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Jugendliche sind mit Eifer bei der Sache Geschick, Improvisation und Gemeinsinn sind vor Ort gefragt

Homburg. Man kommt am Caritas-Kinderzentrum in der Charlottenburger Straße in Erbach aus dem Staunen nicht heraus. Überall Spaten, Rechen, Schubkarren: Auf dem Gelände sind 25 Jugendliche am Arbeiten Von SZ-Redakteur Jürgen K. Neumann

Homburg. Man kommt am Caritas-Kinderzentrum in der Charlottenburger Straße in Erbach aus dem Staunen nicht heraus. Überall Spaten, Rechen, Schubkarren: Auf dem Gelände sind 25 Jugendliche am Arbeiten. "Wir kommen von der Katholischen Studierenden Jugend, kurz KJS, und machen mit bei der 72-Stunden-Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend", sagt Anna-Maria Nunenmann. Die 17-jährige Schülerin am Johanneum leitet die Aktion bis zum Ende am Sonntag. Bereits am Donnerstagabend unmittelbar nach der Eröffnung der Aktion auf dem Christian-Weber-Platz (wir berichteten) ist die Gruppe schon ans Erbacher Kinderzentrum (Kiz) gefahren. "Wir haben unser Projekt gleich besprochen", sagt Anna-Maria Nunenmann, und fügt an: "Wir werden bis Sonntag Büsche und Hecken pflanzen, einen Grillplatz mit Holzbänken errichten und ein Hochbeet für Gemüse und Kräuter anlegen." Die Stadt stelle die Pflanzen und das Holz. Auch der Plan für die Anlage wurde im Rathaus gefertigt. Einige der Gruppe haben Erfahrungen mit einem Sozialprojekt. Sie haben vor vier Jahren die Unterführung im Stadtpark gestrichen. Erbach ist eines von 13 Projekten im Saarpfalz-Kreis, die zur bundesweiten Sozialaktion "72 Stunden - Uns schickt der Himmel" des BDKJ (Bundes der deutschen katholischen Jugend) gehören. In unserer Region nehmen über 300 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren an den Einsätzen teil. Neben der Arbeit, die von neun bis 20 Uhr dauert, gehört die Spiritualität ("wir feiern gemeinsam Gottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr in Maria von Frieden") zur Aktion. Auch das Feiern kommt nicht zu kurz. Anna-Maria Nunenmann: "Wenn unsere Arbeit beendet ist, machen wir ein Abschlussfest. Hoffentlich hält das Wetter."Der 14-jährige Julian Hary, der an einem Teilstück des Kinderzentrums den Boden lockert und Steine aufsammelt, erklärt: "Wir werden von der Schule für diese Aktion freigestellt. Deshalb ist auch eine Mathearbeit verschoben worden." Franziska Frank, ebenfalls 14, meint: "Ich helfe Menschen wirklich gerne." Die Arbeit ist für den 13-jährigen Christopher Stach "ein Riesenspaß". Für die 17-jährige Carolina Claßen, die Löcher für die Hecken aushebt, ist "ganz wichtig, dass wir etwas sozial Sinnvolles für die Gesellschaft tun. Wir wollen dazu beitragen, dass jugendliches Engagement ernst genommen wird". Zusammen mit Moritz Jonas, 15, und Jasmin Schmidt, 16, hat sie am Johanneum als Neigungsfach Religion belegt. Damit wollen sie auch ein Zeichen setzen, dass man sich auch als junger Mensch für die "Botschaft von Jesus" stark machen kann. Jürgen Grötschel, Leiter des Caritas-Zentrum Saarpfalz, meint: "Jugendliche und Erwachsene lernen sich auf einer neuen Ebene kenne. Oft werden Jugendliche unterschätzt in dem, was sie können."Homburg/Bexbach. Hier die Außenanlage eines Kindergartens ausbauen, da ein Begegnungsfest organisieren, dort auf einem alten Friedhof arbeiten: Vor den jungen Aktiven der BDKJ-Aktion "72 Stunden - Uns schickt der Himmel" liegen bis zum Sonntagabend ereignisreiche, arbeitsame und anstrengende Stunden. Doch die meisten sehen die große Herausforderung als das, was es ist: Ein intelligentes Konzept, um mit viel Geschick, Improvisation und Gemeinsinn etwas Gutes zu tun. "Ich bin überhaupt nicht nervös", gab sich Laura Neumann von den Messdienern aus Homburg-Süd, einer der teilnehmenden Gruppen, vor dem Start sichtlich selbstbewusst - und das, ohne genau zu wissen, was auf sie und die anderen zukommen würde. Denn auch das ist eine der Herausforderungen: Was sie innerhalb der 72 Stunden zu leisten haben, erfuhren die Teilnehmer erst mit dem eigentlichen Start. Auch Maximilian Fuhr, einer der Verantwortlichen der Malteserjugend aus Homburg, war gelassen. "Wir haben uns im Vorfeld mit unserem Stadtbeauftragten in Verbindung gesetzt, da der über entsprechende Kontakte verfügt. Wir haben uns wichtige Telefonnummern und schon mal ein Zelt besorgt, für den Fall, dass wir am Einsatzort übernachten wollen." Das Nutzen von Netzwerken, die Aquise von Sponsoren, das Anfordern von Hilfe Dritter - auch das gehört zu den Aufgaben der Jugendlichen. Anna Hirsch von der Pfarrjugend St. Josef aus Frankenholz hatte vor Beginn der Aktion unruhige Nächte. "Ich habe überhaupt nicht geschlafen, gar nicht." Seit zehn Jahren ist Anna Messdienerin, an einer so großen Aktion wie den "72 Stunden" hat sie noch nie teilgenommen. Vor Beginn des Hilfseinsatzes mochte die junge Frankenholzerin nicht über die Art der Arbeit spekulieren. "Wir lassen uns einfach überraschen und machen das Beste draus." Nun arbeitet Anna mit den anderen Frankenholzer Messdienern am katholischen Kindergarten, bis Sonntag soll dort unter anderem der Spielplatzbereich auf Vordermann gebracht werden. An Annas Seite steht dabei auch Jonas Lill. Der hat sich vorbereitet. "Ich habe vorgeschlafen". Für die Macher der 72-Stunden-Aktion ist einer wie Jonas wohl ein idealer Mitmacher: Seine dreifache Antwort auf die Fragen, ob er schon mal im Garten gearbeitet, schon mal eine Grube ausgehoben oder einen Zaun gebaut hat, kommt knapp und selbstbewusst: "Ja". thw




Auf einen BlickIm Saarpfalz-Kreis nehmen 13 Aktionsgruppen mit über 300 Jugendlichen an der Sozialaktion "72 Stunden - Uns schickt der Himmel" des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) teil. Neben dem Projekt im Caritas-Kinderzentrum (KIZ) in Erbach arbeiten in unserer Region Messdiener der Pfarrei Bruchhof-Maria Hilf an der Katholischen Kindertagesstätte Erbach-Maria vom Frieden. Sie errichten einen Ruhebereich, befestigen einen Sandspielplatz und bauen einen mobilen Verkaufsstand im Freien. In Frankenholz wirken die Pfarrjugend und Messdiener der Pfarrei St. Josef. Sie arbeiten auf dem Spielplatz des Kindergartens, in der Schulstraße und übernehmen Reinigungsarbeiten an mehreren Wegkreuzen in dem Bexbacher Stadtteil. jkn