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Bildungszentrum Kirkel
Das musikalische Universums Dylans

 Spielten mit viel Hingabe eigene Arrangements von Bob Dylan-Songs: The Parkin’ Meters aus Saarbrücken im Bildungszentrum der Arbeitskammer. Foto: Sebastian Dingler
Spielten mit viel Hingabe eigene Arrangements von Bob Dylan-Songs: The Parkin’ Meters aus Saarbrücken im Bildungszentrum der Arbeitskammer. Foto: Sebastian Dingler FOTO: Sebastian Dingler
Kirkel. The Parkin’ Meters spielten im Bildungszentrum der Arbeitskammer Stücke des amerikanischen Liedermachers. Von Sebastian Dingler

Weltstar Bob Dylan ist ja ein Fall für sich in der Musikgeschichte: Es dürfte kaum jemanden geben, der so viele Hits hatte, bei denen nicht er selbst der Interpret war, sondern jemand anderes. „All along the watchtower“ von Jimi Hendrix ist ein Beispiel, „Mighty Quinn“ von Manfred Mann ein anderes. Die Originalversionen des Amerikaners Dylan wurden in beiden Fällen soundtechnisch und vom Arrangement her veredelt – auf beides hatte der „Meister“, wie seine Fans ihn nennen, halt nur wenig Wert gelegt in seiner Frühzeit.


Eigentlich sind Dylan-Songs wie Vorlagen in einem Malbuch: Eine tolle Basis für farbenfrohe Klanggemälde. Was liegt da näher, als eine Bob-Dylan-Tributeband aufzuziehen, die dem unbestritten großartigen Songmaterial zur Blüte verhilft! Der Saarbrücker Musiker und Chef der Band Savoy Truffle, Zippo Zimmermann, hat sich mit der Band The Parkin’ Meters diesen Traum verwirklicht, Dylan-Songs nach seinen Vorstellungen zu verwirklichen.

Im Jahr 2001, anlässlich des 60. Geburtstags des amerikanischen Liedermachers, hatte er zum ersten Mal ein Dylan-Programm aufgeführt, jetzt gastierte er mit The Parkin’ Meters im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel-Neuhäusel. Sängerin Awa Taban Shomal ist auch bei Savoy Truffle die Frontfrau; dazu gesellten sich Felix Hubert (Kontrabass), Lorenz Blaumer (Geige) und Marius Buck (Schlagzeug). Zimmermann selbst sang, spielte Klavier, griff außerdem einmal zur Ukulele und solierte einmal sehr gekonnt auf der Klarinette. Zwischendurch rezitierte er eine komplette Übersetzung des Dylan-Songs „Advice for Geraldine on her miscellaneous birthday“, um die Sprachgewalt des Nobelpreisträgers für Literatur zu demonstrieren: „Wenn der Name des Präsidenten fällt, iss einen Joghurt und gehe zeitig zu Bett“, heißt es darin etwa, oder: „Nimm dich in acht vor Klowänden, auf die noch keiner was gekritzelt hat“.



Vieldeutig und immer wieder überraschend sind Dylans Texte, und so setzten es die Parkin’ Meters auch musikalisch um. Etwa in dem länger angelegten „Masters of War“, das mächtig gestrichene Kontrabasstöne, A-cappella-Passagen sowie eine große stilistische Vielfalt verwendete. Letzteres traf auch aufs gesamte Konzert zu, denn, so Zippo Zimmermann: „Es ist ein Repertoire, bei dem deutlich wird, was für eine Riesenbandbreite Bob Dylan hat. Wenn man ihn nicht so gut kennt, denkt man vielleicht, das ist jemand mit der Klampfe, der Songs mit drei Akkorden spielt. Aber er hat eben Pop, Folk und Jazz gemacht, sogar Rap, obwohl es das damals noch gar nicht gab.“

In das musikalische Universum Dylans war Zimmermann über eine deutsche Band geraten, was ihm fast etwas unangenehm ist: „Ich war ursprünglich Bap-Fan mit 15, 16. Wolfgang Niedecken ist ja ganz großer  Dylan-Fan. Da dachte ich, das muss ja ganz gut sein.“ Allzu Ausgelutschtes aus dem Dylan-Werk wollte der Saarbrücker lieber nicht ins Programm nehmen, also gab es weder „Knockin’ on heaven’s door“ noch „Blowin’ in the wind“ zu hören. „Er hat ja Hunderte von Songs geschrieben, und die meisten davon sind gut. Weitaus mehr als die Handvoll, die jeder kennt.“ So aber konnten die etwa 150 Zuhörer erst bei der Zugabe mitsingen, nämlich bei „Mighty Quinn“, das bei Dylan den Titel „Quinn, the Eskimo“ trägt.

Trotzdem war die Resonanz auf den Auftritt überaus positiv. „Ich fand’s sehr gut. Die Musiker waren sehr talentiert, und die Sängerin hatte von den Tiefen bis nach oben eine gute Stimme“, sagte Berthold Fitzke aus Illingen. Gabi Meyer aus Altenkirchen, die öfter ins Bildungszentrum zu Konzerten geht, meinte: „Mir hat’s sehr gut gefallen. Das war für mich jetzt ein bisschen unbekannt in der Formation, wie die das  gemacht haben, aber es war sehr schön.“ Jürgen Holzhauser und Rüdiger Ecker aus Limbach kritisierten den Sound, der sei ihrer Meinung nach „zu dumpf“ gewesen. Aber sie hatten auch Lob für The Parkin’ Meters: „Musikalisch war das überraschend stark, einfach spitze, auch die Arrangements.“