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Theater
Shakespeare-Werk grandios gemeistert

Schlussaufstellung der Mitwirkenden nach einer grandiosen Theater-Vorstellung am Johanneum.
Schlussaufstellung der Mitwirkenden nach einer grandiosen Theater-Vorstellung am Johanneum. FOTO: Cordula von Waldow
Homburg. Mit „Viel Lärm um Nichts“ spielten sich die Schauspieltalente des Homburger Johanneums in die Herzen der Zuschauer.

.  „Es ist eine Premiere in vielfacher Hinsicht“, kündigt ein
sichtlich mit Lampenfieber behafteter Christian Linn die erste Vorstellung von „Much Ado About Nothing“ (Viel Lärm um Nichts) am Freitagabend in der ausverkauften Aula des Gymnasiums Johanneum in Homburg an. Erst vor einem halben Jahr hat der Lehrer die Theaterwerkstatt Johanneum übernommen. Bereits bei seinem Vorgänger, Manfred Gantner, der das Seminarfach Darstellendes Spiel über 30 Jahre lang geleitet hat, hatten die Zwölftklässler mit dem Einstudieren der von ihnen individuell gestalteten Komödie begonnen. Zum ersten Mal trauten sich die 18 Schüler des Johanneums an ein Werk von William Shakespeare heran und für Linn war es sein Debut als Regisseur und Produzent. „Wir hoffen, dass ‚viel Lärm um Nichts‘ der Titel bleibt und nicht zum Motto des Abends wird“, wünschte der Pädagoge den mehr als 300 gespannten Zuschauern viel Freude mit der Aufführung.


Um es vorweg zu nehmen: Die Schüler begannen brillant und wuchsen im Laufe der fast dreistündigen Vorstellung noch einmal deutlich über sich hinaus. Das Improvisationstalent, das sie bereits bei der Umgestaltung des Stücks im Vorfeld bewiesen hatten, indem sie die stark erkältete Amelie Kunz kurzerhand ihre Rolle als stumme Zofe Margaret spielen ließen, zeigten sie auch während der Vorstellung. Dass es bei diesem langen Stück mit dem erheblichen Textvolumen in der für unsere Zeit anstrengenden Sprache zu so wenigen „Hängern“ kam, ist eine grandiose Leistung, die dazu mit großem Geschick und viel Humor aufgefangen wurde – sofern das Publikum sie überhaupt bemerkte. Durchweg bewiesen die Darsteller großes schauspielerisches Talent. Den Schülern war deutlich anzumerken, dass sie sich mit ihren Rollen identifizieren, so gut füllten sie die einzelnen Charaktere aus. Mit selbst erdachten Kostümen und moderner Musik sowie teilweise modernen sprachlichen Anpassungen gestalteten sie ihre ganz eigene Aufführung authentisch mit sichtlicher Begeisterung, die sich auf ihr Publikum übertrug.

Diese Komödie über viele unterschiedliche Facetten der Liebe und Intrige schrieb William Shakespeare, ganz dem damaligen Zeitgeist der Rennaissance entsprechend, 1598/99. Die beiden Helden, Claudio und Benedikt, sind von ihrem Feldzug zurückgekehrt und Liebe liegt in der Luft. Der florentinische Graf Claudio (enorm wandlungsfähig: Hanna Retz) interessiert sich vor allem für Heros (charaktervoll: Leonie Reiter) Erbschaft als Tochter von Leonato (eindrucksvoll: Manuel Andor), dem Gouverneur von Messina. Benedikt (facettenreich: Jonas Lißmann), Aristokrat aus Padua, und Leonardos Nichte Beatrice (herrlich ironisch: Ann-Christin Alt), erliegen durch ihre intelligenten bis bösartigen verbalen Spitzfindigkeiten nicht der konventionellen Augenliebe, sondern finden sich erst nach Einmischungen der übrigen Figuren. Besonders hervorstechend ist das Spiel mit dem Sein und dem Schein, etwa durch die Intrige gegen Hero, inszeniert von Don John (herrlich bösartig: Siriphapha Müller), Halbbruder von Don Pedro, Prinz von Aragonien, höchst ausdrucksstark in sich wandelnden Facetten dargestellt von Flavia Leonhardt.

Ob „betrunken“, wie Paula Heib als Don Johns Bruder Conrad, theatralisch wie Benedikt und Beatrice in ihrer Hass-Liebe bis hin zur Ohnmacht zutiefst getroffen wie die der Untreue beschuldigte Hero oder frech und selbstbewusst agierende Jana Riebes als Don Johns Begleiter Boracio - die Schüler erweckten jede ihrer Rollen mit viel Einfühlungsvermögen und großem Verständnis für die jeweiligen Charaktere zu einem ganz eigenen Leben.
Ein strahlender Christian Linn bedankte sich am Ende für das enorme Engagement der jungen Erwachsenen. Die zahlreichen Überstunden, sogar mit Probentagen in den Weihnachtsferien, hatten sich gelohnt: Die erste Shakespeare-Aufführung im Johanneum war ein voller Erfolg und auch der Samstag ausverkauft. „Großartig, die Mimik, die Begeisterung der Schüler“, ließen sich Hanne und Fredi Zingelmann aus Neunkirchen mitreißen. Sie waren Bekannte von Siriphapha Müllers Eltern und sichtlich beeindruckt von der enormen Leistung der Schüler. Auch Andrea Simon, Mutter des Ersten Wachmanns Nils Simon, war höchst angetan von dem anspruchsvollen Stück, das auch den Zuschauern einige Konzentration abverlangte. Sie fand die einzelnen Rollen „sehr gut besetzt“.

(cvw)