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Ausgabe-Einschränkung wird in Homburg aufgehoben
Ansturm bei Tafel ebbt leicht ab

Hilfsbedürftige, die bei der Tafel Homburg Lebensmittel abholen (hier ein Symbolbild), können dies wieder zweimal pro Woche tun. Die dem massiven Ansturm vor einigen Jahren geschuldete Einschränkung auf nur noch einen Ausgabetag pro Woche je Abholer wird aufgehoben. In St. Ingbert bleibt es beim 14-tägigen Abhol-Rhythmus.
Hilfsbedürftige, die bei der Tafel Homburg Lebensmittel abholen (hier ein Symbolbild), können dies wieder zweimal pro Woche tun. Die dem massiven Ansturm vor einigen Jahren geschuldete Einschränkung auf nur noch einen Ausgabetag pro Woche je Abholer wird aufgehoben. In St. Ingbert bleibt es beim 14-tägigen Abhol-Rhythmus. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Homburg. 2015 kam die Tafel Homburg an ihre Grenzen. Der Ansturm war so groß, dass sie reagieren musste. Die Art der Ausgabe wurde umgestellt. Da wieder weniger Menschen kommen, wird die Einschränkung in Homburg aufgehoben. Von Ulrike Stumm

Wenn Roland Best redet, dann kann man sich schwer vorstellen, dass er von ehrenamtlicher Arbeit für Bedürftige spricht, das meiste hört sich auch nach Alltag in einem kleinen bis mittelgroßen recht professionellen Unternehmen an. Um Personalfragen geht es da oder um die Neuanschaffung von Fahrzeugen – aber eben ebenso um Hilfe. Der Vorsitzende der Tafel Homburg hat viel zu berichten bei seinem Besuch in der Homburger Redaktion, zu dem er Samer Alashhab aus Syrien mitgebracht – einer, der seit Jahren in der Einrichtung hilft.


Dabei kann Best mit einer guten Nachricht aufwarten: Der massive Ansturm, der vor einiger Zeit noch dazu führte, dass die Einrichtung ihre Lebensmittelausgabe an Bedürftige einschränken musste auf einmal pro Woche je Abholer in Homburg und auf alle zwei Wochen in St. Ingbert, ist abgeebbt.

2015 war die Tafel deutlich an ihre Grenzen geführt worden, auch durch die vielen Flüchtlinge, die ankamen. Zudem nutzten Menschen aus Limbach und Blieskastel das Angebot in Homburg. Bis zu 300 Leute kamen damals pro Ausgabetag in die Inastraße. „Das war viel zu viel“, sagt Roland Best. Für die Ehrenamtler bei der Ausgabe bedeutete dies: Akkordarbeit. Die Tafel organisierte um, Hilfsbedürftige durften in Homburg nur noch an einem der beiden Ausgabetage kommen, wurden aufgeteilt. Durch diese frühzeitige Reaktion musste jedoch niemanden abgewiesen werden, so wie es später andernorts im Saarland immer wieder passierte.



Heute liegt man pro Ausgabetag durch die Aufteilung bei etwa 110 bis 120 Abholern, sagt Best. Seit ungefähr einem Jahr  beobachte man diesen Rückgang. Deshalb hebt die Tafel ab der kommenden Woche, genau ab Montag, 29. Oktober, diese Einschränkung in Homburg auf. „Die Leute können dann  wieder zweimal pro Woche zu uns kommen“, kündigt Best an. Er hofft, dass sich das Ganze auf um die 150 bis 160 Menschen pro Ausgabetag einpendelt. Das sei ein „Pensum, das wir gut bedienen können“. Die Regelung gelte probeweise. „Wenn 200 Leute pro Tag kommen, müssen wir es wieder teilen.“ In St. Ingbert bleibe  es beim 14-Tage-Rhythmus, die Räume, so Best, gäben es einfach nicht her, hier wieder jede Woche zu öffnen. 150 bis 160 Leute, mit denen man dann rechne, seien zu viel.

Für den Rückgang macht Best diverse Faktoren verantwortlich: Viele Menschen hätten Jobs gefunden, die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei relativ gut, andere machten Praktika und wieder andere seien schlicht weggezogen aus Homburg. Das ist erfreulich und betrifft – und das ist zugleich der Wermutstropfen – auch etliche derjenigen, die bei der Tafel ehrenamtlich mitgearbeitet haben. „Jetzt brauchen wir dringend nochmal Helfer“, wirbt Best, ob als Fahrer oder bei der Ausgabe. Immerhin seien pro Abgabetag um die 30 Menschen erforderlich, die anpacken: allein acht fahren auf den vier Transportern mit, mit denen die Lebensmittel abgeholt werden. Danach braucht es Menschen, die diese sortieren, ausgeben, solche die zum Beispiel im Büro mit anpacken oder auch die Autos tanken, den Müll wegbringen. Noch sei auch nicht klar wie es mit den vier Mitarbeitern weitergehe, die von der kreiseigenen Aquis „netterweise an uns ausgeliehen“ sind. Deren Vertrag laufe Ende November aus.

Neben dieser anpackenden Hilfe, wirbt Best um finanzielle Unterstützung. Denn die Tafel habe auch Kosten: von Benzin über Miete bis zu Versicherungen. „Wir sind auf Geldspenden angewiesen“, macht er deutlich.

Ein anderes Problem, mit dem er sich beschäftigen muss: Er müsste dringend ein neues Fahrzeug anschaffen, das alte sei sechs Jahre alt. Doch durch die Dieselkrise, bekomme er für das Auto, ein Dieselfahrzeug der Euro Klasse vier, fast nichts mehr. Deswegen überlege man, es länger zu nutzen, auch wenn dies dann wahrscheinlich zu höherem Reparaturaufwand führe.

Derzeit nicht auf dem Programm stehen Kochkurse, die es in der Vergangenheit bereits gab. Der Hintergrund: Viele Menschen, die zur Tafel kommen, wüssten wenig mit unverarbeiteten Lebensmitteln anzufangen. Um hier auch jetzt zu helfen, werden etwa Info-Blätter zu diversen Gemüsesorten verteilt. Darauf wird deren Zubereitung erklärt samt kleinen Rezepten.

Ganz aktuell steht jetzt übrigens eine Aktion an, die es mittlerweile seit 13 Jahren gibt. Angedockt ist diese an den St-Martins-Tag und den Gedanken des Teilens. In Kindergärten und Grundschulen werde das Thema Armut behandelt, haltbare Lebensmittelspenden würden eingesammelt. Um die 60 Schulen und Kitas sind kreisweit dabei, so Best. Die Spenden werden von der Tafel abgeholt und landen dann in Weihnachtspäckchen für diejenigen, die bei der Tafel etwas bekommen.

Roland Best, Vorsitzender der Tafel Homburg, und Samer Alashhab, der in der Einrichtung mithilft, berichteten in der Redaktion von aktuellen Entwicklungen und Projekten.
Roland Best, Vorsitzender der Tafel Homburg, und Samer Alashhab, der in der Einrichtung mithilft, berichteten in der Redaktion von aktuellen Entwicklungen und Projekten. FOTO: Ulrike Stumm