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Gegen Engpässe in der Pflege
Schwestern und Pfleger stehen bereit

Krankenschwester oder- pfleger ist ein schöner Beruf, allerdings hat sein Ansehen wegen der hoher Belastung am Arbeitsplatz gelitten. Dem soll nun abgeholfen werden. Ein erster Schritt wird ein Mitarbeiterpool sein, damit Kollegen nicht mehr aus ihrem Dienstfrei geholt werden müssen, um einzuspringen..
Krankenschwester oder- pfleger ist ein schöner Beruf, allerdings hat sein Ansehen wegen der hoher Belastung am Arbeitsplatz gelitten. Dem soll nun abgeholfen werden. Ein erster Schritt wird ein Mitarbeiterpool sein, damit Kollegen nicht mehr aus ihrem Dienstfrei geholt werden müssen, um einzuspringen.. FOTO: Sebastian Widmann / picture alliance / dpa
Homburg. Staatssekretär Kolling bringt mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 300 000 Euro einen Mitarbeiterpool für Pflegekräfte in der Chirurgie auf den Weg. Künftig soll es keine Engpässe in der Pflege mehr geben. Von Christine Maack

Es gibt Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und viele andere Modelle, die für Büroangestellte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfacher machen.



Aber wie soll Homeoffice für Krankenschwestern funktionieren? Zu Hause sitzen und den Patienten übers Internet gute Ratschläge übermitteln? Also musste für die Pflegekräfte des Uniklinikums eine andere Lösung gefunden werden - in Form eines Mitarbeiterpools. „Wir haben schon lange für einen solchen Pflege-Pool gekämpft“, betont die Personalratsvorsitzende am Uniklinikum, Helene Rauber, „nun gibt es ihn endlich.“

Und, wie nun anlässlich der Vorstellung des ersten Mitarbeiterpools an einem saarländischen Krankenhaus betont wurde, sind auch alle zufrieden damit. Allen voran die Leitung des Uniklinikums, der kaufmännische Direktor Ulrich Kerle und der Pflegedirektor Wolfgang Klein, denn sie sind die ersten, denen die Probleme auf die Füße fallen,  wenn nicht genügend Pflegepersonal vorhanden ist. Dies soll nun nicht mehr vorkommen, denn ab April stehen sechs flexible Pflegekräfte zur Verfügung, die dort eingeteilt werden, wo sich innerhalb der chirurgischen Abteilung eine personelle Lücke auftut.

Wegen Erkrankung des Pflegepersonals mussten in der Vergangenheit schon ganze Abteilungen am Uniklinikum geschlossen werden. Oder Operationen mussten abgesagt werden, was für die Patienten jedesmal besonders ärgerlich war,  denn sie hatten sich schon auf die Operation eingestellt und wurden dann wieder ausgeladen.  „Das alles soll mit der neuen Lösung nicht mehr vorkommen“, betonte Staatssekretär Stephan Kolling aus dem Saar-Gesundheitsministerium.

Er hatte die Pool-Lösung mit einer Anschubfinanzierung des Landes in Höhe von 300 000 Euro auf den Weg gebracht und sieht darin auch einen Neuanfang für die Umgestaltung der Pflege ganz allgemein: „Wir müssen den Beruf wieder für junge Leute attraktiv machen. Dazu gehört, Arbeitsprozesse zu flexibilisieren, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich ist.“ Krankenpflege sei ein wunderbarer Beruf, der viele junge Leute anspreche, „aber er ist kaputtgeredet worden. Wir brauchen aber junges, engagiertes Pflegepersonal. Das bekommen wir nur, wenn wir etwas dafür tun“, betonte Kolling.

Der kaufmännische Direktor, Ulrich Kerle, bedankte sich für die Finanzspritze aus dem Ministerium, und gab dazu einen kleinen Einblick in die Summen, mit denen  ein Uniklinikum insgesamt umgehen muss: Da fallen allein 270 Millionen Euro an Personalkosten an, mit denen rund 3800 Vollzeitpflegekräfte bezahlt werden, „direkt am Bett“ arbeiteten davon 1150 Krankenschwestern- und pfleger, rund 700 seien im medizinisch-technischen Bereich und 500 im Funktionsbereich tätig.

Da freue man sich über 300 000 Euro, „doch sollte nicht übersehen werden, dass die personalintensive Pflege an einem Universitätsklinikum in die dreistelligen Millionenbeträge geht“, betonte Kerle. Pflegedirektor Wolfgang Klein sieht in dem neuen Mitarbeiterpool den Vorteil, „dass wir jetzt Planungssicherheit haben.“ In der chirurgischen Abteilung wüssten die Kollegen  künftig, „dass immer jemand verfügbar ist“. Pflegekräfte müssten nicht mehr aus dem Dienstfrei geholt werden, um einzuspringen.

Die Schwestern und Pfleger, die sich für eine Tätigkeit im Mitarbeiterpool entscheiden, bekommen festgelegte Arbeitszeiten und eine Prämie, flexibel sei hingegen ihr Einsatzort innerhalb der Chirurgie, der sich nach der jeweiligen Notwendigkeit richte: „Wir können aber oft schon am Vortag um 14 Uhr sagen, wo man eine Lücke schließen muss,“ so Klein.

Die Tätigkeit im Pool setze voraus, dass sich erfahrene und engagierte Leute dafür meldeten, vor allem auch für die Nachtdienste, für die man Erfahrung brauche, betonte Helene Rauber. Sie selbst sieht die Tätigkeit sehr positiv: „Ich glaube, dass ich mich als junge Frau für den Pool beworben hätte. Ich hätte einerseits feste Zeiten gehabt und andererseits die komplette chirurgische Abteilung als Einsatzort bekommen, das hätte ich spannend gefunden.“

Denkbar seien für junge Mütter zum Beispiel Zeiten zwischen 8 bis 15 Uhr, „wenn die Kinder in der Schule sind“, oder Nachtdienste, „für die es dann Freizeitausgleich gibt, was auch attraktiv ist.“

Im Gesundheitsministerium will man jetzt erst einmal sehen, wie der Pool sich in Homburg bewährt. Dann könnte man dieses Modell saarlandweit einführen, so Staatssekretär Kolling.

Pressekonferenz Uniklinikum Pool
Pressekonferenz Uniklinikum Pool FOTO: Christine Maack