| 21:11 Uhr

Langenäcker-Schule
Ziel der Woche heißt Vorurteile abbauen

 Mit Viertklässlern der Grundschule Langenäcker wurde eine Projektwoche namens „Jugend kann die Welt bewegen“ durchgeführt.
Mit Viertklässlern der Grundschule Langenäcker wurde eine Projektwoche namens „Jugend kann die Welt bewegen“ durchgeführt. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Die Projektwoche „Jugend kann die Welt bewegen“ an der Erbacher Grundschule Langenäcker beschäftigte sich auch mit dem Thema Demokratie. Von Sebastian Dingler

Hakim hat Geburtstag. Seine vier Freunde Julia, Svenja, Mehmet und Fred treffen sich, um zu entscheiden, welches Geschenk sie für ihn kaufen. Julia kommt wie immer zu spät, Svenja versucht die Diskussion zwar zu leiten, hat aber eigentlich nur im Sinn, ihren eigenen Wunsch nach einem zweiten Playstation-Controller als Geschenk für Hakim durchzusetzen. Fred hat zwar eine durchaus tolle Idee, holt aber bei seiner Begründung viel zu weit aus und kommt nicht zum Punkt. Mehmet wiederum sprudelt vor Vorschlägen, kann sich aber nicht auf die Diskussion konzentrieren, die dann letztlich auch aus dem Ruder läuft.


Dieses kleine Theaterstück bekamen die vierten Klassen der Erbacher Grundschule Langenäcker zu sehen. Gleichzeitig war es auch der Abschluss der Projektwoche „Jugend kann die Welt bewegen“. Von der Sinnhaftigkeit der Aktion überzeugten sich auch die Beigeordnete Christine Becker, Amtsleiterin Ingrid Braun und Luisa Maurer vom Kinder- und Jugendbüro. Pedram Alexander Aghdassi, Lara-Madeleine Rockahr, Danyaal Maurer und Negin Zabihi vom Offenbacher Verein „Creative Change“ zeigten vier Tage lang solche und ähnliche Situationen und diskutierten mit den Schülern über Lösungsansätze. Dabei ging es um Themen wie Mobbing, Integration oder Demokratie.

„Was ist euch aufgefallen?“, fragte Aghdassi nach der Präsentation der kurzen Szene. In vier Kleingruppen wurde anschließend besprochen, was Julia, Svenja, Mehmet und Fred gut oder schlecht gemacht haben und wie es besser funktionieren könnte. Daraufhin durften die Kinder selbst in die Rollen des Stücks eintauchen und darüber berichten, wie es ihnen darin ergangen war.

Das dahinterstehende Konzept geht auf den Brasilianer Augusto Boal zurück, der in den siebziger Jahren das „Theater der Unterdrückten“ entwickelte. Gesellschaftliche Konfliktsituationen wurden zunächst gezeigt, ehe die zunächst passiven Zuschauer in die Rolle der Benachteiligten schlüpften. Creative Change benutzt die Methode für das Ziel, Vorurteile zwischen Menschen abzubauen und ein Verständnis für Demokratie zu schaffen. Ethisches Denken und Handeln sowie Sozialkompetenzen sollen mit der Theaterarbeit vermittelt werden. Gefördert wird der Verein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“.

Die Schulsozialarbeiterin der Langenäckerschule, Madleine Diehl, konnte die Projektwoche nach dem Schuljahr 2015/16 jetzt zum zweiten Mal organisieren, unterstützt von Fördergeldern der lokalen Partnerschaft für Demokratie der Stadt Homburg. „Die haben das wunderbar gemacht, sehr realistisch, und die Kinder waren voll dabei“, freute sich die stellvertretende Schulleiterin Annabelle Herzog über die gute Zusammenarbeit zwischen Projektmitarbeitern und Kindern. Tatsächlich fanden die Viertklässler im Rollenspiel ohne große Diskussionen zu einer schnellen Lösung: Hakim sollte einen Fußball und Torwarthandschuhe zum Geburtstag bekommen.