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Handball
TV Homburg kündigt den Vertrag auf

Sportlich gesehen, ist die HWE Homburg weiter auf dem Höhenflug. Hier ein Archivbild: Homburgs Freddy Simon setzt zum Sprungwurf an. Im Hintergrund schaut Thomas Zellmer  zu.
Sportlich gesehen, ist die HWE Homburg weiter auf dem Höhenflug. Hier ein Archivbild: Homburgs Freddy Simon setzt zum Sprungwurf an. Im Hintergrund schaut Thomas Zellmer  zu. FOTO: Annette Jacobsen/Veren / Annette Jacobsen
Homburg. Die Spielgemeinschaft HWE Homburg ist in der Krise. Dabei steht die Mannschaft sportlich bestens da.

„Where did it all go wrong?“, fragte bereits die britische Rockband Oasis in ihrem gleichnamigen Song aus dem Jahr 1999. Fast zwei Dekaden später möchte man den Verantwortlichen vom Handball-Saarlandligisten HWE Homburg dieselbe Frage stellen: Wo und wann ist das Ganze eigentlich schiefgelaufen?


Die Spielgemeinschaft, die vor drei Jahren aus der Taufe gehoben wurde, besteht aus den Vereinen TV Homburg, SSV Erbach und HSV Waldmohr. Doch der TV Homburg will nun aussteigen und hat den Spielgemeinschafts-Vertrag zum Ende der laufenden Saison gekündigt. Ein elementarer Grund sind offenbar unterschiedliche Auffassungen bei der Jugendarbeit. Jörg Ecker vom TV Homburg ist bei der HWE der Abteilungsleiter der Aktiven. Er wirft den anderen beiden Vereinen Versäumnisse im Nachwuchsbereich vor: „Zu Beginn der Spielgemeinschaft wurde festgelegt, dass sich Erbach und Waldmohr um den Jugendbereich kümmern. Heute existiert die B-Jugend nur noch über eine Spielgemeinschaft mit der VTZ Zweibrücken, die C-Jugend gibt es nicht mehr, bei der D-Jugend sind Mädchen und Jungen gemischt und die E-Jugend mussten wir vom Spielbetrieb abmelden.“

Ecker ergänzt: „Wir geben heute dasselbe Geld für Jugendtrainer aus wie vor drei Jahren, obwohl nur noch halb so viele Kinder hier spielen. Wir müssen langfristig denken. Ich wollte schon vor zwei Jahren einen FSJ-Mitarbeiter, der für uns an die Schulen geht. Aber das Geld wird lieber mit vollen Löffeln für andere Dinge ausgegeben.“



Beim SSV Erbach und HSV Waldmohr will man das nicht so stehen lassen. Die beiden Vereine hatten sich bereits 2006 zur Spielgemeinschaft HWE Waldmohr/Erbach zusammengeschlossen. Deren Pressesprecher ist Michael Burgard. Er sagt: „Alle Vereine haben heute Probleme, ihre Jugendmannschaften aufzufüllen. Das ist sogar beim Fußball so. Trotzdem ist unsere weibliche B-Jugend Meister geworden. Außerdem spielen verschiedene Mannschaften in der Jugend-Oberliga. Und durch das große Engagement der Trainer aus Erbach und Waldmohr konnten internationale Jugendturniere in Holland besucht und Trainingscamps organisiert werden.“

Reibungspunkte liefert aber nicht nur die Nachwuchsförderung. Ecker wirft den Partnervereinen vor, dass der TV Homburg nicht über eine Zusammenarbeit der Damen mit dem TV Kusel informiert wurde. Erbach und Waldmohr wiederum klagen, dass die Spielgemeinschaft bereits 2016 wegen „persönlicher Differenzen“ Eckers mit Andreas Mooßmann (SSV Erbach) und Aaron Braun (HSV Waldmohr) vor dem Aus gestanden habe. „Das hatte den Hintergrund, dass die beiden hinter dem Rücken Kritik an Spielertrainer Thomas Zellmer geübt haben. Das geht für mich nicht“, wehrt sich Ecker. Er wiederum behauptet, die Partnervereine würden sich bei einem möglichen Aufstieg querstellen, weil die Oberliga zu teuer sei.

„Wir würden durchaus mit dieser Mannschaft aufsteigen, aber Herr Ecker will dann in der Oberliga offenbar teure neue Spieler verpflichten“, behauptet hingegen Burgard. „Völlig falsch, davon war nie die Rede“, dementiert Ecker. Er behauptet, er habe versucht die Spielgemeinschaft zu retten, indem er den SSV Erbach von einer weiteren Zusammenarbeit bei den Aktiven überzeugen wollte. Der HSV Waldmohr (Ecker: „Dort fehlt der Leistungsgedanke“) sollte aber nur noch bei der Jugend mit im Boot sitzen. Doch dabei spielte Erbach nicht mit (Burgard: „Wir sollten unseren Partner absägen“). Seitdem machen sich beide Seiten gegenseitig dafür verantwortlich, dass Funkstille herrscht. Welche Partei bei dieser unübersichtlichen Gemengelage, bei der Aussage gegen Aussage steht, Recht hat – oder ob beide Seiten womöglich teilweise Recht haben – ist schwer zu beurteilen.

Leidtragender ist in jedem Fall die Mannschaft der HWE, die in der Saarlandliga eine formidable Runde spielt und nach dem 33:30-Heimsieg am Samstagabend gegen den TV Merchweiler die Tabelle weiter souverän anführt. „Kindergarten“, kommentierte ein Zuschauer vor dem Sportzentrum Erbach am Samstag den schwelenden Konflikt. Und auch die Spieler sind von den Querelen genervt. „Traurig, dass die Vereine es offenbar nicht hinbekommen, eine Lösung zu finden“, sagte Christian Boscolo. „Unser einziger Wunsch ist, dass die Mannschaft auch nächste Saison zusammenbleibt“, erklärte Torwart Max Loschky. Und Spielertrainer Thomas Zellmer meinte am Samstag beim Verlassen der Halle: „Kompliment, wie die Mannschaft die Diskussionen wegsteckt. Schade, dass wir uns deshalb seit Wochen nicht einmal über Platz eins freuen können. „Where dit it all go wrong, HWE Homburg?“