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Nachfolge Onkologie
Viele Menschen trauern um Pfreundschuh 

Beim großen Kongress 2017 in Chicago kam einer der maßgeblichen Beiträge, wie man Patienten mit aggressivem Lymphknotenkrebs wirksam behandeln kann, von Professor Pfreundschuh und seinem Team. Das war im Juli 2017, das letzte Mal, dass unsere Zeitung bei ihm zu Gast war, um über seine Forschung zu berichten, was wir regelmäßig taten. Hier besucht er (rechts) mit Oberärztin Dr. Nicole Adrian und Professor Christian Rübe einen seiner Patienten.
Beim großen Kongress 2017 in Chicago kam einer der maßgeblichen Beiträge, wie man Patienten mit aggressivem Lymphknotenkrebs wirksam behandeln kann, von Professor Pfreundschuh und seinem Team. Das war im Juli 2017, das letzte Mal, dass unsere Zeitung bei ihm zu Gast war, um über seine Forschung zu berichten, was wir regelmäßig taten. Hier besucht er (rechts) mit Oberärztin Dr. Nicole Adrian und Professor Christian Rübe einen seiner Patienten. FOTO: bitte ergänzen / Christine Maack
Homburg. Zuschriften von ehemaligen Patienten und Stellungnahmen von Kollegen zum Tode des bekannten Arztes erreichten unsere Zeitung. Von Christine Maack

Mit Bestürzung haben  Mitte der Woche nicht nur die Kollegen und die Mitglieder der Universität des Saarlandes die Nachricht vom Tod von Professor Michael Pfreundschuh aufgenommen. Auch ehemalige Patienten oder Angehörige von Patienten reagierten geschockt, als sie vom Tod des hoch angesehenen Wissenschaftlers und Arztes erfuhren (wir berichteten).


Unsere Zeitung erreichten zahlreiche Zuschriften von Lesern, die betonten, sie verdankten Professor Pfreundschuh ihr Leben. „Herrn Professor Pfreundschuh habe ich es zu verdanken, dass ich noch lebe. Ich war an Lympfdrüsenkrebs im Stadium 4 erkrankt, als er mich als einer seiner ersten Patienten in die Studie mit seiner Stammzell-Therapie aufnahm. Sein früher Tod macht alle, die ihn kannten und vereehrten, sehr traurig,“ schrieb beispielsweise ein ehemaliger Patient aus St. Ingbert. Ein Leser aus Homburg rief bei uns an, dass seine Mutter, inzwischen 90 Jahre alt, vor 20 Jahren von Professor Pfreundschuh gerettet werden konnte: „Ich hätte meine Mutter sonst allzu früh verloren.“

Eine Ärztin, bei der vor 15 Jahren als Medizin-Studentin der Anfangsverdacht auf Lymphdrüsenkrebs bestand, erzählte uns, dass sie damals „panikartig zu Professor Pfreundschuh gerannnt“ sei,  der sie ohne Wartezeit sofort behandelt habe. Der Verdacht stellte sich als unbegründet heraus. „Als ich mich wegen meines aufgeregten Auftritts entschuldigte, winkte Professor Pfreundschuh nur ab und sagte, dass ich alles richtig gemacht hätte“, so die heutige Internistin.

„Mir liegt viel daran, dass auch unsere Studenten gesund bleiben“, habe Pfreundschuh ihr beim Abschied gesagt und ihr freundlich die Hand gegeben. Sie habe diesen Moment nie vergessen, sagte uns die Ärztin, die heute in Karlsruhe praktiziert. Bei der Nachricht vom Tode des Professors sei sie in Tränen ausgebrochen: „Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen. Er war Teil meiner Erinnerungen an meine schöne Studienzeit in Homburg.“

Neben den vielen Reaktionen von Privatpersonen äußerten sich natürlich auch Kollegen und Weggefährten, darunter Universitätspräsident Professor Manfred Schmitt: „Die Universität verliert mit unserem Kollegen Michael Pfreundschuh einen herausragenden Wissenschaftler und Arzt und einen gleichermaßen hochgeschätzten Hochschullehrer. Seinem therapeutischen Können als national und international höchst renommiertem Arzt verdanken viele Menschen ihr Leben, für die der Forscher Michael Pfreundschuh zuvor unzählige Stunden im Labor und in der Klinik verbracht hatte. In seiner Person verbanden sich Empathie und Feingefühl im Umgang mit Patienten mit dem großen Intellekt eines herausragenden Wissenschaftlers.“



Auch Professor Michael Menger, Dekan der Medizinischen Fakultät, trauert um den hervorragenden Kollegen, der ein Leuchtturm war für die Medizinische Fakultät des Saarlandes: „Die Fakultät trauert um Michael Pfreundschuh. Er war ein genialer Wissenschaftler und einfühlsamer Arzt. Über mehr als zwanzig Jahre hat er als Hochschullehrer und Mitglied unserer Fakultät eine Vielzahl von jungen Kolleginnen und Kollegen für das Fach Hämato-Onkologie begeistert und die Klinik zu internationaler Sichtbarkeit geführt. Seine herausragenden Arbeiten in der Forschung haben weltweit die Behandlung krebskranker Patienten beeinflusst und entscheidend zur Verbesserung der Heilungsraten beigetragen. Seine unerschöpfliche Energie und Schaffenskraft waren Vorbild für uns alle in Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Wir sind stolz, dass er Mitglied unserer Fakultät war.“

Auch emeritierte Kollegen, die Pfreundschuh freundschaftlich verbunden waren, waren bestürzt über den Tod ihres langjährigen beruflichen Weggenossen. Darunter auch Professor Hans Köhler, der von 2004 bis 2010 Ärztlicher Direktor am Uniklinikum war und Pfreundschuh als „aufrechten und mutigen Kollegen“ erlebte, „der mit seiner Meinung nicht  hinterm Berg hielt, der eine klare Linie verfolgte und auf den man sich jederzeit verlassen konnte.“ Als es um das große Neubauprojekt der Inneren Medizin ging, das von Köhler initiiert wurde und in diesem Jahr endgültig verwirklicht sein wird, „da hat er wichtige Dinge durchgesetzt. Er hatte klare Ansichten, die er mit Nachdruck vertreten hat.“

Professor Pfreundschuh wäre im Dezember 69 Jahre alt geworden. Seine Emeritierung stand in diesem Jahr an. Seine Nachfolge, so wurde uns berichtet, sei schon vor einiger Zeit ausgeschrieben worden. Derzeit gebe es eine Vorschlagliste, über die aber noch nicht endgültig entschieden worden sei.

Michael Pfreundschuh war Universitätsprofessor für Onkologie, Hämatologie, Klinische Immunologie und Rheumatologie. Darüber hinaus leitete er als Direktor die Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum in Homburg, war Leiter des José-Carreras-Forschungszentrums, Leiter des Ambulanten Onkologischen Zentrums und Mitglied im Bereichsrat der Klinischen Medizin in Homburg.