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Homburger Woche
Wie uns der Datenschutz frisst

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Am 25. Mai ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten. Ich weiß nun nicht, ob ich hier überhaupt noch mit meinem Gesicht erscheinen darf. Ich wage es mal. Eine Freundin, sie ist Lehrerin, sagte mir, dass sie keine Schülerdaten mehr mit nach Hause nehmen dürfe. Von Christine Maack

Es sei denn, sie habe ein Profi-Lehrerzimmer auch zu Hause. Unsere Deutschlehrerin hat unsere Aufsätze immer zwischen Zimmerpflanzen und Katzen korrigiert, unsere Daten auf dem Küchentisch liegen lassen und sich gefreut, wenn wir in den Ferien mal bei ihr vorbeischauten. Das alles ist schon lange her und geht heute natürlich nicht mehr. Wo kämen wir denn da hin, nett zu einer Lehrerin zu sein und sie auch noch als liebenswert-chaotische Katzenfreundin zu erleben?


Dass mit der neuen Verordnung nun auch der Abmahnerei Tür und Tor geöffnet wurde, muss man nicht extra erwähnen, darauf hat sich ja schon die deutsche Umwelthilfe als Kassengold spezialisiert. Nun ist es mir prinzipiell egal, wer mit welcher Arbeit sein Geld verdient. Aber nun klingelt die Kasse auch, indem man andere Leute verpetzt und anschmiert.

Gerade wurden ja wieder Hunderte von Schulabsolventen verabschiedet. Zum Glück gaben sie als Berufswunsch nie „Abzocker“ an. Sondern ehrbare Tätigkeiten wie Erzieherin, Krankenpflegerin, Mechatroniker oder Pilot. Das klingt nach Vernunft und guter Zukunft. Beides brauchen wir dringend, bevor uns der Bürokratie-Moloch erst völlig lahmlegt und dann genüsslich verschlingt.