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Reaktionen zu Praktiker-Lösung
Bereit für die Bereitschaftspolizei

Wo noch vor Jahren der Praktiker-Konzern seine Zentrale hatte, wird nun bis voraussichtlich 2022 ein neuer Groß-Standort für Einheiten der saarländischen Landespolizei entstehen.
Wo noch vor Jahren der Praktiker-Konzern seine Zentrale hatte, wird nun bis voraussichtlich 2022 ein neuer Groß-Standort für Einheiten der saarländischen Landespolizei entstehen. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Die Zentrale der ehemaligen Baumarkt-Kette Praktiker könnte zum neuen Standort der Landespolizei werden. Von Thorsten Wolf

Als die Praktiker-Firmenzentrale in Kirkel vor Jahren als Ergebnis der Pleite des Unternehmens seine Tore schloss, da herrschte erstmal Ratlosigkeit im Schatten der Burg. In der Folge gab es immer wieder Ideen und Pläne, was mit dem großen Areal am Tannenwald in Kirkel-Neuhäusel geschehen könnte. Mal schien es, als wolle sich dort ein Energieversorger einmieten, dann wieder wurde diskutiert, ob sich das im Besitz der landeseigenen Saarland Bau und Boden (SBB) befindliche Gebäude als Standort für einen Teilbereich der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) eignen könnte. Alle diese Überlegungen verliefen im Sande.


Nun hat das Landes-Innenministerium unter Klaus Bouillon (CDU) den Bau als neuen Standort für Teile der Landespolizei auserkoren. Gemäß den Plänen des Innenministers, denen wurden am Mittwoch vom Ministerrat auch so zugestimmt, werden in einem ersten Schritt die Bereitschaftspolizei, rund 140 Beschäftigte, mit ihrer Einsatzhundertschaft und technischen Einheit dort ihr neues Zuhause finden (wir berichteten). Auf Sicht wird Kirkel dann auch Standort des Zentralen Verkehrsdienstes Ost, derzeit in Bexbach, und des Verkehrsdienstes Mitte, derzeit in Dudweiler, werden. In einer dritten Phase zieht dann auch die Diensthundestaffel der saarländischen Polizei von Bexbach nach Kirkel um. Dafür soll eine neue Hundezwingeranlage samt Trainingsgelände angelegt werden. Und auch ein Teil der Ausbildung der Kommissar-Anwärter wird in Zukunft dann in Kirkel erfolgen. So zumindest sehen es die Planungen vor, bis 2022 soll alles umgesetzt sein.

Kirkels Bürgermeister Frank John (SPD) zeigte sich sichtlich einverstanden mit den nun vom Ministerrat bestätigten Plänen des saarländischen Innenministeriums, die Ansiedlung einer großen Landesdienststelle, gerade einer der Polizei, begrüße er sehr. Er machte aber auch deutlich, dass die Gemeinde, abgesehen von persönlichen Gesprächen, keine Möglichkeit habe, auf die tatsächlichen Entwicklungen am Tannenwald einzuwirken, gehöre das Areal doch dem Land. Immerhin sei man gefragt, wenn es nötig werden sollte, den Bebauungsplan gegebenenfalls zu ändern.

Dass diese Neubelegung des Praktiker-Gebäudes keine Gewerbesteuereinnahmen bringe, da es sich nicht um den Zuzug eines privaten Unternehmens handele, werde gleich zweimal aufgewogen. So sehe er die Chance für kleinere örtliche Gewerbetreibende wie Metzgereien, Bäckereien und Ähnliche auf ein Mehr an Umsatz. Zudem biete sich vielleicht auch die Möglichkeit, Infrastruktur im Ort – so die Hallen und Sportstätten – der Polizei als Trainingsort anzubieten und so vielleicht auch in Zusammenarbeit mit dem Land die eine oder andere Ertüchtigung umzusetzen. Und: Auf Sicht könnte sich auch die Chance bieten, trotz der Vorgaben des Landesentwicklungsplanes Siedlung, perspektivisch neue Wohngebiete auszuweisen, sollten mit den Jahren Mitarbeiter der Polizei auch ihren Wohnort nach Kirkel verlagern wollen. Was John natürlich auch nicht unerwähnt ließ: „Diese Ansiedlung ist nicht nur für das Sicherheitsgefühl, sondern auch für die reale Sicherheit in Kirkel sehr gut.“

Positiv war auch die Reaktion der Kirkeler CDU auf die Absicht des Innenministeriums. Der Gemeindeverbandsvorsitzende Andreas Kondziela: „Das ist für Kirkel-Neuhäusel und die Gemeinde Kirkel ein Glücksfall. Besser geht’s nicht. Wir Kirkeler sprechen der Landesregierung und Innenminster Klaus Boullion ein Riesen-Dankeschön für diese Entscheidung aus.“ Mit mehreren hundert Beschäftigten in den nächsten Jahren handele es sich um die größte Neuansiedlung der öffentlichen Hand in den letzten Jahrzehnten im Saarland, so Kondziela. Zudem, wie Fraktionssprecher Hans-Josef Regneri ergänzte, bedeute die Ansiedlung das Schaffen von neuen Arbeitsplätzen, „Handel und Gewerbe in der Gemeinde werden ebenso massiv davon profitieren“.



Nicht weniger angetan zeigte sich auch die Kirkeler SPD von den Absichten. „Der zukünftige Ausbau des ehemaligen Praktiker-Geländes in Kirkel zu einem neuen Großstandort der Saarpolizei ist eine wichtige und zukunftsweisende Entscheidung für die Gemeinde Kirkel und die gesamte Region im Saarpfalz-Kreis. Für die Gemeinde Kirkel ist dies natürlich ein großer Erfolg: Der jahrelange Leerstand der ehemaligen Baumarkt-Verwaltungszentrale wird endlich beendet“, erklärte Esra Limbacher, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kirkeler Gemeinderat. „Davon profitiert dann auch die Gemeinde Kirkel und die gesamte Region im Saarpfalz-Kreis, aber aufgrund der guten Verkehrsanbindung natürlich auch die Polizistinnen und Polizisten. Wir werden alles dafür tun, eine gute neue Heimat für die saarländischen Polizistinnen und Polizisten zu sein“, so Limbacher gegenüber unserer Zeitung.