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Auszeichnung
Top-Platzierung als Ansporn für Kulturarbeit

Seit 2005 sind Markus und Jasmin Hahn mit ihrer Buchhandlung in jeder Beziehung „mitten im Dorf“, nun gab‘s als Auszeichnung den Deutschen Buchhandlungspreis.
Seit 2005 sind Markus und Jasmin Hahn mit ihrer Buchhandlung in jeder Beziehung „mitten im Dorf“, nun gab‘s als Auszeichnung den Deutschen Buchhandlungspreis. FOTO: Thorsten Wolf
Limbach. Verwurzelt im Dorf: Limbacher Bücherei Hahn sieht den Deutschen Buchhandlungspreis auch als Bestätigung des eigenen Konzepts. Von Thorsten Wolf

„Wir wollen ein Dorfladen bleiben. Das ist uns wichtig, das passt auch zu uns. Wir sind eine Dorfbuchhandlung in Limbach – und das macht uns Spaß.“ Nein, es ist kein britisches Understatement, das Jasmin Hahn, die Chefin der Limbacher Buchhandlung Hahn, zu dieser Aussage bringt. Im Gespräch mit ihr findet man schnell heraus, dass es ihr mit dem „mitten im Dorf“ wirklich ernst ist – und zwar bei weitem nicht nur räumlich betrachtet. Dieses Sich-Einbringen in die Ortsgemeinschaft, auch jenseits reiner Wirtschaftlichkeit, hat nun auch bundesweiten Nachhall und Anklang gefunden: In der vergangenen Woche wurde die Buchhandlung Hahn bei einer großen Festveranstaltung in Kassel mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet (wir berichteten).


Dabei hat es zwar, und das soll an dieser Stelle gesagt sein, nicht zu Gold oder Silber gereicht, mit der Platzierung auf dem dritten Treppchen, zusammen mit weiteren Buchhandlungen in ganz Deutschland, ist Jasmin Hahn aber mehr als zufrieden, aus gutem Grund. Und der verrät viel über das, was Jasmin antreibt. „Entäuscht war ich nicht. Natürlich hoffen ein paar Gehirnzellen auf Silber oder Gold. Aber das drückt man weg. Denn: Was kommt nach dem ersten Platz? Leere! Nichts!“ So gebe ihr das Abschneiden beim Deutschen Buchhandlungspreis Aufwind, „es wird mich antreiben, es wird mich anspornen. Denn da geht noch was – und da bin ich richtigt heiß drauf.“ Und dieses „da geht noch was“ bezieht sich nicht auf ein besseres Abschneiden bei  Wettbewerben, sondern auf das Leben und Arbeiten mitten in Limbach, auf den Umgang mit Kunden und Freunden.

Dass das Engagement von Jasmin Hahn, ihrem Ehemann Markus und der aktuell dritten Kraft Birgit Klein, nun eine solche Würdigung erfährt, das konnte beim Start im Jahr 2005 wohl noch keiner ahnen. Von Hause aus Krankenschwester, entschied sich Jasmin Hahn damals, das Tabak- und Lottogeschäft Dietz zu übernehmen. Nach kurzer Zeit gab’s dann in einem Bücherregal mit antiquarischen Werken den ersten Lesestoff zu kaufen. Auf Nachfrage von Kunden kam dann auch aktuelle Literatur dazu. Währendessen und noch heute steuert Markus Hahn als Mitarbeiter der heutigen Buchhandlung und Antiquariat Hahn seinen Teil an Arbeitsleistung mit dazu bei, noch immer ist er auch zusätzlich als Krankenpfleger am Homburger Universitätsklinikum tätig.



Die Vorzeichen, hätte man auf „gute Ratschläge“ gehört, waren im Jahr 2005 für einen kleinen, stationären Buchhandlung im Ort angeblich nicht gut. „Limbach liest nicht“, habe sie damals gehört, erinnert sich Jasmin Hahn im Gespräch mit unserer Zeitung. „Limbach liest aber. Und Limbach liest gute Bücher.“

Rund um das Geschäft mit den Büchern, wobei ein Buch für Jasmin Hahn weitaus mehr als ein Wirtschaftsgut ist, hat sich eine ganze Reihe von zusätzlichen Aktivitäten entwickelt. Und genau dieses Engagement wurde auch durch den Deutschen Buchhandlungspeis gewürdigt. Denn: Für den kommt nur in Frage, wer zum einen unabhängig ist, zum anderen mit einem kulturellem Veranstaltungsprogramm, einem Engagement bei der Lese- und Literaturförderung, einem literarischen Sortiment und auch mit einem innovativen Geschäftsmodell aufwarten kann. Und innovatives Risiko hat Jasmin Hahn nicht gescheut. So richtete sie ein literarisches Dorfcafé ein, organisiert Lesungen, betreibt Leseförderung an Grundschulen und Kindergärten – und denkt darüber nach, im nächsten Jahr auch musikalische Veranstaltungen anzubieten.

Und das bei einem Raum- und Personaltableau, da wahrlich alles andere als üppig ist. Doch warum tut man sich so viel Engagement an? „Das macht uns unglaublich viel Spaß. Und es fördert meine Bindung zum Buch und zu den Menschen. Das ist uns unglaublich wichtig.“ Dieses Engagement hat die Jury des Buchhandlungspreises überzeugt, eine Prämie in Höhe von jeweils 7000 Euro sowie ein Gütesiegel in der Kategorie „hervorragende Buchhandlungen“ gab es als Würdigung für die Limbacher Buchhandlung Hahn. „Mir haben bei der Preisverleihung in Kassel die Worte gefehlt.“