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"Vielfältig statt einfältig"

Homburg. Seit dem Aufmarsch des Nationalen Widerstands Zweibrücken am 2. Juni dieses Jahres in der Homburger Innenstadt gibt es von Akteuren vor Ort ein Interesse, ein Bündnis für Toleranz und Demokratie und gegen Rechtsextremismus auf eine möglichst breite Basis zu stellen (wir berichteten) Von SZ-Mitarbeiter Bernhard Reichhart

Homburg. Seit dem Aufmarsch des Nationalen Widerstands Zweibrücken am 2. Juni dieses Jahres in der Homburger Innenstadt gibt es von Akteuren vor Ort ein Interesse, ein Bündnis für Toleranz und Demokratie und gegen Rechtsextremismus auf eine möglichst breite Basis zu stellen (wir berichteten). Jetzt fand auf Einladung des Adolf-Bender-Zentrums als Fachberatungsstelle im Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus ein Initiativtreffen mit Interessenten von Behörden, Vereinen, Verbänden sowie aus der Zivilgesellschaft im Rathaus statt.Uwe Albrecht vom Adolf-Bender-Zentrum zeigte sich ebenso wie Beigeordneter Rüdiger Schneidwind über den Zuspruch überrascht. Neben Jugendpflegern von Stadt und Kreis waren Vertreter der Arbeiterwohlfahrt, dem Sozialpädagogischen Netzwerk (SPN), der Stadtteilkonferenz "Lebendiges Erbach", des Jugendraums Continue und Second Home, des Kinderzentrums Erbach (KIZ), des Internationalen Bundes (IB), der Jusos, aber auch Privatpersonen gekommen. Einig waren sich alle, dass man sich mit diesem Thema auseinander setzen muss. Wie Albrecht erklärte, diene dieses erste Treffen dazu, eine Arbeitsgrundlage und einen Fahrplan zur Etablierung eines Bündnisses in Homburg zu erstellen. Ziel sei es zunächst, Vorstellungen und Ideen zusammenzutragen, wie ein solches Bündnis in Homburg aussehen, wofür es stehen und welchen Aufgaben sich dieses künftig widmen könnte.


Hintergrund für dieses Treffen und die Absicht, ein Bündnis zu gründen, war der Aufmarsch des Nationalen Widerstandes Zweibrücken in Homburg am 2. Juni dieses Jahres. Sie habe sich über die hohe Aufmerksamkeit des Zweibrücker Aufmarsches in Homburg geärgert, erklärte die Frauenbeauftragte der Stadt, Ingrid Braun: "Ich will keine Rechtsradikale in meiner Stadt", stellte sie klar. Heike Albrecht zeigte sich verwundert, "mit welcher Selbstverständlichkeit die durch die Stadt marschiert sind". Beigeordneter Schneidewind wies darauf hin, dass die Stadt im Kampf gegen Rechtsextremismus und Faschismus schon einiges mache. Eberhard Jung, Lehrer am Saarpfalz-Gymnasium, erinnerte daran, dass sich die Schule seit zehn Jahren Courage zeige und sich gegen Rassismus engagiere. Das Thema "Alltagsrassismus" müsse bei einem Bündnis eine große Rolle spielen, meinte Juso-Landesvorsitzender Philipp Weis.

Während Annette Kerfing vom IB eine zunehmende Altendiskriminierung beklagt, stellt Stadtteilmanagerin Rita Märzheuser im Stadtteil Erbach mit seiner höchsten Migrantenzahl eine geringer werdende Toleranz fest: "Nur wenn man Toleranz stärkt, kann die Gesellschaft funktionieren". Auf Vorschlag von Jugendpfleger Ralf Dittgen einigten sich die Teilnehmer auf "Homburg - vielfältig statt einfältig" als Arbeitstitel. Diskutiert wurde, welche relevanten Akteure man noch für das Bündnis ins Boot holen könnte. Dabei sein sollen neben Parteien noch Gewerkschaften, Sportvereine (vor allem der FC Homburg), migrantische Vereine, Schulen, Kirchen, aber auch die Polizei, beispielsweise die Kontaktpolizisten.



Auf einen Blick

In Homburg soll ein Bündnis für Toleranz und Demokratie/gegen Rechtsextremismus gegründet werden. Unterstützt wird die Aktion vom Adolf-Bender-Zentrum als Fachberatungsstelle im Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus im Saarland. Die nächste Sitzung des Bündnisses findet am Dienstag, 19. Februar, 17 Uhr, wieder im Sitzungssaal 245 im Homburger Rathaus statt. re