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Ausstellung über die Jagd
Als der Herzog noch in Kirkel auf die Jagd ging

Kirkels Bürgermeister Frank John (links, mit Tochter), Archäologin Christel Bernard und Dominik Hochlenert eröffneten die neue Sonderausstellung „Von der Jagd“ im Heimatmuseum.
Kirkels Bürgermeister Frank John (links, mit Tochter), Archäologin Christel Bernard und Dominik Hochlenert eröffneten die neue Sonderausstellung „Von der Jagd“ im Heimatmuseum. FOTO: Foto: Sebastian Dingler
Kirkel-Neuhäusel. Im Heimatmuseum an der Burg ist derzeit eine Sonderausstellung rund ums „Waidwerk“ zu besichtigen Von Sebastian Dingler

Die jährlich stattfindende Sonderausstellung im Heimatmuseum an der Kirkeler Burg befasst sich dieses Mal mit dem Thema Jagd. Jetzt fand die Eröffnung statt, zu der der erste Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins, Dominik Hochlenert, eingeladen hatte.


„Die Kirkeler Burg war ein beliebter Ort zum Jagen für den Herzog und Pfalzgrafen Wolfgang von Zweibrücken“, sagte Hochlenert bei der Begrüßung vor etwa 20 interessierten Besuchern. Es habe damals aber neben der Jagd noch andere Methoden zum Erlegen von Tieren gegeben wie die Pirsch, die Hetze oder der Fang. Der Oberbegriff dafür war das Waidwerk.

„So lernt man immer wieder etwas dazu“, meinte Hochlenert, der sich darüber freute, dass das Heimatmuseum immer wieder andere Ausstellungen anbietet: „Ich weiß von den ehrenamtlichen Helfern, dass immer wieder Leute auf sie zukommen, die fragen: ‚Was habt ihr denn als Nächstes im Museum? Was kommt denn jetzt Neues rein?‘“.

Danach hatte Kirkels Bürgermeister Frank John das Wort, der gestand, sich mit dem Thema Jagd erst mit Beginn seiner Amtszeit beschäftigt zu haben. Er habe sich dann aber interessehalber ins Thema eingelesen, „auch wenn ich es nie übers Herz bringen würde, ein Tier totzuschießen“. Die Archäologin Christel Bernard hat schon die vergangenen Sonderausstellungen betreut und ist auch dieses Mal wieder federführend — fürs Thema wurde sie durch ihr Haustier inspiriert, einen Windhund. Als Abteilungsleiterin bei der Aquis beschäftigt sie Langzeitarbeitslose, die sie bei ihren archäologischen Forschungen rund um die Burg unterstützen: „Es macht den Leuten Spaß, sie sehen, dass ihre Arbeit auch Widerhall in der Öffentlichkeit erzeugt. Sie haben beim Aufbau der Ausstellung mitgewirkt mit viel Liebe zum Detail, die sind da mit dem Herzen dabei.“

In ihrer Ansprache betonte Christel Bernard, dass der Wald sehr wahrscheinlich auch der Anlass zur Gründung der Kirkeler Burg gewesen sei. „In den Wäldern war das Jagen nur dem Adel erlaubt, nicht den Untertanen“, erzählte sie. Als sich das mit dem durch Napoleon eingeführten Code Civil änderte und jedermann auf die Jagd gehen durfte, sei das Wild in bestimmten Gebieten nahezu ausgerottet worden. Der Rothirsch galt als edelstes Wild jener Zeit, das spiegele sich auch in der Hubertus-Sage wider. Das laut der Legende zwischen dem Geweih erschienene Kruzifix ist heute noch als Logo des Kräuterlikörs Jägermeister allgegenwärtig - übrigens nach dem Design des Homburger Künstlers Heinrich Lau. Ein Fläschlein dieser Marke ist in einer Vitrine der Ausstellung unter dem Motto „Jagd-Kitsch“ aufgestellt, denn: „Ich führe die Dinge immer bis ins Hier und Heute“, so Bernard.



Weitere Ausstellungsstücke sind Pfeilspitzen, ein aus Hirschgeweih gedrechseltes Teil einer Armbrust oder eine Ofenkachel mit der Abbildung von Windhunden. „Die waren damals die edelsten Hunde und finden sich oft auf Darstellungen zur Jagd.“ Solche Gemälde wurden für die Ausstellung auf Banner kopiert mit ausführlichen Beschreibungen; so etwa auch ein Ausschnitt aus Kaiser Friedrichs II. Buch „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“, das Methoden der Jagd mit Hilfe von Falken beschreibt. „Die Falken hatten einen immensen Wert, die hat man untereinander verschenkt in adligen Kreisen“, sagte die Archäologin. Eines der wenigen Exponate, die direkt von der Kirkeler Burg stammen, ist eine kleine Falkenfigur aus Bronze, die in jenem Schutt gefunden wurde, der in den Burgbrunnen gefüllt worden war.

Die Ausstellung „Von der Jagd“ läuft noch bis zum 31. Oktober. Das Heimatmuseum hat jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet, für Gruppen nach Voranmeldung auch außerhalb dieser Zeiten. Der Eintritt ist frei.