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Erfolgreicher Reiter
Auf dem Pferderücken aufgewachsen

Niklas Betz aus Altstadt erhielt sein goldenes Reitabzeichen für zehn Siege in der schweren Klasse S auch auf Zwei- und Drei-Sterne Niveau.
Niklas Betz aus Altstadt erhielt sein goldenes Reitabzeichen für zehn Siege in der schweren Klasse S auch auf Zwei- und Drei-Sterne Niveau. FOTO: Cordula von Waldow
Altstadt. Für seine sportlichen Erfolge wurde der Springreiter Niklas Betz aus Altstadt mit dem Goldenen Reitabzeichen geehrt. Von Cordula von Waldow

 „Konntest Du zuerst reiten oder laufen?“ Niklas Betz schmunzelt über die Frage. „Erst Reiten“, vermutet der Sohn einer Reiter- und Pferdezüchterfamilie in vierter Generation aus Altstadt und kennt Fotos, auf denen er vor einem seiner Eltern oder Großeltern im Sattel hockt. Bereits als Dreikäsehoch nahm er an den Reitstunden des Reit- und Fahrvereins (RFV) Limbach. „Es waren mehr Flugstunden“, beschreibt er die Anfänge mit seinem Pony, auf das er beharrlich immer wieder aufstieg. „Was man anfängt, bringt man zu Ende“, ist eine Maxime, die den jungen Reiter auf seinem ganzen Lebensweg begleitete.


Seine große Karriere begann eher zufällig, als sein Ausbilder und Onkel, der langjährige saarländische Landestrainer im Springen, Manfred Reitmeier, 2013 mit ihm zum Preis der Besten ins Pferdemekka Warendorf fuhr. Völlig unerwartet, gewann der nationale Newcomer aus dem kleinsten deutschen Bundesland den Wettbewerb der besten deutschen Springjunioren. Sofort wurde er in den Bundeskader berufen und erritt sich erste Meriten bei Nationenpreisen in der Children-Klasse mit der deutschen Mannschaft. In diesem Jahr bereits gewann er sein erstes schweres Springen mit dem Schimmelwallach Kevin.

“Er war mein bester Lehrmeister“, erinnert sich Niklas Betz an „ein Pferd, das keinen Fehler verzeiht“. Nach der Schule verbrachte der Heranwachsende seine Zeit im Stall und auf dem Pferderücken. „Ich wollte immer reiten“, erkannte er, nachdem er sich eine Saison lang vergeblich auf dem Rasenplatz beim Fußball bemüht hatte. Unterstützt von seiner gesamten Familie, erritt er sich seine Erfolge und verkraftete seine Niederlagen, wenn nach der Erfolgsserie die Durststrecke kam. „Trotz seines Talents hat sich Niklas Betz seine Erfolge hart erarbeitet, mit Verantwortungsbewusstsein und Disziplin“, skizzierte Heike Körner ihren Neffen, Sohn ihrer Schwester Manuela.

Das galt auch für sein bravouröses Abitur. Statt eines Studiums, entschied sich der junge Pferdemann für eine Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten. Doch trotz sofortiger Erfolge kehrte der Saarländer nach kurzer Zeit aus dem fernen Norddeutschland in die Heimat und den Schoß der Familie zurück. Er erkannte: „Meine Pferde sind hier schon verwöhnt, sie gehören zur Familie und genießen die vielseitige Zuwendung.“

Nur zwei Tage später öffnete das Schicksal ihm eine große Tür, und er begann seine Ausbildung bei Steffen Hauter Sporthorses auf dem Großsteinhauserhof. „Es war meine beste Entscheidung“, sagt er zufrieden. Steffen Hauter und sein Vater Gerhard sind erfahrene Vollprofis im Pferdegeschäft, selbst hoch erfolgreich in Nationenpreisen auf allerhöchstem Niveau. „Hier bekomme ich noch einmal einen ganz anderen Feinschliff“, weiß Betz, speziell auch in Bezug auf das Pferdemanagement. Bei Hauter trainiert er rund acht Pferde am Tag, zusätzlich seine drei eigenen, die er zum Springtraining dann vom heimatlichen Stall in Altstadt mit auf den Großsteinhauserhof bringt. Er legt dabei viel Wert auf einen persönlichen Kontakt zu allen seinen Reitpferden. „Der gehört einfach dazu. Sie sollen mir ja auch im Parcours vertrauen und für mich kämpfen“, erklärt er, warum er gerne selbst putzt und sattelt. Nach Feierabend hilft er im elterlichen Stall.



Der Erfolg ließ dann auch nicht lange auf sich warten: Bronze im Finale der deutschen Meisterschaft der Landesmeister und Silber im zweiten Umlauf bei den Braunschweiger Löwenclassics auf Drei-Sterne-Niveau im Frühjahr 2018, der Silberrang im Nationenpreis der jungen Reiter in Tschechien mit dem deutschen Team oder ein Sieg beim internationalen CSI in Luxemburg mit dem selbstgezogenen Wallach Caruso.

„Für Niklas ist Reiten eine Lebenseinstellung“, sagte Heike Körner, Präsidentin des Pferdesportverbands Saar, als sie dem 20-jährigen Reiter des RFV Limbach jetzt das goldene Reitabzeichen im Namen Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN für zehn Siege in Springprüfungen der schweren Klasse S verlieh.

Dies bestätigt Steffen Hauter vom Großsteinhauserhof, stolz auf seinen Musterschüler. Er freute sich sehr, dass der talentierte Reiter auch nach Beendigung seiner Ausbildung in wenigen Wochen weiterhin im Team von Steffen Hauter Sporthorses bleibt.

Niklas Betz selbst dankte bei der Zeremonie auf dem Winzeler Reitturnier im Juni allen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben: Seinen Eltern, Großeltern, Reitlehrer und Onkel, Manfred Reitmeier „von dem ich alles gelernt“ habe, seiner Tierärztin Carola Körner und Familie Hauter, bei der er ein zweites Zuhause gefunden habe. Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft sind gestellt.