| 19:12 Uhr

Die Bürokratie sorgt für Arbeit

Nachdem seit Anfang Juni keine neuen Flüchtlinge mehr nach Kirkel gekommen sind, läuft für die ehrenamtlichen Helfer Phase zwei: Integration, auch durch Sprachkurse. Foto: Philipp Schulze/dpa
Nachdem seit Anfang Juni keine neuen Flüchtlinge mehr nach Kirkel gekommen sind, läuft für die ehrenamtlichen Helfer Phase zwei: Integration, auch durch Sprachkurse. Foto: Philipp Schulze/dpa FOTO: Philipp Schulze/dpa
Kirkel. Die Flüchtlings-Situation in Kirkel bleibt entspannt, seit Anfang Juni sind keine neuen mehr angekommen in der Gemeinde. Das heißt aber nicht, dass die Arbeit der zahlreichen Helfer in Kirkel-Neuhäusel, Limbach und Altstadt geringer wird. Ralph Schäfer

"Die Flüchtlinge sind immer noch hier und wir sind jetzt sozusagen in Phase zwei, kümmern uns um die Integration", sagte Martina Reith, ehrenamtliche Helferin in Sachen Flüchtlingsbetreuung der ersten Stunde in Limbach, am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Konkret heißt das Unterstützung bei Behördengängen, Anträge stellen für Wohnungen und Hilfe im breiten Bereich des täglichen Lebens in Limbach und Altstadt. "Die Arbeit wird nicht weniger, wir haben weiter sehr intensiven Kontakt mit den Flüchtlingen", so Reith. Im Moment kommen keine neuen Flüchtlinge nach Kirkel , bestätigt die Limbacher ehrenamtliche Helferin. "Ich denke aber, dass da noch eine Welle kommen wird", vermutet Reith, nach deren Angaben man zurzeit noch auf Nachzug bei einigen Familien warte.



Ganz wichtig findet sie Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge: "Viele Menschen sagen, ‚die hängen nur rum': Die Flüchtlinge wollen was tun, würden liebend gerne arbeiten , dürfen sie aber nicht".

Auch Josef Homberg vom Arbeitskreis Agil in Kirkel-Neuhäusel bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung: "Seit Anfang Juni sind von außerhalb keine Flüchtlinge mehr gekommen." Aber die Arbeit werde nicht weniger, schließlich gehe es um das "Monster Bürokratie ". Dort seien der Vielfalt keine Grenzen gesetzt: Kürzlich erhielt Homberg einen Anruf von der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), die von einer Familie für März 17,50 Euro haben wolle. "Ich soll jetzt den Nachweis erbringen, dass diese Familie vor dem 1. April kein eigenes Einkommen hatte". Oder die Kreisbehörden verlangen Zeugnisse von zwei syrischen Jungen: "Die haben überhaupt keine Zeugnisse bekommen."

Wenn er zurückdenkt an die Anfangszeit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für Flüchtlinge vor Jahren und was sich daraus entwickelt hat, stehe eines fest: "Die Bürokratie wird auch weiterhin Purzelbäume schlagen." Etwa wenn eine Familie mit vier Kindern acht Monate lang kein Kindergeld bekommt. Oder wenn Behörden den Familien unverdrossen einen Bescheid nach dem anderen schicken: "Die können aber kein Wort davon lesen!"

Eine Einschätzung, ob nochmal eine Flüchtlingswelle kommen könnte, vermag der ehrenamtliche Helfer allerdings nicht zu geben: "Das kann ich nicht sagen. Wenn aber diejenigen, die jetzt schon in Italien oder Griechenland sind, einen Weg finden, muss man vermutlich damit rechnen. Deutschland wird von den Flüchtlingen mit Sicherheit nicht umgangen. Den Menschen kann man keinen Vorwurf machen", sagt Homberg, den es nach eigenem Bekunden wundern würde, "wenn da nichts mehr käme. Die Frage wird sein, wie geht Europa damit um?"

Die Gemeinde sei dafür gerüstet, noch stünde Wohnraum zur Verfügung. Agil selbst sei vom Personellen her nicht unbedingt gerüstet: "Es ist schon eine sehr schwierige Situation", sagt Josef Homberg.