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Homburger Hip-Hop-Szene lebt

Homburg. Sie nennen sich Thakkt, King Nabo, treten als Paragraph 424 oder als Prototype auf. Die Hip-Hop-Szene im Saarland, auch und gerade in Homburg, lebt. Und sie lebt von denen, denen man gerade in jüngster Vergangenheit die Bereitschaft zur Teilhabe an der deutschen Gesellschaft publikumswirksam auf mehreren Hundert Seiten Buchtext abgesprochen hat: junge Türken, Albaner, Russen Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Homburg. Sie nennen sich Thakkt, King Nabo, treten als Paragraph 424 oder als Prototype auf. Die Hip-Hop-Szene im Saarland, auch und gerade in Homburg, lebt. Und sie lebt von denen, denen man gerade in jüngster Vergangenheit die Bereitschaft zur Teilhabe an der deutschen Gesellschaft publikumswirksam auf mehreren Hundert Seiten Buchtext abgesprochen hat: junge Türken, Albaner, Russen. "Jugendliche mit Migrationshintergrund" heißen sie im offiziellen Nachrichtendeutsch. Doch von dieser mangelnden Integrationsfähigkeit war zumindest am vergangenen Freitag bei der Hip-Hop-Night in der Aula des Mannlich-Gymnasiums nicht viel zu spüren. Organisiert durch die Jungs von Paragraph 424 und das Homburger Team des Internationalen Bundes aus dem Jugendhaus Second Home, gab`s ordentlich Beats auf die Ohren - und Texte, die von vielem erzählen, was junge Menschen umtreibt, ganz unabhängig, welcher Nationalität und Sprache."Ich will auf jeden Fall, dass es mit der Schule weitergeht", erzählt Janoz Kinolli, Schüler an der Robert-Bosch-Schule und auf dem Weg zur mittleren Reife. "Denn wenn das mit dem Rappen nicht klappt, dann ist ein Schulabschluss richtig wichtig." Seit seinem achten Lebensjahr rappt sich Janoz durch seine Welt, erzählt in seinen Tracks von Liebe, vom Leben. Mit den "Gangsta-Rappern" à la MTV will er nichts zu tun haben. Genauso wenig wie Ugur Güzel, der als Beatboxer allein mit seiner Stimme an diesem Abend ganze Soundsets auf die Bühne zaubert. Wie Janoz hat Ugur Träume. "Ich möchte mal auf einer ganz großen Bühne stehen." Aber ebenso wie sein rappender Freund Janoz ist die Schule für ihn von Bedeutung, am Berufsbildungszentrum Homburg baut er an seiner mittleren Reife. Hinter der Hip-Hop-Nacht stehen G Storm, Mentor, Gercek, De Facto und Da Türk, die gemeinsam Paragraph 424 bilden. Für die Jungs ist die Party am vergangenen Freitag die zweite Veranstaltung, die sie auf die Bühne bringen. "Dass hier heute Abend ist sehr wichtig für uns", erzählt Aysamet Kryezeu, in der Szene besser bekannt als De Facto. "Wenn das heute hier gut abgeht, dann besteht die Chance, dass wir solche Veranstaltungen noch öfter machen können." Und sein Freund Hakan Uzun, der als Mentor die Bühne rappt, ergänzt. "Dass heute viele Leute aus Homburg da sind, dass wir denen bei einer so großen Aktion live zeigen können, was wir drauf haben, das ist schon eine gute Sache." Welchen Stellenwert hat der Rap für die beiden? Hakan Uzun: "Rap gibt uns die Möglichkeit, uns auszudrücken." Und auch für Hakan und Aysamet ist der "Gangsta-Rap" kein Thema. "Da sind wir klar dagegen und haben das auch schon in Tracks klar gemacht." Mehr als eine Randnotiz in dieser Nacht und ein Zeichen gegen den vermeintlichen Integrationsunwillen, der Jugendlichen mit Migrationshintergrund oft pauschal untergeschoben wird: Gerappt wird in Deutsch - und das richtig gut.




Auf einen Blick Wer sich für die Musik von Mentor, De Facto, G Storm, oder auch Ugur interessiert nach der gelungenen Hip-Hop Night in der Mannlich-Aula, der findet unter diesen Künstlernamen im Online-Portal www.youtube.com zahlreiche Videos die ein gutes Bild der Rapper-Szene in Homburg und dem Saarland zeichnen. thw