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Wochenkolumne
Technik ist nur was für Männer

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Jedes Jahr, wenn im Sommer die Zeugnisse verteilt werden, bietet sich dasselbe Bild: Während in den allgemeinbildenden Schulen das Zahlenverhältnis zwischen Mädchen und Jungen ausgeglichen ist, sieht es in der Fachoberschule Technik der Paul-Weber-Schule völlig einseitig aus: Unter 22 Absolventen war genau ein Mädchen vertreten. Von Christine Maack

Und das wollte, nach eigener Aussage, noch nicht einmal einen technischen Beruf ergreifen. Also nichts mit Maschinenbau, Mechatronik oder Mikrosystemtechnik.


Am Freitagabend fand wieder die Promotionsfeier am Uniklinikum statt. Hier waren die Damen deutlich in der Überzahl, ein Trend, der sich seit Jahren abzeichnet. Inzwischen klettert die Quote der jungen Frauen, die Medizin studieren wollen, auf über 65 Prozent. Da muss man sich die Frage stellen: Was machen eigentlich die Jungs? Die verabschiedeten sich aus Berufen, die bei immer mehr Arbeit immer weniger Lohn versprechen, frotzeln Ärzte, die schon länger im Beruf sind. Oder, wie es kürzlich ein Homburger Professor formulierte: Erfahrene Steinzeitjäger zogen schon immer aus Gebieten weg, in denen die Mammuts ausblieben und suchten sich andere Jagdgründe. Man kann auch sagen: Alles, was immer schlechter bezahlt wird, bleibt für die Mädchen. Also gibt es zwei Möglichkeiten: Die Jungen interessieren sich endlich wieder fürs Lehramt, für Medizin und für soziale Berufe und kämpfen dort für mehr Lohn. Und die Mädchen stürmen die Technik-Zweige der Schulen und Unis. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch.