| 21:04 Uhr

SPD und CDU besorgt über das starke Abschneiden der AfD

 Linda Barth beim Auszählen im Homburger Rathaus. Foto: Th. Wolf
Linda Barth beim Auszählen im Homburger Rathaus. Foto: Th. Wolf FOTO: Th. Wolf
Homburg. Politiker aus Stadt und Kreis haben nach der Landtagswahl ihre Ergebnisse eingeordnet. Eine große Rolle spielten die Bedenken der Wähler vor Rot-Rot. Ulrike Stumm,Thorsten Wolf

Wieso, weshalb, warum? So beginnen nicht nur Sendungen oder Bücher für Kinder, mit diesen Fragen schlagen sich auch die Politiker der saarländischen Parteien auf allen Ebenen herum - im Positiven wie im Negativen.


Enttäuschung war am Wahlabend das Wort, das bei der SPD angesichts ihres Abschneidens schnell fiel. Stefan Pauluhn, Vorsitzender der SPD-Fraktion im saarländischen Landtag und Kreisvorsitzender der SPD Saarpfalz, lieferte Erklärungen. Viele Menschen hätten starke Bedenken gehabt vor einem Bündnis der Sozialdemokraten mit der Linkspartei. Dies habe er im gesamten Saarpfalz-Kreis so beobachtet. Die Faktoren "abschreckender Oskar Lafontaine" und Zustimmung für Annegret Kramp-Karrenbauer hätten den Ausschlag gegeben. Zudem seien Stimmen aus der Gruppe der bisherigen Nichtwähler überwiegend an die CDU gegangen.

Sorgen macht sich Pauluhn wegen der AfD, die im Kreis mit 7,3 Prozent über dem Landesschnitt (6,2) lag, in Homburg (8,7) ihr bestes Ergebnis aller Saar-Kommunen einfuhr. In Reinheim, Heimatgemeinde des AfD-Kandidaten und künftigen Landtagsmitgliedes Lutz Hecker lag sie sogar bei über elf Prozent. Pauluhns Prognose: Er habe viele Parteien kommen und gehen sehen. "Ich bin noch jung genug, um auch die AfD wieder gehen zu sehen."



Kirkels Bürgermeister Frank John (SPD) führte zwei Gründe dafür an, dass selbst in seiner bislang eher SPD-dominierten Gemeinde die CDU die Wahl für sich entscheiden konnte - und bestätigte damit die Einschätzung Pauluhns. "Die CDU hat ihren Wahlkampf sehr auf die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer fokussiert." Diese habe persönlich bei den Wählern positiv punkten können. Auch er machte in zahlreichen Gesprächen mit Bürgern vor der Wahl Ängste vor einer rot-roten Regierung aus.

Homburgs SPD-Fraktionschef Gerhard Wagner gestand, dass er bei allem Realismus im Vorfeld nicht mit einem so großen Abstand zwischen CDU und SPD gerechnet habe. "Erfreulich ist, dass die Grünen draußen sind", machte er deutlich. Zufriedenstellend sei das Ergebnis der SPD zwar nicht, aber auch "kein Weltuntergang". "Irgendwelche Dinge in Homburg" hätten sich jedenfalls nicht auf die Landtagswahl ausgewirkt. "Wir liegen im Trend", so Wagner zu den 27,6 Prozent für die SPD in der Stadt (Landesweit: 29,6) . Die Linken hätten ebenfalls verloren. Was auch ihm Sorgen bereitet: das starke Abschneiden der AfD gerade in Homburg.

Barbara Spaniol, Fraktionssprecherin im Stadtrat und Homburger Landtagsabgeordnete, hatte bereits am Wahlabend darauf verwiesen, dass die Linken im Saarland deutlich über dem Bundestrend liegen und viermal stärker seien als in Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg. "Das haben wir Oskar Lafontaine zu verdanken", so Spaniol.

Yvette Stoppiera-Wiebelt, Vorsitzende der Grünen im Homburger Stadtrat, zeigte sich vom Saarland-Ergebnis ihrer Partei "klar enttäuscht", verwies aber auf das Abschneiden in Homburg, wo die Grünen auf 5,1 Prozent kamen. Sie gehe davon aus, dass dieses gute Ergebnis gegen den Landestrend an den hiesigen Grünen gelegen habe, und "weil wir in Homburg verlässliche Arbeit machen".

Während die einen ihre Niederlage erklärten, herrschte bei den anderen Partylaune. "Die CDU Saarpfalz hat ihr Wahlziel erreicht. Wir sind klar die stärkste politische Kraft. Mit über zwölf Prozent haben wir den Abstand zur SPD mehr als verdoppelt. Es freut uns besonders, dass wir in allen Gemeinden als Sieger durchs Ziel gegangen sind", machte gestern der Kreisvorsitzende der CDU Saarpfalz, Stephan Toscani, deutlich. Auch er bezog Stellung zum Abschneiden der AfD im Kreis. Dies könne "nicht auf eine auf Anhieb erkennbare einzige Ursache zurückgeführt werden". Es bedürfe hier tiefer gehender Analysen.

Freude gab's auch schon bei der Wahlparty der CDU am Sonntagabend im Hotel Stadt Homburg, etwa bei Michael Forster, Fraktionssprecher der CDU im Homburger Stadtrat und Stadtverbandsvorsitzender der Christdemokraten. Als Gründe für den Erfolg nannte Forster, dass es gelungen sei, die Menschen zur Wahl zu mobilisieren, "auch die eigenen Leute". Dass sich nun in Saarbrücken in Sachen Regierung nichts ändere, nannte Forster "gut, denn die große Koalition hat hervorragende Arbeit geleistet, die auch für Homburg gut war".

Erwartet habe er schon, so der scheidende CDU-Landtagsabgeordnete Christian Gläser, dass die CDU deutlich stärkste Fraktion im Landtag werde, "in dieser Spitze aber nicht, ich habe nicht geglaubt, dass wir über 40 Prozent kommen". Die SPD nannte er "etwas selbstbetrunken von diesem ,Schulz-Zug'". Gespräche im Vorfeld des Wahlabends hätten gezeigt, dass "die Leute die Annegret wollen. Auch Klaus Bouillon fanden sie gut. Aber vor allem wollten sie Lafontaine nicht haben".

Zum Thema:

ORTSTEIL-ERGEBNISSE WENIG AUSSAGEKRÄFTIG Nach Landtags- und Bundestagswahlen hat die SZ bislang die Ergebnisse nach Stadt- und Ortsteilen aufgegliedert dargestellt. Das ist aber wegen der steigenden Zahl der Briefwähler nur noch wenig aussagekräftig. Denn: Briefwahlstimmen werden nicht Stadtteilen oder Dörfern zugeordnet. So wird etwa bei der Wahlbeteiligung ein viel zu niedriger Wert ausgewiesen. Deshalb beschränken wir uns auf die Veröffentlichung der Stadt- und Gemeindeergebnisse. Bei den Kommunalwahlen werden selbstverständlich weiterhin die Ortsratswahl-Ergebnisse veröffentlicht.