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Aus für die Kirmes
Stadt will die Homburger Kirmes kippen

Stimmt der Stadtrat am Donnerstag zu, dann wird die Homburger Kirmes für immer beerdigt. In diesem Jahr war der Zuspruch erneut nur sehr mäßig. Die Kerb schwächelt allerdings bereits seit längerem.
Stimmt der Stadtrat am Donnerstag zu, dann wird die Homburger Kirmes für immer beerdigt. In diesem Jahr war der Zuspruch erneut nur sehr mäßig. Die Kerb schwächelt allerdings bereits seit längerem. FOTO: Simmet / simmet,heinrich
Homburg . Immer weniger Schausteller, immer weniger Besucher: Die Homburger Kirmes hat mit massiven Problemen zu kämpfen. Nun soll sie ganz abgesetzt werden. Darüber entscheidet der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag. Von Ulrike Stumm

„Die Homburger Kirmes Anfang September war katastrophal.“ Der Satz in den Unterlagen zur nächsten Sitzung des Homburger Stadtrates fasst in ziemlich deutlichen Worten zusammen, was eigentlich schon seit längerem bekannt ist: Um die Homburger Kirmes ist es nicht besonders gut bestellt.


Stimmt der Stadtrat bei seiner Sitzung an diesem Donnerstag zu (siehe Infobox), dann fällt sie künftig komplett weg. Die Situation sei für alle Beteiligten, Stadtverwaltung, Standbeschicker, Besucher, unbefriedigend, heißt es in der Vorlage weiter. Gerade einmal sieben Stände wurden demnach im September aufgebaut, darunter ein Auto­scooter, ein Kinderkarussell, eine Wurfbude, ein Crêpes-, ein Würstchen und ein Getränkestand. Die Gäste, so die Unterlagen, blieben aus, weil es zu wenige Schausteller gebe, die Schausteller wiederum kämen nicht, da zu wenige Gäste kommen. Das sei ein Teufelskreis. Größere Fahrgeschäfte bevorzugten große Volksfeste. Das Interesse sei gering, die Konkurrenz durch Freizeitparks spürbar. Und Homburg ist kein Einzelfall: Es hätten weitere saarländische Städte ihre Kerwen gekippt. Das, so steht es in den Sitzungspapieren, sollte die Stadt Homburg ebenfalls veranlassen, die Stadtkirmes abzusagen.

Allerdings will man sich gleichzeitig dafür einsetzen, dass Homburg nicht überall zur „kerwefreie Zone“  wird. Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind habe angeregt, in den Stadtteilen die Standgebühren auszusetzten, um wenigstens dort die Kirmes zu retten.



Dass es auch andernorts eng werden kann, hatte etwa das Beispiel Bruchhof-Sanddorf gezeigt, wo die Kerb vor einiger Zeit auf der Kippe stand. Zusammen mit der Dorfgemeinschaft und wenigen Akteuren hatte man sie dann nochmals auf die Beine gestellt. Und 2017 konnte Ortsvertrauensmann Manfred Rippel sogar stolz vermelden: „Dieses Jahr ist die Kerb sogar größer.“ Allerdings ließ man in Bruchhof-Sanddorf dafür das Dorffest ausfallen, sodass nun beides zusammen gefeiert wurde (wir berichteten).

Dabei liegt den Menschen durchaus etwas an ihren Traditionsveranstaltungen. Das hatte eine kleine, nicht repräsentative Umfrage unserer Zeitung im Herbst 2016 ergeben (wir berichteten). Auf die Frage „Sollte man die Kirmes lieber ganz kippen?“, hatten lediglich 15 Prozent, die mit „Ja“ geantwortet. 74 Prozent antworteten mit „Nein“, halten also überhaupt nichts davon, die Kerb im Dorf abzuschaffen. 11 Prozent gaben keine Meinung an.

Die Homburger Kirmes schwächelt allerdings schon seit längerem. Auch im vergangenen Jahr war nach einer sehr mäßig besuchten Kerb klar: So wie es war, kann es nicht weitergehen. Doch man wollte dem Problem, der – trotz Ausnahmen – doch tendenziell seit Jahren kränkelnden Kirmes in Homburg, grundlegender begegnen, sich Gedanken über die Kirmes machen. Auch eine Abschaffung der Veranstaltung war schon da durchaus denkbar. Und es war klar, stehe man weiter zur Kerb, dann müsse deutlich mehr Geld, Zeit und Energie investiert werden, um diese zu beleben, hatte Pressesprecher Jürgen Kruthoff damals gesagt. Neu war das Ringen um die Kirmes bereits zu diesem Zeitpunkt nicht. Jahrelang hatte man versucht, das richtige Konzept zu finden, um wieder mehr Menschen dafür zu begeistern. Unter anderem wurde mehrfach der Ort gewechselt: Gefeiert wurde nicht nur am alten Stadtbad, sondern auch schon in der Innenstadt und auf dem Scheffelplatz. Nachdem man dann in diesem Jahr doch noch einen Anlauf nahm, soll nun endgültig ein Schlussstrich gezogen werden, denn trotz der Bemühungen der Kulturabteilung blieb die Situation schwierig.

Während die Kerb also in der Stadtratssitzung Thema ist und endgültig beerdigt werden soll, steht der Haushalt fürs kommende Jahr hingegen nicht auf der Tagesordnung. Das hatte Pressesprecher Jürgen Kruthoff bereits vergangene Woche auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Der Haushalt soll erst im Frühjahr beraten und verabschiedet werden, sagte er weiter. Und auf diesen Zeitpunkt werde es wohl auch künftig hinauslaufen. Ein Grund dafür: Homburg als Stadt mit Sanierungshaushalt bekomme vom Land bestimmte Auflagen und Erlasse vorgeschrieben. Diese hätten in den vergangenen Jahren endgültig aber erst im Dezember vorgelegen. Es sei jedoch nicht effektiv, zuvor ohne diese Vorgaben zu planen. Natürlich werde der Haushalt aber in der Verwaltung bereits vorbereitet.

Eine Idee sei es, so Kruthoff, einen Doppelhaushalt für die Jahre 2018/19 zu erstellen.