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Friedhofsschließungen
Stadt tritt bei Friedhöfen auf die Bremse

Anfang 2015 hatte es erste offizielle Details zur Einschränkung der Angebote auf vier kleinen Homburger Friedhöfen, wie hier in Ingweiler, gegeben. Drei Jahre später sind die entsprechenden Pläne noch nicht umgesetzt, in der Verwaltung will man sich Zeit lassen für ein „Konzept aus einem Guss“.
Anfang 2015 hatte es erste offizielle Details zur Einschränkung der Angebote auf vier kleinen Homburger Friedhöfen, wie hier in Ingweiler, gegeben. Drei Jahre später sind die entsprechenden Pläne noch nicht umgesetzt, in der Verwaltung will man sich Zeit lassen für ein „Konzept aus einem Guss“. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die Teilschließung der kleineren Anlagen ist nicht vom Tisch, Eile scheint jedoch nicht mehr geboten. Von Thorsten Wolf

Es gab Zeiten in Homburg, in denen sich der Ärger von Bürgern vor allem an den Plänen der Stadt entzündet hatte, kleinere Friedhöfe in Ingweiler, Websweiler, Altbreitenfelderhof und Wörscheiler in ihrer Nutzung einzuschränken. So wolle man Kosten sparen in einer Stadt, die eben kein Geld mehr habe. Schnell machte in der Stadt die Runde, man beabsichtige die Friedhöfe zu schließen, Verantwortliche der Stadt wurden deswegen nicht müde immer wieder zu betonen, dass die beroffenen Friedhöfe eben nicht geschlossen würden, man würde lediglich das Angebot der möglichen Bestattungsarten einschränken. Das Schlagwort hier: Teilschließung.



Doch so oder so, der Begriff der Schließung war in der Welt – und in den betroffenen Ortsteilen kochte der Ärger richtig hoch. Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und andere Veranwortungsträger versuchten, auch mal vor Ort, den Bürgern klar zu machen, um was es aus ihrer Sicht eigentlich geht. Dass die Friedhöfe eben nicht geschlossen würden, sondern das man dort sich lediglich nicht mehr in einer klassischen Sargbeerdigung bestatten lassen könne. Und das all das nötig sei, um die Kosten im Bereich des Friedhofswesens zu senken. Doch die Bürger wollten nicht folgen, bezeifelten die von der Verwaltung angegeben Einsparpotenziale – und überlegten gar, die Friedhöfe mit privaten Vereinen selbst zu tragen. Es gab Sondersitzungen in den Ortsräten, es gab Bürgerproteste in Stadtratssitzungen. Das alles hatte Anfang 2015 begonnen.

Nun, rund drei Jahre später, ist es ruhig geworden um das Thema, zumindest was die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit angeht. Keine Sondersitzungen mehr, keine Bürgerproteste (zumindest keine lauten), auf den vier Friedhöfen ist wieder Ruhe eingekehrt. Und das hat seinen guten Grund, denn: Die Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten, formal als „funktionale Teilschließung“ bezeichnet, hat bislang noch gar nicht stattgefunden. Das bestätigte gestern auf Nachfrage auch Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff: „Die schon vor längerer Zeit vorgestellten Reduzierungen der Angebote, beziehungsweise die Teilschließungen, auf den kleinen Friedhöfen in Homburg sind noch nicht umgesetzt worden.“ Also viel Lärm um nichts? Das bewertete Kruthoff anders, biete doch der bisher nicht vollzogene Beschluss unerwartet Vorteile — so zumindest sieht es die Stadt. So erweise sich das Nicht-Umsetzen „in der aktuellen Situation nicht als Nachteil, da Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind die in jüngster Zeit aufkommende Diskussion und die geäußerten Wünsche nach Baumbestattungen auf möglichst mehreren Friedhöfen gern in Ruhe führen würde“.

Nun mag man, wenn man will, durchaus zwischen den Zeilen lesen, dass man es mit der einst so hart, emotional und kontrovers diskutierten „Teilschließung“ der kleinen Friedhöfe wohl nicht mehr ganz so eilig hat. Und mehr als einmal vermittelten politische Akteure in der jüngeren Vergangenheit gar den Eindruck, die Geschichte sei gar ganz vom Tisch. Ob das nun stimmt oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Aus der Stadt war gestern aber ein deutliches und zumindest zeitliches „auf die Bremse treten“ wahrzunehmen. Jürgen Kruthoff: „Wichtiger als die Schnelligkeit ist eine Vorgehensweise und eine neue Satzung ‚aus einem Guss‘. Daher kommt es in erster Linie darauf an, Lösungen zu finden, die den Wünschen der Beteiligten möglichst gerecht werden. Wir werden daher die Anliegen prüfen und versuchen, diese, da wo es Sinn macht, auch umzusetzen“.

Zur Erklärung: Zu diesen Wünschen, wie jüngst auch in der Sitzung des Einöder Ortsrates geäußert, gehört eben auch die Baumbestattung. Dass man sich, vor dem Hintergrund eben dieser Wünsche, nun Zeit lassen, heiße aber nicht, dass von den Plänen der Teilschließung abgerückt werde, „die Umsetzung soll aber erst dann erfolgen, wenn das Gesamtkonzept steht.“

Zur Verzögerung bei der Erarbeitung dieses Konzeptes, gerade mit Blick auf Baumbestatungen, hätten auch, so Kruthoff, „schwierige Gespräche und Verhandlungen, beispielsweise mit dem Saarforst, über geeignete Flächen beigetragen. Diese Verhandlungen sind auch noch nicht abgeschlossen“. Zudem werde derzeit eine externe Planung für einen Teilbereich des Homburger Friedhofs erstellt, „die neben einer Baumbestattung auch ein muslimisches Grabfeld sowie die Anlage von Urnengemeinschaftsgräbern enthalten soll.“ Bleibt die Frage, wann nun was umgesetzt wird. Dies werde daran liegen, erläuterte Kruthoff, welche der Wünsche aus den Ortsteilen, so nach Baumbestattungen, in den Friedhöfen umgesetzt werden können.

Immerhin, so Kruthoff, sei die neue Friedhofs-Satzung in Grundzügen fertig, nun hoffe er darauf, dass die damit verbundenen Entscheidungen in den kommenden Monaten umgesetzt würden.