| 20:12 Uhr

Schülerin berichtet von ihrer China-Reise
Eindrücke vom „Reich der Mitte“

Skyline von Shanghai: links der Oriental Pearl Tower, der fünfthöchste Fernsehturm der Welt; ganz rechts der Shanghai Tower, links daneben das World Financial Center.
Skyline von Shanghai: links der Oriental Pearl Tower, der fünfthöchste Fernsehturm der Welt; ganz rechts der Shanghai Tower, links daneben das World Financial Center. FOTO: Jasmin Martin
Homburg/Peking. Jasmin Martin, Schülerin des Saarpfalz-Gymnasiums in Homburg, berichtet im Rahmen des Projektes „Zeitung macht Schule“ über ihre vielschichtigen und außergewöhnlichen Reise-Erlebnisse in China. red/Jasmin Martin

China ist der bevölkerungsreichste Staat der Erde und gilt mit seiner über 5000-jährigen Geschichte als eine der ältesten Zivilisationen der Welt. Es ist ein Land der Superlative mit einer kulturellen und landschaftlichen Vielfalt, deren Faszination wir uns kaum entziehen können. Da mein Opa geschäftlich schon lange dort zu tun hat, wollte er mich einmal mitnehmen in das Reich der Mitte, um auch mich an den überwältigenden Eindrücken teilhaben zu lassen. Das berichtet Jasmin Martin, Schülerin des Saarpfalz-Gymnasiums. Und sie schreibt weiter:  Von Frankfurt aus flogen wir gemeinsam über Abu Dhabi nach Peking. Die chinesische Hauptstadt bietet eine Fülle interessanter historischer Sehenswürdigkeiten. In ihrem Zentrum befindet sich der „Platz des Himmlischen Friedens“ (Tian’anmen-Platz). Mit seinen rund 40 Hektar ist er der größte befestigte Platz der Welt. Noch bis 1911 war er nicht zugänglich, dann wurde er freigegeben und heutzutage nutzt man ihn für wichtige Kundgebungen oder Feierlichkeiten. Im Norden angrenzend befindet sich das „Tor des Himmlischen Friedens“, das auch auf dem chinesischen Staatswappen zu sehen ist. Es ist der Ort, von dem aus Mao Zedong am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausrief, und bildet das Haupteingangstor zur so genannten „Verbotenen Stadt“. Bis zur Revolution 1911 wohnten und regierten hier die Kaiser aus den Ming- und Qing-Dynastien. Damals war für die einfache Bevölkerung dieser Teil der Stadt nicht zugänglich, heute ist er aber eine beliebte Sehenswürdigkeit.


Im Westen des riesigen Platzes steht die „Große Halle des Volkes“, das Regierungsgebäude, das der chinesischen Führung zum Empfang von Staatsgästen und als Veranstaltungsstätte für nationale Feierlichkeiten dient. Ihm gegenüber, also im Osten, liegt das Nationalmuseum. In der Mitte des Platzes wurde das „Denkmal für die Helden des Volkes“ errichtet, um die Opfer der revolutionären Kämpfe im 19. und 20. Jahrhundert zu ehren. An der Südseite des Platzes befindet sich das Grab des ehemaligen Diktators Mao Zedung (1893 - 1976).

Obwohl er ein brutaler Machthaber war, gilt dieser weltbekannte chinesische Revolutionär als einer der einflussreichsten Politiker des 20. Jahrhunderts. Er ist in China heutzutage immer noch gegenwärtig und wird auf den aktuellen Geldscheinen abgebildet.



Natürlich besichtigten wir auch die chinesische Mauer, eine gigantische Grenzbefestigung, die quer durch das ganze Land verläuft.  Ihr Bau begann im siebten Jahrhundert vor Christus, und sie erstreckt sich über eine Gesamtlänge von ungefähr 21 196 Kilometern. Sie ist allerdings nicht mehr vollständig erhalten. Nur die wenigsten Abschnitte befinden sich noch in gutem Zustand. Seit 1987 zählt sie zum Uneco-Weltkulturerbe.

