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Leselernhelfer Homburg
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

 Die wunderbare Welt der Bücher und des Lesens ist spannend, bunt, lehrreich und auch Ausgangspunkt für Erfolg in der Schule und später im Beruf. Leselernhelfer an Grundschulen in Homburg sollen hier die Kinder unterstützen, die beim Erlernen des Lesens zusätzliche Förderung benötigen.
Die wunderbare Welt der Bücher und des Lesens ist spannend, bunt, lehrreich und auch Ausgangspunkt für Erfolg in der Schule und später im Beruf. Leselernhelfer an Grundschulen in Homburg sollen hier die Kinder unterstützen, die beim Erlernen des Lesens zusätzliche Förderung benötigen. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Oft genügt es nicht, den Kindern einfach Bücher hinzustellen. Manche brauchen auch Anleitung und Hilfe, um sich durchzukämpfen. Deshalb sucht die Stadt Homburg wieder Leselernhelfer. Von Thorsten Wolf

Wer liest, der lernt, der erlebt neue und andere Sichtweisen, erfährt Wissenswertes, entdeckt Abenteuerliches und Spannendes. Und natürlich ist eine entsprechende Lesebefähigung auch Grundlage für Erfolg in der Schule und später im Beruf. Kurzum, wer liest, ist klar im Vorteil.


Doch nicht jedem erschließt sich auf direktem und einfachem Weg diese wunderbare, unerschöpfliche und buchstäblich vielseitige Welt – die Gründe dafür können ganz unterschiedlicher Natur sein. Um hier schon früh in den Grundschulen Abhilfe zu schaffen, gibt es in Homburg das Projekt der Leselernhelfer. Das System ist denkbar einfach und für die, die Jungen und Mädchen bein Lesenlernen helfen wollen, wirklich niederschwellig: Wer selbst gerne liest und sich vorstellen kann, einen jungen Menschen mit dieser Begeisterung anzustecken, der kann Kinder unterstützen.

Konkret sind Leselernhelfer ein- bis zweimal wöchentlich ehrenamtlich an Schulen tätig und unterstützen dort, in Absprache mit den Lehrern, förderbedürftige Schüler in individueller Einzelförderung zunächst in ihrem Leselernprozess. Darüber hinaus lesen sie mit den Kindern aber auch altersgemäße Texte und sprechen über das Gelesene, um das Textverständnis zu üben. Ganz wichtig für all die, die helfen wollen: Eine pädagogische Ausbildung ist nicht erforderlich, lediglich Freude am Umgang mit Kindern, Spaß am Lesen und an Sprache, sowie Geduld und die Fähigkeit, zuhören zu können. Seit zwei Jahren sind solche Leselernhelfer in Homburg und Umgebung im Einsatz. Den Impuls dafür gab Karolina Engel vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM). Als Lehrerin in Zweibrücken hatte sie das Projekt „Leselernhelfer Südwestpfalz“ kennen gelernt – und diese Idee mit ihrem Wechsel ans LPM in St. Ingbert mitgenommen. In Andrea Sailer, der Leiterin der Homburger Stadtbibliothek, fand sie eine kongeniale Partnerin. In der Folge wurden vor zwei Jahren die ersten 30 Leselernhelfer ausgebildet und an die Grundschulen in Homburg, aber aber auch an einige im Umland, „verteilt“. Nachdem man, wie Engel gestern im Gespräch schilderte, im Jahr 2016 ausgesetzt habe, stehe nun ein zweiter Kursus an, nachdem vor allem Schulen nach weiteren Leserlernhelfern gefragt hätten. Engel: „Der Bedarf ist da!“ Doch worum geht es bei diesem Projekt ganz konkret? Engel: „Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, mit Hilfe der Leselernhelfer das Lesen intensiver, auch durch Wiederholen, zu erlernen.“ Damit wende sich das Projekt auch an  Kinder, die abseits der Schule nur wenig Unterstützung beim Lesenlernen erführen. Für den zweiten Kursus im Mai des kommenden Jahres habe man, so Engel, Irina Claren gewinnen können. Zur Erklärung: Eben Irina Claren steht hinter dem Projekt „Leselernhelfer Südwestpfalz“. Claren selbst hatte über die Kreisvolkshochschule Südwestpfalz von einem solchen Programm in Hannover erfahren – und diese Idee begeistert aufgegriffen, auch mit einem ernsten Hintergrund, wie sie auf ihrer Internetseite „www.leselernhelfer-suedwestpfalz.de“ schreibt: „In Alphabetisierungskursen erzählen mir Kursteilnehmer, die meisten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, des Öfteren von ihren Erlebnissen als funktionale Analphabeten und ich bekomme wiederholt zu hören: Eltern und Lehrer hatten aus den unterschiedlichsten Gründen die Kinder schulisch und in Bezug auf das Lesenlernen nicht so unterstützt, wie diese es gebraucht hätten.“ Auch vor dieser Kulisse will das LPM in Kooperation mit der Stadtbibliothek Homburg nun erneut Leselernhelfer ausbilden.



Dank einer finanziellen Förderung des Lions-Clubs Homburg entstünden, wie Karolina Engel gestern verdeutlichte, keine Kosten. Engel machte auch klar, dass Homburg mit diesem Projekt im Saarland eine Modell-Region sei, grundsätzlich sei eine Ausweitung des Angebots auch auf andere Regionen denkbar und wünschenswert.