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Nachschuss
Wenn der Bruder Rot zeigen muss

Stefan Regel
Stefan Regel FOTO: Robby Lorenz
Fragt mich jemand, welcher Teil der SZ der wichtigste ist, pflege ich zu sagen: der Lokalteil. Dort sind die Menschen zuhause, dort muss eine Regionalzeitung sie abholen. Das Modewort dazu heißt "Alleinstellungsmerkmal". Heißt, dass die Leser wissen wollen, was in Hangard, Homburg und Hassel, was in ihren Dörfern und Städtchen passiert. Dort liegen quasi die Graswurzeln der Zeitung. Stefan Regel

Fragt mich jemand, welcher Teil der SZ der wichtigste ist, pflege ich zu sagen: der Lokalteil. Dort sind die Menschen zuhause, dort muss eine Regionalzeitung sie abholen. Das Modewort dazu heißt "Alleinstellungsmerkmal". Heißt, dass die Leser wissen wollen, was in Hangard, Homburg und Hassel, was in ihren Dörfern und Städtchen passiert. Dort liegen quasi die Graswurzeln der Zeitung.


Dort schreibt auch der Lokalsport viele kleine und große Geschichten. Wie zum Beispiel vor Kurzem die des Fußball-Schiedsrichters, der seinem eigenen Bruder die Rote Karte zeigen musste. Egal, ob beim offiziellen DFB-Portal fussball.de oder in anderen deutschen Medien - die Geschichte sorgte in der ganzen Republik für Aufmerksamkeit.

Im Spitzenspiel der Bezirksliga Homburg zwischen dem SV Bliesmengen-Bolchen II und den SF Walsheim (1:1) sahen 500 Zuschauer am vorletzten Spieltag, wie Pascal Frenzel einem Walsheimer Abwehrspieler kurz vor der Pause wegen einer Notbremse Rot geben musste. Ausgerechnet Frenzels Bruder Kevin Kreutz war der Sünder, er hatte den Gegenspieler am Trikot gezogen. Kreutz setzte sich danach reumütig neben seinen Vater. Und zur Halbzeit umarmten sich Bruder Schiri ("Meine schwerste Rote Karte") und Bruder Sünder.



Ich werde sie jedenfalls vermissen, diese Geschichten aus dem Lokalen. Nach mehr als sieben Jahren bin ich ab 1. Juni nicht mehr als Redakteur für den Lokalsport in Homburg, Neunkirchen und St. Ingbert zuständig. Wegen einer redaktionsinternen Umstrukturierung bleibe ich im Hauptsport, im D-Buch (wir nennen es "Mantel", weil es überall im Saarland gleich ist und das Lokale quasi ummantelt). Es war eine schöne und sehr lehrreiche Zeit - und meine erste Station nach dem Volontariat. Den Lokalsport im "Osten", wie wir die drei Erscheinungsgebiete im Ost-Saarland nennen, übernimmt mein lieber Kollege Michael Kipp. Und ich sage an dieser Stelle Tschüss. Die kleinen und großen Lokal-Geschichten werde ich aber weiter gerne lesen.