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Siebenpfeiffer-Gedenktag
Siebenpfeiffer-Bankett mit Prantl

Am Rande des Siebenpfeiffer-Banketts nutzte Festredner Heribert Prantl (links) die Möglichkeit zum Gespräch mit Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo und dessen Vorgänger Clemens Lindemann (rechts).
Am Rande des Siebenpfeiffer-Banketts nutzte Festredner Heribert Prantl (links) die Möglichkeit zum Gespräch mit Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo und dessen Vorgänger Clemens Lindemann (rechts). FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. „Journalismus – Zwischen Morgen und Grauen, vom Wert der Pressefreiheit“ war das Thema, das der Journalist Heribert Prantl gewählt hatte, um damit auch die zentrale Botschaft des Hambacher Festes von 1832 aufzugreifen. Von Thorsten Wolf

Das Festbankett zu Ehren des Demokratie-Vorkämpfers Philipp Jacob Siebenpfeiffer gestern im Homburger Forum war eines der großen Worte. Das mochte allerdings nicht wirklich verwundern, hatte die Siebenpfeiffer-Stiftung doch Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, dort früherer Chef des Ressorts Innenpolitik und seit Januar verantwortlich für das neue „Meinungsressort“ als Festredner eingeladen. Als Siebenpfeiffer-Preisträger des Jahres 1999 verwandelte Prantl seinen Festvortrag zu einem klaren Bekenntnis für die freie Presse als Grundpfeiler der Demokratie, der Freiheit und des Rechtsstaates. Dies tat er eben mit großen Worten, aber nicht im Stile einer wohlfeilen Schaufenster-Präsentation. Rund eine Stunde ließ er sich Zeit, um den Bogen zu spannen von Siebenpfeiffer bis hin zu Wulff, von der Spiegel/Strauß-Affäre bis hin zur Wandlung des Journalismus in Zeiten des Internet und neuer Medien.


Ganz an den Anfang seiner Rede unter dem Titel „Journalismus – Zwischen Morgen und Grauen, vom Wert der Pressefreiheit“ stellte Prantl dabei die zentrale Botschaft des Hambacher Festes im Jahr 1832, mit einem Rückgriff natürlich auf Siebenpfeiffer. Mit dessen Worten nannte er die freie Presse das „tägliche Brot der Demokratie“. Doch was macht eine freie Presse, einen guten Journalisten und guten Journalismus tatsächlich aus?

Diese Frage stellte Prantl den 190 geladenen Gästen des Festbanketts immer wieder. Und immer wieder lieferte er seine Antworten. „Was ist das Besondere, was ist das Erkennungszeichen, was ist das Unverwechselbare an einem guten Jouralismus? Was zeichnet ihn aus, was zeichnet ihn so aus, dass er ein eigenes Grundrecht wirklich verdient?“ Von dort aus skizzierte Prantl in vielen Facetten das Bild eines Journalismus, dem es nicht darum gehen dürfe, sich selbst zu dienen, sich an sich selbst zu befriedigen.



Vielmehr müsse es darum gehen, „aufklärerisch, souverän und integer“ zu sein. Als korrespondierende Marksteine der Gegensätzlichkeit beschrieb Prantl hier die Spiegel/Strauß-Affäre aus dem Jahr 1962 als beispielhaft für das positive Zusammenwirken von Öffentlichkeit und Medien zum Schutz der Demokratie – und die Rolle der Medien rund um den Rücktritt des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff rund 50 Jahre später sehr kritisch auch mit der Formulierung „die Meute will die Beute“.

Prantl machte auch deutlich, dass gerade das Aufdecken von Skandalen nur die Hälfte dessen sei, was für ihn guten Journalismus ausmache. Für ihn gehe es auch um das Dranbleiben an solchen Geschichten über den strahlenden Moment der Entdeckung hinaus. „Wenn der Journalismus bei der Aufdeckung stehen bleibt, dann macht er nur die halbe Arbeit. Die Aufdeckung von Skandalen hat oft Krisen zur Folge. Aber nicht die Krise ist gefährlich, gefährlich ist das Versagen bei der Aufarbeitung und Bewältigung. Guter Jouranlismus geht deswegen über das Aufdecken hinaus, er ist Moderator und Motor für Veränderungen, die die aufgedeckten Missstände abstellen, das ist so wichtig wie das Aufdecken, das ist Pressefreiheit.“

Aber, so Prantl weiter: „Aufdeckung ist nicht Selbstzweck. Pressefreiheit ist nicht dafür da, den Journalisten lust- und machtvolle Gefühle und Journalistenpreise zu verschaffen. Pressefreiheit ist nicht das Recht zur Selbstermächtung. Pressefreiheit ist für die Demokratie da.“ So sei es nicht Aufgabe der Medien, einen Rücktritt zu erzwingen, „der Rücktritt ist nicht die den Medien zustehende Bestätigung für die Aufdeckung einer echten oder angeblichen Affäre. Und das Ausbleiben eines heftig geforderten Rücktritts ist kein Angriff auf die Freiheit der Presse.“ Grundsätzlich seien Jouranlisten „Arbeiter für die Demokratie“, als solcher sei Siebenpfeiffer hier der Erste gewesen.

Dessen historischer Nachfolger Theophil Gallo, Saarpfalz-Landrat und Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung, nutzte, noch vor Prantls Plädoyer für guten Journalismus, den gestrigen Vormittag neben einem Rückblick auf Siebenpfeiffers Wirken auch dazu, auf die aktuellen Diskussionen rund um die Zukunft der Landkreise zu verweisen.

Hier verteidigte Gallo das in der vergangenen Wochen vorgestellte Strategie-Papier des saarländischen Landkreistages, das eine Verlagerung von Kompetenzen aus den Kommunen an die Kreise gefordert hatte (wir berichteten).