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Sanierung in der Hasenäckerstraße
In Erbach entsteht sozialer Wohnraum

Die Gebäude an der Hasenäckerstraße in Erbach werden in den kommenden Monaten erneut saniert. Dann sollen sie als städtischer Wohnraum verfügbar gemacht werden.
Die Gebäude an der Hasenäckerstraße in Erbach werden in den kommenden Monaten erneut saniert. Dann sollen sie als städtischer Wohnraum verfügbar gemacht werden. FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. In der Erbacher Hasenäckerstraße wurden für Flüchtlinge Wohnungen restauriert. Da diese jetzt nicht mehr benötigt werden, will die Stadt sie nun auch für sozial Schwache zur Verfügung stellen. Zuvor müssen sie erneut saniert werden. Von Thorsten Wolf

Kaum ein anderes Thema beherrschte Deutschland im Jahr 2015 so sehr wie die Situation der Flüchtlinge, die damals vor allem über die so genannte „Balkan-Route“ ins Land kamen. Plötzlich musste Aufnahmeraum für einige hunderttausend Menschen geschaffen werden. Die Kommunen regelten die Unterbringung nach der Erstaufnahme in eigener Regie, mal in Sammelunterkünften, mal in kommunalem oder durch die Kommune angemieteten Wohnraum.


In Homburg setzte man auf beides, zum einen wurde auf dem Gelände des ehemaligen Freibades ein großes Zelt für Einzel-Flüchtlinge errichtet, zusätzlich mietete man Wohnraum für Familien an – und sanierte zudem weitere Unterbringungsmöglichkeiten. So auch drei stadteigene Wohnblöcke mit insgesamt 18 Wohnungen an der Hasenäckerstraße in Erbach. Seit dem Jahr 2015 hat sich nun einiges verändert, der Zustrom von Flüchtlingen hat deutlich abgenommen. Zudem endet mit der Anerkennung des Asylanspruchs auch die so genannte Residenzpflicht. In der Folge haben zahlreiche Flüchtlinge Homburg auch verlassen.

Da stellt sich die Frage, wie es gegenwärtig mit dem zur Verfügung gestellten Wohnraum aussieht, eben auch in der Hasenäckerstraße. Dort ist aktuell nur eine Wohnung bewohnt, die anderen stehen leer. Sechs von ihnen werden derzeit wieder saniert, nachdem die drei Blöcke schon vor dem Erstbezug durch Flüchtlinge im Jahr 2015 einfach instand gesetzt worden waren.



Zum Hintergrund: Eigentlich sollten diese drei Blöcke, nach einem weitgehendem Leerstand über Jahre hinweg, abgerissen werden. Mit finanzieller Förderung des Landes wurden die 18 Wohnungen aber einfach wieder hergerichtet – auch um den damals prognostizierten, weiterhin hohen Flüchtlingsgzahlen gerecht zu werden.

Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff: „Vorgesehen war eine Komplettsanierung in einem mittleren Standard, die im September 2015 beschlossen und anschließend durchgeführt wurde. Jede Wohnung bekam eine neue Elektrik, es wurde neu tapeziert und neu gestrichen, die Böden wurden mit PVC belegt, ein einfaches Bad und eine einfache Küchenzeile wurden installiert. Die Türen wurden ersetzt, die Fenster repariert. Im Keller einer jeden Hausnummer gibt es zudem Gemeinschaftswaschmaschinen.“ Anfang 2016 seien die Wohnungen dann bezugsfertig gewesen. „Die Belegung der Wohnungen erfolgte teilweise mit Familien und Einzelpersonen, so waren teilweise auch sechs bis acht Personen pro Wohnung untergebracht.“

Nun, weniger als zwei Jahre später, scheint sich die Sanierungsbedürftigkeit wiederholt zu haben. Und diese Notwendigkeit scheint auch einen Teil des gegenwärtigen Leerstands zu begründen, „weil einige Wohnungen nach Ihrer Belegung mit Schimmel behaftet waren“, so Kruthoff. Die Stadt sieht die Gründe dafür im falschen Nutzerverhalten der Bewohner, bei dem „unter anderem auch Wäsche auf den Heizkörpern getrocknet und nicht oder zu wenig gelüftet wurde“. Dies habe zur Schimmelbildung geführt. Von einer eigenen Verantwortung will man im Rathaus nichts wissen und weißt den Vorwurf einer dann doch zu einfachen und zu zügigen Sanierung zurück. Kruthoff: „Nach Auskunft unserer Fachleute und auch von Gutachtern ist den ausführenden Betrieben und auch den Planern bei der damaligen Sanierung kein Vorwurf zu machen. Auch wenn bei einigen der Gedanke aufgrund der schnellen Sanierung und raschen Belegung der Wohnung naheliegend ist, wäre es nach Ansicht unserer Fachleute falsch, hier die Ursachen zu suchen.“ Diese Formulierung könnte man allerdings im Umkehrschluss auch so interpretieren, dass man nach anderen Gründen gar nicht erst gesucht hat.

Unabhängig von den Ursachen für die erneute Sanierungsbedürftigkeit werden die Wohnungen nun erneut in Stand gesetzt, diesmal allerdings von Mitarbeitern des Hochbaus der Stadt selbst. „Da die Kollegen diese Aufgabe allerdings immer nur dann wahrnehmen können, wenn ihnen teilweise wichtigere Aufgaben dafür Zeit lassen, wird es voraussichtlich noch bis Ende des Jahres dauern, bis im Gebäude mit der Hausnummer 63 die sechs Wohnung fertig sind“, erläuterte Kruthoff. Bei diesen Arbeiten, die sich deutlich günstiger gestalteten als die Sanierung im Jahr 2015, würden jetzt die Elektroleitungen unter den Putz verlegt, dazu werde neu verputzt und gestrichen. „Auch wird der Bereich vom obersten Geschoss zum Dachboden gedämmt. Dies war vorher nicht der Fall.“ Geht es nach Plan, dann sollen Anfang des nächsten Jahres die Wohnungen mit der Hausnummer 65 und sechs bis neun Monate später die Wohnungen in Haus 67 folgen. Wichtig für den Homburger Wohnungsmarkt: „Die Wohnungen können künftig nicht nur für Geflüchtete bereit gestellt werden, sondern sollen auch mit Menschen belegt werden, die einen erschwerten Zugang zum regulären Wohnungsmarkt haben. Dieses Vorgehen ist inzwischen abgesichert“, so Kruthoff.