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Stadt setzt auf Überprüfung

FürVerkehrsexperten gehören sowohl der Ausbau des bestehenden Anschlusses Homburg/Bexbach (unser Bild) als auch ein zweiter Autobahnanschluss Homburg-Ost zusammen, um das Verkehrsaufkommen in geordnete Bahnen zu lenken. In der vergangene Woche hat der Homburger Stadtrat begonnen, ein Bebauungsplanverfahren aufzustellen. Foto: Thorsten Wolf
FürVerkehrsexperten gehören sowohl der Ausbau des bestehenden Anschlusses Homburg/Bexbach (unser Bild) als auch ein zweiter Autobahnanschluss Homburg-Ost zusammen, um das Verkehrsaufkommen in geordnete Bahnen zu lenken. In der vergangene Woche hat der Homburger Stadtrat begonnen, ein Bebauungsplanverfahren aufzustellen. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Der Homburger Stadtrat beschloss den Beginn eines Bebauungsplanverfahrens für Homburg-Ost. Das Verfahren soll zwar formal alle Anschlussmöglichkeiten prüfen - tatsächlich scheint es um die Nutzung der Glantal-Route zu gehen. Thorsten Wolf

Soll der zweite Homburger Autobahnanschluss seinen Platz in Höhe der Erbach-Umgehung finden? Oder soll Homburg-Ost über die alte Trasse der Glantalbahn erschlossen werden? Darüber sind sich seit Jahren die Stadt Homburg und der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) nicht einig. Letzterer plädierte in der Vergangenheit immer wieder für die Erbach-Umgehung als Zubringer. Für die Homburger Verwaltung war hingegen die Nutzung der stillgelegten und inzwischen demontierten Bahntrasse attraktiver (wir berichteten mehrfach).

Anlässlich seiner letzten Sitzung nun hat der Homburger Stadtrat den Beginn eines Bebauungsplanverfahrens für Homburg-Ost beschlossen. Das soll zwar formal alle Anschlussmöglichkeiten prüfen - tatsächlich scheint es aber vor allem darum zu gehen, die Nutzung der Glantalbahn-Route als Wunschlösung der Stadt belastbar als Zubringer zu überprüfen. Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind : "Es geht uns im Kern darum, dass wir als Stadt Homburg , wir als Fachbehörde und der Stadtrat prüfen, ob es überhaupt möglich ist, auf der alten Bahntrasse den Autobahnzubringer zu bauen." Bekannt sei, erläuterte Homburgs Verwaltungschef in der Ratssitzung, dass die Bahntrasse an der Grenze eines europäischen Naturschutzgebietes (FFH für Fauna-Flora-Habitat) liege und deswegen bei Gegnern die Einschätzung vorherrsche, eine Nutzung der Schienen-Trasse sei nicht möglich. "Ich möchte hier aber nicht vorschnell urteilen, sondern dies selbst prüfen und dann mit dem Rat besprechen." Auch sei nicht sicher, ob eine Anbindung über die Glantalbahn-Strecke auch tatsächlich komme, selbst wenn das Bebauungsplanverfahren diese ermögliche, "denn dann müssen wir uns erst um die Finanzierung seitens Land und Bund kümmern. Und wir müssen uns um die Bürger kümmern. Denn ich weiß, dass diese Lösung in Erbach sehr zwiegespalten gesehen wird", gestand Schneidewind ein.

Zwiegespalten war dann auch der Rat selbst bei seiner Entscheidung. Jürgen Portugall von der CDU mahnte an, im Zuge des Verfahrens alle Varianten "vorurteilsfrei" zu prüfen, um sie dann im Rat vorzustellen. "Es darf dabei keine Variante zum Zuge kommen, die die Bürger in Homburg und Bexbach zusätzlich belastet." Yvette Stoppiera von den Grünen wies auf die Grenzlage der Bahntrasse zum Naturschutzgebiet hin und kritisierte das Vorgehen der Stadtverwaltung. "Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, wenn vor der Aufstellung eines Bebauungsplanes erst der LfS im Stadtrat Gehör findet und über den aktuellen Sachstand informiert." Georg Weisweiler von der "Allianz der Vernunft" hingegen bewertete das nun angestoßene Baurechtsverfahren als sinnvoll, "wir werden uns positiv in die Abstimmung einbringen, damit diese Alternative geprüft wird."

Barbara Spaniol von den Linken forderte nachdrücklich eine Beteiligung der Bürger und, wie schon die Grünen, einen Sachstandsbericht seitens des LfS - herrsche doch bei den Bürgern große Verunsicherung. "Wir haben mit dem ganzen Verfahren unsere Schwierigkeiten, man sollte noch mal innehalten und an einem Tisch zusammenkommen." Für die FWG verteidigte Axel Ulmcke, seit Jahren Befürworter der Glantalbahn-Lösung, diese Variante, entlaste die doch die Berliner Straße in Erbach und die Anwohner in Bruchhof. Gerhard Wagner von der SPD war sich schließlich sicher, dass man mit dem angestoßenen Verfahren "auf dem richtigen Weg" sei. Bei der Abstimmung votierten die Grünen gegen die Aufstellung des Bebauungsplanes, die Linken enthielten sich.