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Spielerisch die Welt der Römer entdecken

Hier können sie sich ganz wie die alten Römer fühlen: Die Kinder im Römermuseum lernen unter anderem Filzen und Töpfern. Foto: Felix Lampert
Hier können sie sich ganz wie die alten Römer fühlen: Die Kinder im Römermuseum lernen unter anderem Filzen und Töpfern. Foto: Felix Lampert FOTO: Felix Lampert
Schwarzenacker. Langeweile kennen die Kinder in Schwarzenacker auch in den Ferien nicht. Denn hier bietet das Römermuseum während der Ferienzeit eine Vielzahl von Aktivitäten an. Kinder von acht bis zwölf Jahren können in die Welt des alten Roms eintauchen und lernen, wie die Menschen der Antike gelebt haben. Felix Lampert

Es ist ein altbekanntes Phänomen: Die Kinder sehnen an den letzten Schultagen nichts mehr herbei als die Ferien. Sind jedoch erst einmal zwei, drei Wochen dieser sommerlichen Freizeit ins Land gezogen, kommt schnell Langeweile auf. Da trifft es sich gut, dass das Römermuseum in Schwarzenacker diesem Trott entgegenwirken kann. Denn das Museum bietet mit seinem Ferienprogramm für Kinder von acht bis zwölf Jahren einige interessante Aktivitäten. So kann der Nachwuchs zum Beispiel in die Welt des alten Roms eintauchen und neben der Rechen- und Schreib- auch die Töpfer- und Filzkunst der Römer erlernen, was an diesem Dienstag auf der Tagesordnung stand.


Der Andrang ist groß, als sich 32 Kinder im Außenbereich des Museums versammeln und auf die Begrüßung warten. "Wir sind mit der Teilnehmerzahl sehr zufrieden", sagt Annelise Lehmann, die gemeinsam mit Renate Dilly-Liefke, Heike Müller und Ulrike Praschmo diesen Teil des Programms leitet. Mehr als diese Anzahl sei auch vom Personal her nicht machbar. Mit den Worten "Antreten zur Zeitreise" schickt Dilly-Liefke die kleinen Gäste durch ein schwarzes Tor in die Überreste einer römischen Stadt von vor mehr als 2000 Jahren. Sie erklärt, dass die Gallier damals von den Germanen aus der Stadt verjagt wurden. Damit alle standesgemäß gekleidet sind, gibt es für jeden der Anwesenden zudem eine Tunika.

Statt brotloser Theorie stehen den vier Verantwortlichen praktische Inhalte im Vordergrund. "Die Kinder", bemerkt Lehmann, "sollen spielerisch die Römerwelt kennenlernen. Es ist eine Art der Heimatkunde." Die Kinder werden in zwei Gruppen unterteilt, um eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Die eine Hälfte startet mit dem Filzen, die andere mit dem Töpfern, bevor später getauscht wird. Heike Müller, die seit 2008 im Römermuseum aktiv ist, achtet bei diesen Gruppenarbeiten immer darauf, "dass die verschiedenen Schritte eingehalten werden, niemand hinten runter fällt und jeder mitkommt". Genau das funktioniert reibungslos. Die Teilnehmer kneten unter der Anleitung von Lehmann und Müller mit Feuereifer den Ton und formen mithilfe von Schablonen Figuren.

Nebenan beim Filzen sind schon einige "alte Hasen" am Werk. Die meisten haben bereits Erfahrungen mit der Wolle gemacht, die durch Feuchtigkeit und Wärme bei gleichzeitigen Reiben gefilzt wird. Dementsprechend gestalten die Kinder mit Leichtigkeit tellergroße Kreise, die in der Folge zu Beuteln zusammengebunden werden. Der neunjährigen Marie gefällt es, "mit Naturprodukten zu arbeiten". Dieser Enthusiasmus findet sich ebenso in den Augen von Ulrike Praschmo wieder, der vierten Leiterin im Bunde, die mit Dilly-Liefke das Töpfern überwacht. "Diese Aktionen machen Spaß, weil die Beschäftigung mit den Kindern so vielfältig ist", beschreibt sie. Darüber hinaus spricht sie die Besonderheit der "Wiederholungstäter" an. Für viele ist es nicht die erste Visite im Römermuseum . "Es gibt Kinder, die kommen drei Jahre hintereinander zu uns", macht Lehmann deutlich. Das Konzept kommt bei den Jungen und Mädchen so gut an, dass der ein oder andere die Altersgrenze von zwölf Jahren bedauert, wenn sie diese im kommenden Jahr überschritten haben und nicht mehr das Ferienprogramm in Schwarzenacker besuchen können.

Die Offerte des Museums zieht nicht nur einheimische Nachkömmlinge an. Jonas, der aus der Schweiz kommt und in der Nähe von Schaffhausen wohnt, verbringt mit seinen Eltern einen Campingurlaub im Saarland. "Ich finde es klasse, sich in die Zeit damals zurückzuversetzen", räumt der Elfjährige ein.



Die Ferien und somit auch das Programm des Römermuseums neigen sich allmählich dem Ende zu. Die Lust der Kinder auf die Schule steigt dadurch nicht unbedingt, aber die Möglichkeit, in zwölf Monaten wieder in die alten Teile der Stadt einziehen zu können, ruft bei den kleinen Römern ein Gefühl der gespannten Erwartung hervor. Nicht zuletzt dann, wenn zu Hause einmal wieder richtig Langeweile herrscht.