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Ausstellung der KSK-Kulturstiftung
Ein Besuch in längst vergangenen Zeiten

Mit zahlreichen Exponaten wurde am vergangenen Wochenende im Limbacher Theobald-Hock-Haus der vierten Band der Buchreihe „Museum der Erinnerung“ der Stiftung für Kultur und Umwelt der Kreissparkasse Saarpfalz für zwei Tage zu einer kleinen Erlebniswelt.
Mit zahlreichen Exponaten wurde am vergangenen Wochenende im Limbacher Theobald-Hock-Haus der vierten Band der Buchreihe „Museum der Erinnerung“ der Stiftung für Kultur und Umwelt der Kreissparkasse Saarpfalz für zwei Tage zu einer kleinen Erlebniswelt. FOTO: Thorsten Wolf
Limbach. Die Stiftung für Kultur und Umwelt der Kreissparkasse Saarpfalz stellte am vergangenen Wochenende in Limbach begleitend zum vierten Band der Reihe „Museum der Erinnerung“ viele Exponate aus alten Zeiten vor. Von Thorsten Wolf

War früher alles besser? Darüber kann man trefflich diskutieren. Sicher ist aber auf jeden Fall: Früher war vieles, wenn nicht gar alles anders. Und dieses „Andere“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, auch das hat sich die Stiftung für Kultur und Umwelt der Kreissparkasse Saarpfalz (KSK) auf ihre Fahnen geschrieben. Gespeist von Erzählcafés, in denen Zeitzeugen aus ihrem reichen Erinnerungsschatz berichten, sind in den zurückliegenden Jahren bislang vier Bände der Reihe „Museum der Erinnerung“ entstanden. Am Wochenende beleuchtete eine Ausstellung im Limbacher Theobald-Hock-Haus den vierten Band „Komm hinne romm!“, erschienen 2017.


Das Werk steht ganz im Zeichen der fiktiven Figur „Ilse aus Limbach“, die aus ihrem Leben in den Jahren von 1931 bis heute erzählt. Hinter dieser Fiktion stehen allerdings ganz konkrete Erinnerungen, namentlich die von Luise Grub, Lore Hilpert, Lucie von Lutz und Margot Weis, die der Stiftung „ihre Lebensgeschichte anvertraut und geschenkt haben“, wie Ralph Marx, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Saarpfalz und Vorsitzender der Stiftung, in seiner Begrüßung anlässlich der Ausstellungseröffnung bemerkte. Eben diese Ausstellung ergänzte, kuratiert von den Projektleiterinnen Carola Stahl und Jutta Schwan, mit vielen Ausstellungsstücken aus der Vergangenheit die nun schriftlich festgehaltenen Erinnerungen von Grub, Hilpert, von Lutz und Weis. Vor zwei Jahren, so Marx, sei die Idee zum vierten Band bei einem der Erzählcafés geboren worden, da habe man „Ilse aus Limbach“ das Leben geschenkt. Ralph Marx war es auch, der, bevor Stahl und Schwan mit Auszügen aus dem Buch durch die Ausstellung führten, den Gäsen der Ausstellungseröffnung in gebotener Kürze erläuterte, was „Ilse aus Limbach“ so alles erleben durfte und erleben musste – in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, im Krieg selbst und in den Jahren danach bis heute.

„Das Buch erzählt zunächst von ihrer unbeschwerten Kindheit, bis der Krieg den Alltag aus den Fugen geraten ließ. Von seinem Schrecken wird berichtet und dem Ringen um Normalität, die sich auch in der Wiederaufnahme der in Friedenszeiten gelebten Bräuch niederschlug“, so Marx einleitend. Eben Bräuche nehmen im vierten Band der Reihe „Museum der Erinnerung“ einen großen Raum ein – wie Carola Stahl und Jutta Schwan in ihrer kurzen Lesung eindrucksvoll verdeutlichen. So, als es um ein in Limbach auch heute noch gesellschaftlich überaus wichtiges Thema geht: die Kerb.

Carola Stahl: „Mit der Kerb schließt das landwirtschaftliche Jahr ab, sie ist in Limbach ein wichtiges und großes Fest, das vom letzten Samstag im Oktober bis zum darauffolgenden Dienstag gefeiert wird. Ab 1939 ließ das Kriegsgeschehen nicht zu, dass wir unserem Dorffest nachkamen“, so Stahl mit den Worten der fiktiven Ilse. Erst in den ersten Nachkriegjahren habe man wieder gefeiert, Heimkehrer aus dem Krieg, obwohl eigentlich viel zu alt, hätten die Tradition der Straußbuwe wiederbelebt. „Aber sie zeigten uns einerseits, was wie verloren oder nie gelebt hatten, andererseits gaben sie unserer Sehnsucht, das Leben zu feiern, Ausdruck: Es wurde wieder getanzt.“

Jutta Schwan spann die Geschichte der Limbacher Kerb, gepeist aus den realen Erinnerungen von Luise Grub, Lore Hilpert, Lucie von Lutz und Margot Weis, weiter und erzählte von den Veränderungen, die „Ilse“ miterlebte. „In den Jahren, in denen meine Söhne Straußbuben waren, begann die Kerb schon am Freitagabend. Wer es sich erlauben konnte, blieb am Montag im Dorf.“ So im Dialog widmeten sich Stahl und Schwan den einzelnen Themenkomplexen von Buch und Ausstellung, so der Zeit von Schule und Ausbildung, dem Fest der Konfirmation oder auch der Tanzschule.



Passend zu Lesung von Stahl und Schwan präsentierte die zweitägige Ausstellung am vergangenen Wochenende zahlreiche Exponate aus vergangenen Limbacher Zeiten – Fotos, Gegenstände des Alltags und vieles mehr zeichneten ein Bild der Geschichte und der Geschichten im Ort. Den stimmigen musikalischen Rahmen für diese Zeitreise gestaltete dabei die Formation „Homburg Harmonists“, die mit Evergreens wie “Wochenend und Sonnenschein“ und „Veronika, der Lenz ist da“ für die passende Erinnerungs-Stimmung sorgten.