gab‘s bei der Feier am Sonntag natürlich auch eine Torte, angeschnitten und unter den Gästen verteilt von Landrat Theophil Gallo, der Vorsitzenden der Naturfreunde Saarland, Monique Broquard, und Bürgermeister Frank John (von links).
Zum 90-jährigen Geburtstag des Naturfreundehauses Kirkel gab‘s bei der Feier am Sonntag natürlich auch eine Torte, angeschnitten und unter den Gästen verteilt von Landrat Theophil Gallo, der Vorsitzenden der Naturfreunde Saarland, Monique Broquard, und Bürgermeister Frank John (von links). FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel-Neuhäusel. Seit mittlerweile 90 Jahren gibt es bereits das Naturfreundehaus in Kirkel-Neuhäusel. Dieser stolze Geburtstag wurde jetzt mit einer Feier begangen, bei der die zahlreichen Besucher vieles über die Bewegung der Naturfreunde lernten. Von Thorsten Wolf

Wer mit der Bewegung der Naturfreunde nun nicht wirklich vertraut ist, der hätte hinter der Feier zum 90-jährigen Bestehen des Naturfreundehauses in Kirkel-Neuhäusel am Sonntag wohl schlicht und gut ein gemütliches Zusammensein eben von Naturfreunden erwartet – mit Essen, Trinken, etwas Musik und dem einen oder anderen Grußwort. Das alles gab es tatsächlich auch, ebenso tatsächlich wurde dem unkundigen Gast aber schnell klar, dass sich hinter den Naturfreunden weitaus mehr verbirgt, als man annehmen könnte. Denn die Organisation, gegründet 1895 in Wien als „Touristische Gruppe für Arbeiter“ ist eben eine echte Arbeiterbewegung.


„Die Arbeiterschaft in Wien wollte damals Alternativen zur gängigen Freizeitgestaltung, die sich oft in Kneipen abgespielt hat. Sie wollten in ihre Berge“, erinnerte Fred Herger, stellvertretender Landesvorsitzender der Natufreunde Saarland, vor Beginn des Festes. Dass dies gelang, sei einer der ersten Erfolge der Bewegung gewesen. Ab 1905 hätten sich dann die Naturfreunde von München aus in Deutschland ausgebreitet „und auch hier im Saarland. Typisch ist dabei, dass die Naturfreunde dort sind, wo die Arbeiter sind“.

Die gab es auch in Kirkel, und so wurde 1928 dort, mit viel solidarischer Unterstützung, ein Naturfreundehaus errichtet. Und spätestens, als im Zuge des offiziellen Teils der Feier dann Walter Burgard, der Vorsitzende des Fördervereins Naturfreundehaus Kirkel, und Hans-Josef Theobald, ebenfalls Mitglied des Fördervereins, vor zahlreichen Gästen in die 90-jährige Geschichte des Hauses zurückblickten, wurde auch dem Letzten klar, dass er sich an einem geschichtsträchtigen Ort des Widerstandes gegen den Anschluss des Saargebietes ans Deutsche Reich befand. Burgard und Theobald erinnerten an die Abstimmung zum Saarstatut 1935, daran, dass das Naturfreundehaus Zentrum derer gewesen war, die sich gegen den Anschluss ans Dritte Reich gewehrt hatten. All das, so die Schilderungen der beiden, endete 1935, das Naturfreunde sei nach dem Anschluss sehr schnell zum Lager des Reicharbeitsdienstes geworden.



Mit der Schreckensherrschaft des Dritten Reiches im Saarland endete dort vorerst die Geschichte der Naturfreunde auch an der Saar, als sozialistische Organisation war die Bewegung in der Zeit des Nationalsozialisten verboten, ihre Mitglieder wurden verfolgt.

Doch natürlich ging es am Sonntag nicht nur um die bewegte Geschichte des Naturfeundehauses in Kirkel, immer wieder wurde auch der Blick nach vorne gerichtet. Den europäischen und internationalen Charakter der Naturfreunde, heute ist die Organisation weltweit in mehr als 40 Ländern aktiv, betonte Landrat Theophil Gallo in seiner Rede. So würdigte er das Streben der Bewegung nach Partnerschaft über Grenzen hinweg. „Über das Thema Partnerschaften müssen wir uns heute unterhalten. Denn wenn man schaut, was heute in der großen Politik passiert, wie schnell sich Änderungen in der politischen Großwetterlage ergeben, dann ist es wichtig, dass wir uns untereinander mit anderen Regione und Ländern veständigen.“ Doch nicht nur für dieses Miteinander engagierten sich, so Gallo, die Naturfreunde. Als quasi historischer Vorläufer des heutigen Biosphären-Reservates Bliesgau käme der Organisation gestern und heute eine große Bedeutung zu.

Auch Monique Broquard, die Landesvorsitzende der Naturfreunde Saarland, betonte das Engagement des Naturfreundehauses Kirkel für die Biosphäre, haben man doch dort nun einen Info-Punkt, der unmittelbar am Haus und damit an prominenter Stelle am Zugang zum Kirkeler Wald über diese ganz besondere Region informiere. „Wir sind stolz, dass wir heute direkt vor Ort über die größte Kernzone des Biosphären-Reservates informieren können. Der Info-Punkt umfasst eine touristische Gebietskarte an der Außenwand des Naturfreundehauses, eine Infotafel am Parkplatz und Prospekt-Material im Gastrausm Haus selbst. Wir sind stolz darauf, dass wir unseren Beitrag zu unserer Biosphäre leisten können!“

Den internationalen und auch durchaus politischen Charakter des Festes vom Sonntag unterstrich auch das musikalische Programm der Feier: Mit der in Chile verwurzelten Formation „Musikandes“, Daniel Osorio und Alena van Wahnem, gab es Lieder mit Tiefgang – auch als Zeichen der Solidarität und Internationalität der Naturfreunde weltweit.