| 20:27 Uhr

Rasierklingen
„Die Palatia hat keine natürlichen Feinde“

Ein Dreier-Team um den Breitenbacher Markus Kowollik (rechts) suchte mit Metall-Detektoren am Samstag den rund 7000 Quadratmeter großen Kunstrasenplatz der Limbacher Palatia nach weiteren Rasierklingen ab.
Ein Dreier-Team um den Breitenbacher Markus Kowollik (rechts) suchte mit Metall-Detektoren am Samstag den rund 7000 Quadratmeter großen Kunstrasenplatz der Limbacher Palatia nach weiteren Rasierklingen ab. FOTO: Thorsten Wolf
Limbach. Mit Metalldetektoren ist der Kunstrasen der Palatia Limbach abgesucht worden. Vor einigen Tagen wurden dort Rasierklingen gefunden. Von Thorsten Wolf

Entwarnung bei der Palatia Limbach: Nachdem vor etwas mehr als einer Woche insgesamt fünf Rasierklingen auf dem Kunstrasenplatz des Vereins gefunden worden waren (wir berichteten), brachte eine abschließende Überprüfung mit Metall-Detektoren am vergangenen Samstag aktuell keine weiteren Auffälligkeiten. Bis in den Nachmittag hinein hatte ein Team um Markus Kowollik aus dem pfälzischen Breitenbach mit drei Geräten den rund 7000 Quadratmeter großen Platz Meter für Meter und Bahn für Bahn abgesucht. Und das aus gutem Grund, wie Dirk Schmidt, Vorsitzender des Vereins und zuständig für den Bereich Spielbetrieb und Finanzen, am Rande der Suchaktion schilderte.



„Es ist eben reiner Zufall, genau an der Stelle des Platzes so genau hinzuschauen, dass man eine Rasierklinge direkt sieht.“ Denn: Eine Rasierklinge, wenn sie aufgerichtet zwischen den Halmen des Kunstrasen stecke, sei mit dem bloßen Auge kaum bis gar nicht zu erkennen. Dies habe eine erste Suche mit 30 Mann auf dem Platz, unmittelbar nach den Funden, bewiesen.

Bei dieser Sichtkontrolle habe man zuerst keine weitere Rasierklinge gefunden, Minuten später dann aber doch eine weitere Klinge im Randbereich des Platzes im Bereich der Kabine entdeckt. Deswegen nun der Einsatz von professioneller Technik.

Den Kontakt zu dem Dreier-Team aus Breitenbach hatte Georg Rech hergestellt, unter anderem früherer Jugendtrainer bei der Palatia. Zusammen mit Schmidt verfolgte Rech am Samstag die Suche und unterstützte organisatorisch. „Wir hoffen natürlich, dass sie nichts finden“, so Rech. Abseits der akuten Gefahrenabwehr mache man sich selbstredend Gedanken über die Hintergründe der Tat. Dirk Schmidt: „Wir haben uns natürlich gefragt, mit welchem Verhalten ein Sportverein Ärger machen kann. Zum Beispiel, wenn man permanent den Anwohnern des Platzes die Garagen zuparkt. Das scheidet aber aus, da wir 300 Meter von der Ortslage entfernt sind. Oder, wenn man mit einem anderen Verein Ärger rund um einen Spielerwechsel hat. Ist auch nicht. Oder wenn sich ein anderer Verein bei einem Spiel hier in Limbach verschaukelt gefühlt hat oder Spieler eines anderen Vereins angegriffen wurden. So was liegt aber auch nicht vor.“

Man habe als Palatia, dessen ist sich Schmidt sicher, ein gutes Image in der Region. „Ein Auswärtsspiel in Limbach ist okay. Wir sind nett, es gibt kaltes Bier, wir haben drei Arten von Würstchen zur Auswahl“, so Schmidt mit einem Augenzwinkern. „Die Palatia hat keine natürlichen Feinde.“ So bleibt das Motiv der Tat immer noch völlig im Dunkeln. Und das sorgt natürlich für Unbehagen – und den Wunsch, solche Vorfälle in der Zukunft zu verhindern. „Wir denken derzeit darüber nach, das Gelände mit einer Video-Überwachung auszustatten“, verdeutlichte Georg Rech die Lage im Verein. Und Dirk Schmidt ergänzte, dass datenschutzrechtlich und zum Zweck der Gefahrenabwehr wohl eine direkte Überwachung des Eingangsbereichs und der Spielfläche zulässig sei. Geschätzte Kosten für die Anschaffung der dafür nötigen Technik: rund 1500 Euro.

Dies ging zwar noch, aber, wie Schmidt klarmachte: „Für diese 1500 Euro würde ich lieber den unteren Jugendmannschaften neue Trikots, neue Bälle oder irgendwas anderes kaufen. Ich hab da schon eine innere Verweigerungshaltung, wenn ich Kameras kaufen muss, um einen Sportplatz zu schützen.“ Grundsätzlich sei die Tat Sinnbild für eine Entwicklung, die man sich  vor Jahren noch gar nicht habe vorstellen können, zeigte sich Georg Rech betroffen.

Und Schmidt machte keinen Hehl daraus, dass es ihm nicht gelinge, Wut über den Vorfall aufzubauen. „Ich bin immer noch in der Phase des vollständigen Unverständnisses. Ich versuche immer noch, mir ein Szenario zu überlegen, bei dem jemand beim Rasieren über den Platz gelaufen ist und Rasierklingen verloren hat. Natürlich ist das eine bescheuerte Vorstellung. Und es gibt kein denkbares Szenario, bei dem so etwas unbeabsichtigt und zufällig passiert.“