| 20:21 Uhr

Infoabend in Reiskirchen
Viel Kritik am Anschluss Homburg-Ost

Homburgs Baumamtsleiter Michael Banowitz verdeutlichte als Teil der Informationsveranstaltung, warum als Ergebnis einzelner Überprüfungen verschiedene Varianten eines neuen Autobahnanschluss Homburg-Ost nicht umsetzbar seien.
Homburgs Baumamtsleiter Michael Banowitz verdeutlichte als Teil der Informationsveranstaltung, warum als Ergebnis einzelner Überprüfungen verschiedene Varianten eines neuen Autobahnanschluss Homburg-Ost nicht umsetzbar seien. FOTO: Thorsten Wolf
Reiskirchen. Mehr Lärm, mehr Staub, mehr Verkehr für Anwohner: Von den Bürgern war in Reiskirchen kaum Positives über die Pläne zum neuen A6-Anschluss Homburg-Ost zu hören. Stadt und Landesbetrieb informierten über zwei Varianten. Von Thorsten Wolf

Der geplante A6-Autobahnanschluss Homburg-Ost bei Reiskirchen ist ein Thema, das betroffene Bürger genauso umtreibt wie der ebenfalls geplante Umbau des bestehenden Anschlusses Homburg/Bexbach und der mehrfach avisierte Bau der B-423-Umgehung. Was Homburg-Ost aber von den beiden anderen Großprojekten wesentlich unterscheidet: Hier hat sich die Stadt selbst einen Teil der Planungshoheit gesichert. Das bedeutet: Statt eines üblichen Planfeststellungsverfahren für Baumaßnahmen des Bundes läuft in Homburg ein ersetzendes Bebauungsplanverfahren. Gleich bleibt: Die Kosten für die Baumaßnahme selbst übernimmt der Bund, die eigentlichen Planungen laufen in enger Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) in Neunkirchen.


Am Dienstag nun wurden in der Halle des SV Reiskirchen interessierte Bürger, rund 170, über das informiert, was aktuell Stand der Planung ist. Konkret ging es für die Stadt und den LfS darum, über die zwei Bauvarianten Auskunft zu geben, die sich nach eingehender Überprüfung von ursprünglich fünf Ausführungsmöglichkeiten als einzige als umsetzbar erwiesen hätten. Dabei das Ziel: Sich vor Ort ein Stimmungsbild zu verschaffen, welche der beiden Lösungen in der Bevölkerung besser ankommt. Für die Bürger ihrerseits stand die Möglichkeit offen, sich schon jetzt formal mit ihren Bedenken ins Verfahren einzubringen – sofern sie diese unter Nennung ihre Namens in der Diskussion äußerten.

Um welche Varianten geht es nun? Die eine, die so genannte Variante eins, sieht einen Autobahnanschluss über zwei Rampen mit direkter Anbindung an die so genannte „Erbach-Umgehung“, die L 118, vor. Für die Reiskircher wichtig: Bei dieser Variante wie auch bei Möglichkeit zwei bleibt die Sportanlage des SV Reiskirchen unangetastet.



Eben Variante zwei würde mit einer eigens neu zu bauenden Straße im Erbacher Wald – quasi einer Umgehung eines Stück der Erbach-Umgehung – an das Homburger Straßennetz angeschlossen – allerdings nicht über die Route der alten Glantalbahn, sondern mit einer Wegeführung näher an Reiskirchen/Erbach. Offen blieb am Dienstag, was mit dem damit umgangenen Teilstück der bisherigen L 118 geschehen wird. Was die beiden Varianten neben ihrer Streckenführung deutlich voneinander unterscheidet, ist das Kostenvolumen. Variante eins wird auf Basis einer Grobkostenschätzung auf fünf Millionen Euro taxiert, Variante zwei auf neun Millionen Euro.

Was nun am Dienstagabend deutlich wurde: Am liebsten hätten die Anwesenden wohl gar keinen Anschluss Ost. Oder vielleicht, wenn schon nötig, Variante eins? Oder doch Variante zwei? Das Ziel von Stadtverwaltung und LfS, eine echte und belastbare Stimmungslage mit ins weitere Verfahren zu nehmen, wurde wohl kaum erreicht. Und das lag alleine schon daran, das sich bei solchen Veranstaltungen erfahrungsgemäß vor allem die Kritiker äußern. Und so war, unter Strich, am Dienstag kaum Positives über die Planungen aus dem Rund der Gäste zu hören. Steigenden Verkehrsbelastung der Anwohner, steigenden Lärm- und Staubbelastung, eine Verlagerung des Verkehrs zu Lasten von hier nach da – an Einwänden, auch formal mit Namen versehen, mangelte es nicht. Was am Dienstag noch deutlich wurde: Verkehrsplaner-Sprache und Verständnis in der Bürgerschaft funken mitunter auf unterschiedlichen Frequenzen. Was für den einen anhand von Berechnungen, Messungen und Verfahrensvorgaben klar und eindeutig ist, ist für den anderen schlicht ohne Sinn – oder zumindest nur sehr schwer nachvollziehbar.

Und noch etwas wurde am Dienstag klar: Am liebsten hätte man statt der Drei-Ohren-Lösung am bestehenden Autobahnanschluss Homburg/Bexbach und eines ergänzenden neuen Anschlusses Ost seitens der Stadt eine Lösung mit vier Ohren gehabt. Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind: „Mir ist die Stimmungslage in diesem Raum sehr wohl bewusst. Wir haben als Stadt lange, und ich glaube fraktionsübergreifend, für das vierte Ohr an der jetzigen Anschlussstelle gekämpft.“ Dieses vierte Ohr sei aber abgelehnt worden. „Für uns wäre das aber die vernünftigste Lösung gewesen.“

Stattdessen habe es vom Bundesverkehrsministerium den Vorschlag gegeben, einen zusätzlichen Anschluss zu bauen „und dadurch den Anschluss Homburg zu entlasten“. Vor diesem Hintergrund habe die Stadt da zum Teil das Planungsrecht an sich gezogen, „um zu versuchen eine bestmögliche Lösung zu finden, und, das ist wirklich in der Politik manchmal einfach so, zwischen Pest und Cholera zu entscheiden.“ Dabei, so Schneidewind, müsse man versuchen, auf der einen Seite Menschen zu entlasten, auf der anderen Seite möglichst wenig zu belasten.