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Trachtenumzug in Homburg
Ein fröhlicher Umzug durch Homburg

So muss es sein: In Weiß und Blau gab‘s gestern beim großen Wiesn-Umzug natürlich auch traditionelle Blasmusik.
So muss es sein: In Weiß und Blau gab‘s gestern beim großen Wiesn-Umzug natürlich auch traditionelle Blasmusik. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Dass die Saarpfälzer feiern können wie die Bayern, war beim gestrigen Wiesn-Spektakel nicht zu übersehen. Von Thorsten Wolf

Was macht einen echten Wiesn-Umzug aus? Natürlich erstmal Dirndl und Krachlederne. Und natürlich die Farben Weiß und Blau! Und jede Menge Tradition! Und Blasmusik – also meistens. Und natürlich München. München? Von wegen!


Schon seit Jahren heißt es auch in Homburg „Feiern wie in Bayern“. Und wo so richtig Oktoberfest gefeiert wird, da gehört natürlich auch ein richtiger Fest-Umzug mit allem Drum und Dran mit dazu. Und so machten sich gestern, am Tag der Deutschen Einheit, wieder um die 40 Marschgruppen vom Enkler-Platz aus entlang der Talsraße und über „Beamtebrickelche“ in Richtung Festzelt am Forum auf den Weg, um die Innenstadt für eine gute Stunde so richtig in Feierlaune „Bavarian Style“ zu bringen.

Für die mehreren hundert Zuschauer am Straßenrand, nach denen es zahlmäßig noch kurz vor dem Start um 13.30 Uhr allerdings nicht so richtig ausgesehen hatte, bot sich auch in diesem Jahr wieder ein buntes und abwechslungsreiches Bild.



Zur nunmehr elften Homburger Wiesn gab’s in bayerischer Tracht gekleidete Blasmusiker, jede Menge Oldtimer, jede Menge alte Traktoren und Schlepper, jede Menge Musik, jede Menge Bier und natürlich den Wagen mit Festwirt Thorsten Bruch und Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind.  Und die Karlsberg-Bierkönigin Denise hielt von ihrem Wagen aus Hof.

Aber auch weniger „klassische“ Teilnehmer waren wieder unterwegs, so die Homburger Bollerwagen-Freunde mit gleich einer ganzen Reihe von ausgefallenen Bollerwagen und die Saxontette-Freunde aus Reiskirchen mit ihren motorisierten „Fahrrädern“.

Alles in allem war da eine richtige bunte Truppe in der Homburger Innenstadt unterwegs, eine, die weit mehr war als eine Kopie der bayerischen Variante. Vor dem Start des Umzugs, traditionell eingeleitet von einem Böllerschuss, hatte Festwirt Thorsten Bruch ein paar Minuten für unsere Zeitung Zeit, um noch vor Ende der ersten Hälfte der diesjährigen Homburger Wiesn eine kleine, gefühlte Zwischenbilanz zu ziehen – und die hatte ihren Ursprung in der Einschätzung einer Besucherin, dass die Homburger Wiesn eigentlich schöner sei als das Münchner Oktoberfest. „Ich empfinde das auch so. Einfach, weil man sich, so wie unser Zelt gestaltet ist, freier bewegen kann. Es gibt unterschiedliche Bereiche. Das Zelt ist dabei ausverkauft, aber nicht so überfüllt, wie das in München der Fall ist.“

Zudem treffe man als Gast bei einem Besuch auf der Homburger Wiesn einfach mehr Leute, die man kenne. „Deswegen ist der Spaßfaktor schon höher.“ Aber man könnte ja noch mehr Leute unterbringen, immerhin ist jeder Festwirt auch ein Geschäftsmann. Bei dieser Einschätzung zögerte Thorsten Bruch gestern merklich. „Dabei muss man verschiedenen Punkte bedenken: Der Spaßfaktor ist wirklich höher, wenn man sich bewegen und auch mal im Gang tanzen kann. Zudem sind die Wege für die Bedienung frei, man kann dem Gast Essen und Getränke besser bringen. Und es geht natürlich auch um den Sicherheitsaspekt, denn es geht bei der Wiesn natürlich schon auch um Alkohol. Und wenn mehr Platz ist, dann gibt es weniger Rempler – und somit hat man auch mehr Sicherheit. Deswegen möchte ich von unserem Konzept nicht abweichen.“

Damit gehe man einen anderen Weg als andere Festwirte, die entsprechend enger bestuhlen würden, „wir gehen da unseren eigenen Weg“, so Thorsten Bruch. Gefragt, warum er sich zusätzlich zum Betrieb des eigentlichen Festzeltes auch noch die Organisation und Verantwortung für einen großen Umzug auferlege, sagte Bruch: „Ich habe damals die Homburger Wiesn ins Leben gerufen, weil ich ein echter Fan der Münchner Wiesn war. Die hat eben auch einen Umzug und vermittelt so viel Tradition.“

Dass es zu Beginn dabei gestern so aussah, als wollten eben diesen Umzug 2018 nicht so viele Leute sehen wie in den zurückliegenden Jahren, machte Thorsten Bruch keine Sorgen. So quittierte er die Frage, ob es für ihn eher ein Erfolg sei, wenn er 40 Marschgruppen aktivieren könne oder wenn 4000 Zuschauer an der Straße diese Marschgruppen bestaunten, mit einem Lächeln: „40 Gruppen und ein volles Zelt.“