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Gedenktafel
Eine Gedenktafel erinnert an die Übergriffe auf Internatsschüler

Am Freitag wurde der „Gedenkort Johanneum“ offiziell vorgestellt. Es erfolgte auch eine offizielle Entschuldigung.
Am Freitag wurde der „Gedenkort Johanneum“ offiziell vorgestellt. Es erfolgte auch eine offizielle Entschuldigung. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Es war ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Johanneums. Gestern erfolgte die erlösende Entschuldigung, auf die die Betroffenen deutlich bewegt reagierten. Von Thorsten Wolf

„Der Orden der Herz-Jesu-Missionare bittet um Vergebung.“ Als Pater Ludger Holtmann am Freitagmorgen diese Worte sprach, da brachen Betroffene und ihre Angehörigen in Tränen aus. Für sie bedeuteten die Worte des Provinizialrates des Hiltruper Ordens endlich auch die öffentliche Wahrnehmung und ein Schuldeingeständnis für das, was ihnen in den 1970er und 1980er Jahren am früheren Internat des Johanneums wiederfahren ist.


„In der Vergangenheit wurden im Internat der Herz-Jesu-Missionare Jungen wiederholt von Angehörigen des Ordens sexuell missbraucht. Die Opfer haben damals keinen ausreichenden Schutz erfahren“, sagte Holtmann – und zitierte so auch einen Satz, der sich nun auf einer kleinen Tafel am Gebäude des früheren Internats findet. Dort stehen von der Schule selbst geschaffene Gedenksteine, die mahnen sollen.

Dass man sich nun am Gymnasium Johanneum an die schrecklicken Vorfälle ganz offiziell erinnert, ist dem Einsatz des Initiativkreises „Gedenkort am Johanneum“ zu verdanken, der seinerseits am Freitag mit einem besonderen Sitzmöbel eine eigene Gedenkstelle vorstellte und diese der Schule schenkte. Oliver Schales, seit August Schulleiter am Johanneum, dankte in seinen Worten an die Schülerinnen, Schüler, Lehrer, Eltern und vor allem auch an die anwesenden Betroffenen, dem Initiativkreis, der mit seinem Engagement einen Anstoß gegeben habe.



„Wir haben als Schulgemeinschaft des Johanneums diese Initiative der ehemaligen Schüler an- und aufgenommen. Wir haben den pädagogischen Auftrag im Johanneum angenommen – hier und jetzt für Gegenart und Zukunft, im Sinne auch der Anerkennung der Schulgeschichte des Johanneums. Und wir werden im Sinne der Prävention den ‚Gedenkort Johanneum‘ umsetzen. Das versprechen wir!“

Für den Initiativkreis erinnerte Michael Hackert an die Anfänge des Engagements vor 17 Monaten – und auch an die Schwierigkeiten, bei der Schule zu früherer Zeit offene Ohren für den Gedenkort zu finden. Hier dankte Hackert ausdrücklich dem neuen Schulleiter Oliver Schales. „Danke, dass Sie, seit Sie da sind, das Staffelholz aufgenommen, die Zeichen der Zeit erkannt und auf professionelle Weise diesen Prozess in den vergangenen sechs Wochen moderiert haben.“ Hackert erinnerte auch an eine Impuls-Mail, die man im Mai 2017 an alle Lehrerinnen und Lehrer geschickt habe. Diese sei unbeantwortet geblieben. „Wir haben zehn Monate später nachgehakt und sind abgewiesen worden. Nach dem Wechsel der Schulleitung gab es dann aber einen anderen Wind.“

Der hat nun zum „Gedenkort Johanneum geführt. Vor diesem Hintergrund verdeutlichte Hackert, dass es die beste Prävention sei, eine „Kultur der gegenseitigen Fürsorge“ zu schaffen, „damit auch Jungen die Möglichkeit haben, sich Hilfe zu holen.“