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Zweifel gegenüber der Zukunftstechnik

Den Beitrag zur Energiewende kann eine Mehrheit der Befragten im Einsatz von Elektroautos durchaus erkennen, bei den Details bleiben aber offene Fragen. Foto: Jan Woitas/dpa
Den Beitrag zur Energiewende kann eine Mehrheit der Befragten im Einsatz von Elektroautos durchaus erkennen, bei den Details bleiben aber offene Fragen. Foto: Jan Woitas/dpa FOTO: Jan Woitas/dpa
Homburg. Akkus mit wenig Reichweite, zu wenige Ladestationen und die höheren Anschaffungspreise als bei Autos mit Verbrennungsmotoren nennen Leser aus dem Saarpfalz-Kreis, die sich an unserer nicht repräsentativen Blitzumfrage zur Elektromobilität beteiligt haben. Daher zögern die meisten noch beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Manfred Schetting

Deutschland- und EU-weit werden Initiativen verstärkt, damit Elektro- oder sonstige Null-Emissions-Fahrzeuge möglichst bald die Autos ersetzen sollen, die heute noch mit Diesel oder Benzin fahren. Auch im Saarpfalz-Kreis wird die Elektromobilität als Zukunftsoption genannt, wenn es um Energieeffizienz geht. In St. Ingbert beispielsweise wird der Einsatz von Elektrofahrzeugen zunehmend thematisiert - und man ist stolz auf den hohen Anteil der St. Ingberter E-Autos unter den entsprechenden Fahrzeugen im Saarland. Daneben werden im Saarpfalz- Kreis Ladestationen für Fahrzeug-Akkus errichtet oder sind zumindest geplant.



Noch schlägt dem Thema verstärkter Elektromobilität allerdings einige Skepsis entgegen, wie eine nicht repräsentative Blitzumfrage ergab. Dabei sieht eine Mehrheit der 209 befragten Leserinnen und Leser aus dem gesamten Saarpfalz-Kreis Elektrofahrzeuge durchaus als Zukunftschance. Gut zwei Drittel der Befragten gestehen der Elektromobilität die Möglichkeit zu, den Umweltschutz zu verbessern und weltweite Klimaziele zu erreichen. Befragt nach dem eigenen Verhalten, schlägt die Stimmung aber deutlich um. So können sich 70 Prozent der Teilnehmer an unserer Umfrage selbst nicht vorstellen, in absehbarer Zeit ein Fahrzeug mit elektrischem Motor zu nutzen. Und gerade einmal 13 Prozent haben ein E-Fahrzeug ernsthaft ins Auge gefasst. Auch der kürzlich von den Grünen ins politische Spiel gebrachte Vorschlag findet wenig Gegenliebe. In der Idee, dass spätestens 2030 endgültig das Aus für neue Benzin- oder Dieselmotoren kommen muss, erkennen 68 Prozent der Befragten aus dem Saarpfalz-Kreis noch keinen Sinn.

Woher die überwiegenden Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität kommen, lässt sich erahnen, wenn man wissen will, was geschehen müsste, damit deren Attraktivität steigen würde. Auf die entsprechenden Fragen in der nicht repräsentativen Umfrage antworteten viele ähnlich wie Karin Legrum aus Homburg: "Elektroautos haben dann eine Chance, wenn ihr Preis auf dem Niveau von Benzinern ist und die Akkus besser sind." Gerade die Reichweite der Fahrzeuge, die statt einem Tank einen Akku haben, beschäftigt auch Petra Pawlowski aus Homburg: "Die lange Ladedauer fordert einen enormen organisatorischen Aufwand. Man kann nicht einfach, wenn nötig, kurz auftanken und dann weiterfahren." Mit den Akkus hadern viele: "Die noch nicht leistungsfähigen Akkus machen Elektroautos unattraktiv", schreibt Rainer Omlor aus Bexbach. Was wünschenswert wäre, benennt hingegen der Homburger Roland Lupp: "Eine Akkuleistung für mindestens 700 Kilometer und eine Komplettladung, die maximal 20 Minuten dauert."

Vielfacher Kritikpunkt am derzeitigen Entwicklungsstand bei den Elektrofahrzeugen sind die noch wenigen Ladestationen. Deren Netz müsste ausgebaut werden, damit auch längere Strecken zurückgelegt werden können, meint beispielsweise Beate Backes aus Homburg.

Ganz zentral sind aber vielen der Befragten auch die Kosten der Elektromobilität - und zwar bezogen auf den eigenen Geldbeutel. "Die Elektromobilität müsste auch für Leute mit kleinerem Einkommen erschwinglich sein", meint etwa Ursula Schrook aus St. Ingbert. Und auch Helmut Bosen aus St. Ingbert schreibt: "Zuerst muss der Preis sehr stark gesenkt werden, damit auch derjenige ein E-Auto kaufen kann, der es etwa wegen des Berufs unbedingt benötigt." Dass die Anschaffungspreise für Elektrofahrzeuge deutlich sinken müssten, befindet auch Manfred Bauer aus St. Ingbert; "Fahren darf nicht teurer werden als jetzt mit einem Verbrennungsmotor."

Und was könnte Bürgern den Umstieg auf die Elektromobilität schmackhaft machen? Hier hielte Ortrud Eisele aus Bexbach bei den derzeitigen Anschaffungskosten für E-Autos eine höhere Kaufprämie für wirksam. Diesen Anreiz sieht auch die Bexbacherin Doris Didion-Velten, und zudem: "Ein allererster und noch wichtigerer Schritt wäre allerdings die Einführung eines generellen Tempolimits auf allen deutschen Straßen. Damit würden schnelle Autos an Attraktivität verlieren."

Es gab aber auch ganz grundsätzliche Kritik an der Elektromobilität, die "nicht per se umweltfreundlich" sei, wie Christiane Nagel aus Homburg findet. "Woher kommt der Strom zum Aufladen der Akkus , für deren Herstellung wertvolle Rohstoffe benötigt werden und deren Entsorgung offen ist?", fragt sie. So lange solche Punkte nicht in einem "ökologischen Paket" angeboten werden könnten, sei "Elektromobilität auch nicht umweltfreundlicher als mit Diesel- oder Benzinmotoren betriebene Fahrzeuge".

Zum Thema:

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