| 20:28 Uhr

60 Jahre Hebammenschule
Viele Herausforderungen für Hebammen

Die Schülerinnen Jasmin Bodenseh und Christine Berg stellten das Berufsbild der Hebamme vor.
Die Schülerinnen Jasmin Bodenseh und Christine Berg stellten das Berufsbild der Hebamme vor. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die Schule am Universitätsklinikum in Homburg feierte am Wochenende ihr 60-jähriges Bestehen. Von Thorsten Wolf

Wer sich in diesen Tagen mit dem Berufsbild der Hebamme befasst, merkt schnell, dass dieser Gesundheitsberuf derzeit schwierige Zeiten durchmacht. Wie geht es weiter mit der angekündigten Akademisierung des Berufsbildes und der damit wohl verbundenen Verlagerung der Ausbildung an Hochschulen? Welche Auswirkungen hat der Schiedsspruch vom September, der festschreibt, dass freiberufliche Hebammen nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen? Und wie wird sich die Lage beim Thema hohe Versicherungsprämien weiter entwickeln?



Vor dem Hintergrund dieser Fragen hatten die Feiern zum 60-jährigen Bestehen der Hebammenschule als Teil des Schulzentrums am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg auch eine politische Dimension.

Davon kündete auch das Grußwort von Monika Bachmann, der saarländischen Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Als Teil der offiziellen Feierstunde rückte Ministerin Bachmann da ein Gesprächsangebot an die Verantwortlichen der Hebammenschule ganz an den Anfang. Einen Termin, bei dem man dann auch über den besagten Schiedsspruch sprechen könne. Doch in erster Linie ging es Bachmann – wie auch Landrat Theophil Gallo, Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind, UKS-Pflegedirektor Wolfgang Klein, Schulzentrumsleiter Ulrich Wirth und Dr. Amr Hamza als stellvertretendem ärztlichem Schulleiter – darum, Dank zu sagen für 60 Jahre engagierte Lehre. „Ich will vor allem den jungen Leuten danken, die sich bereiterklärt haben, diesen Beruf zu erlernen, Kinder auf die Welt zu bringen und den Müttern beiseite zu stehen.“

Zwei, denen eben dieser Dank auch galt, sind Christine Berg und Jasmin Bodenseh. Beide sind im dritten Jahr ihrer Ausbildung. Gleichzeitig absolvieren die jungen Frauen aber auch im Zuge einer Kooperation mit der Katholischen Hochschule in Mainz einen Bachelor-Studiengang – und sind damit Vorboten der zunehmenden Akademisierung des Berufs. „Diese Doppelbelastung ist anstrengend, aber es ist machbar“, zeigte sich Christine Berg dann auch zuversichtlich. Gefragt, was sie angetrieben habe, neben der Ausbildung noch eine akademische Laufbahn einzuschlagen, machten beide deutlich, dass es ihnen vor allem darum gehe, das praktisch in ihrer Ausbildung Erlernte auch wissenschaftlich hinterfragen zu können. Jasmin Bodenseh: „Ich kann prüfen, ob das, was ich hier tue, wissenschaftlich belegt ist. Und man hat zudem die Möglichkeit, sich in einem von drei Bereichen zu spezialisieren, entweder ,klinische Expertise‘, ,Management‘ oder ,Pädagogik‘.“

Doch was bringt eine junge Frau dazu, überhaupt eine Ausbildung zur Hebamme zu machen? Für Christine Berg war es – nach einer Orientierungsphase nach dem Abi­tur – vor allem ein vierwöchiges Praktikum, das zur Berufswahl geführt hatte. Bei Jasmin Bodenseh hingegen waren es zwei Geburten, die sie in ihrem Freundeskreis als Patentante selbst miterleben durfte, die zur Entscheidung für den Beruf der Hebamme geführt hatten. „Das zu sehen und zu erleben, war so beeindruckend und genau das, was ich wollte.“

Verantwortlich dafür, dass Christine Berg, Jasmin Bodenseh und die anderen Hebammen-Schülerinnen (aktuell sind es insgesamt 36) alles mit auf den Weg bekommen, was man für diesen verantwortungsvollen Beruf braucht, sind Schulleiterin Susanne Mack und ihre Stellvertreterin Heidi Gusenburger. Mack machte im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung vor allem deutlich, dass künftige Hebammen neben dem hohen Fachwissen auch wichtige Charaktereigenschaften, wie beispielsweise Einfühlungsvermögen, Geduld und Flexibilität benötigten. Und auch die zunehmende Akademisierung des Berufs setze zukünftig Rahmenbedingungen.

„Bis zum Jahr 2020 muss eine EU-Vorgabe umgesetzt werden, nach der man zwölf Jahre Schulausbildung, sprich Abitur oder Fachhochschulreife, vorweisen muss, um Zugang zum Beruf zu kriegen. Das wird gegenwärtig so interpretiert, dass man den Beruf an einer Hochschule studieren muss.“ Und was könnte dies in Zukunft für die Hebammenschulen, die zurzeit für die Ausbildung verantwortlich sind, bedeuten? Mack: „Hier müssen wir gute Übergangslösungen finden. Denn über kurz oder lang wird es wohl so sein, dass die Schulen schließen werden.“ Trotzdem sei die Akademisierung eine große Chance für den Beruf, war sich Mack während der Feier sicher.