Von Peking fuhren wir dann mit dem Nachtzug weiter nach Xi‘an, einer Stadt mit einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer. Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit ist die Terrakotta-Armee. Sie wurde 221 vor Christus geformt und diente als Grabanlagefür den ersten chinesischen Kaiser. Sie ist eine der weltweit größten Grabbauten und zählt ebenfalls zum Weltkulturerbe. Die Terrakotta-Armee ist besonders faszinierend, weil jede Tonstatue ihr eigenes individuelles Gesicht hat.

Am östlichen Ende der Seidenstraße liegt die Moschee von Xi‘an. Sie ist ein beliebtes Touristenziel und wird noch heute von chinesischen Muslimen als Gebetsort genutzt. Im Gegensatz zu anderen Moscheen ist ihr Baustil ganz chinesisch geprägt, eine Ausnahme bilden einige arabische Kalligraphien.

Von Xi‘an nahmen wir ein Flugzeug nach Shanghai. Diese Finanz- und Industriemetropole ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und gehört zu den größten und modernsten Städten der Welt. Als Kultur- und Bildungszentrum mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Theatern und Museen ist sie auch für Europäer äußerst attraktiv. Ihre beeindruckende Skyline, aber auch die die historische Altstadt bieten unvergessliche Fotomotive. Dort bilden wunderschöne Holzhäuser, kleine Läden, verwinkelte, sehr belebte Gassen und Feng-Shui-Gärten einen starken Kontrast zur Glitzerwelt der Wolkenkratzer.

Neben einer riesigen Menge an kulturellen Sehenswürdigkeiten bietet China auch eine beachtliche Vielfalt in der Flora und Fauna. Das Land beherbergt über 30.000 Pflanzenarten, beispielsweise Bambus, Magnolien oder Kautschuk. Von großen Steppenlandschaften, die von Wanderhirten genutzt werden, bis hin zu Tropenwäldern ist alles Mögliche vorhanden: Gebirge, breite, fruchtbare Flusstäler, Reisfelder, Traumstrände. Daneben gibt es etwa 6.300 Arten von Wirbeltieren, die ungefähr zehn Prozent aller Wirbeltiere der Welt ausmachen, etwa Pandas, oder in der tibetischen Hochebene die Schneeleoparden. Leider spielt das Thema Umweltschutz eine untergeordnete Rolle. Viele Seen und Flüsse sind durch Industrieabwässer verseucht. Zudem müssen wegen der enormen Bevölkerungszunahme die landwirtschaftlichen Nutzflächen für Wohnungsbauten und Industrieprojekte weichen.

Fast jeder ist begeistert von der bunten Vielfalt der chinesischen Küche. Die chinesische Tischkultur unterscheidet sich aber deutlich von der unsrigen: Beim Essen gibt es keine festen Abläufe, die mit unserem Drei-Gänge-Menü vergleichbar wären. Je festlicher der Anlass, desto größer das Essensangebot, und Schmatzen und Schlürfen gilt als Kompliment für den Gastgeber. In gewisser Weise ist China heute  das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Es gibt in China viele deutsche Ingenieure und Geschäftsleute, die hier mit ihrer Familie leben, aber an wirklicher Integration von Ausländern haben die Chinesen offenbar weniger Interesse als wir das von Deutschland her kennen.

Ich selbst habe die Chinesen als hilfsbereite, freundliche und meist bescheidene Menschen kennen gelernt. Vor allem die Jugendlichen suchen gern Kontakt zu Europäern und lassen sich oft mit ihnen fotografieren. Der ständig steigende Lebensstandard und die Modernisierungsbestrebungen versöhnen viele Chinesen sogar mit der Diktatur. Unterwegs staunt man immer wieder über die enormen Menschenmassen und den rasanten Aufbruch, vor allem bei den vielen riesigen Bauprojekten, den modernen Schnellzügen und bei der Digitalisierung. Strenge Kontrollen sind allgegenwärtig, etwa auf Bahnhöfen und an Flughäfen, und nahezu überall trifft man auf Überwachungskameras. China ist zwar ein wunderschönes, inspirierendes Reiseziel, aber längere Zeit dort wohnen und arbeiten möchte ich nicht. Denn ich schätze ich unsere Demokratie und unsere Lebensform.

Jasmin Martin, AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums