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Schüler aus Georgien zurück
Schüler bauen Brücken nach Georgien

Georgien nicht nur im Kopf, sondern auch drumherum: die Schülerinnen Anna, Sophie und Lili (v.l.) mit genau dem Kopfschmuck, der für Frauen in den christlich-orthodoxen Kirchen des Kaukasus-Landes vorgeschrieben ist.
Georgien nicht nur im Kopf, sondern auch drumherum: die Schülerinnen Anna, Sophie und Lili (v.l.) mit genau dem Kopfschmuck, der für Frauen in den christlich-orthodoxen Kirchen des Kaukasus-Landes vorgeschrieben ist. FOTO: Sophie Leiner/Saarpfalz-Gymnasium
Homburg. Das Homburger Saarpfalz-Gymnasium pflegt seit Jahren einen regen Schüleraustausch mit Tiflis. Von Thorsten Wolf

200 Jahre genau ist es her, da wanderten etwas mehr als 2500 Schwaben mit der Genehmigung des russischen Zaren Alexander I. nach Georgien aus. Rund um die Hauptstadt Tiflis entstanden in den Jahren nach 1817 acht Kolonien, die so genannten „Schwabendörfer“. Es gibt also in Georgien eine durchaus namhafte deutsche Tradition. Und die zu pflegen, Grenzen zu überwinden und Brücken zu bauen, das hat sich das Homburger Saarpfalz-Gymnasium schon im Jahre 2001, und damals unter der Führung des früheren Schulleiters Jürgen Helwig, auf die Fahnen geschrieben. Entstanden ist in und mit den Jahren ein reger Austausch, auf georgischer Seite sind die 21. Öffentliche Schule Tiflis, eine Schule mit deutschem Sprachangebot, und die evangelische Gemeinde die Partner.



Regelmäßig kommen georgische Schüler nach Deutschland, genauso regelmäßig besuchen Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums das Land im Kaukasus – so zuletzt im September diesen Jahres. Dieser Austausch hatte dabei diesmal einen ganz besonderen Charakter, nahmen die insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler doch auch an den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum der Einwanderung der Schwaben in Georgien teil. Doch neben diesem offiziellen Teil ging es vor allem um Begegnungen. Genau über die standen die Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit unserer Zeitung dann gestern Rede und Antwort, mit dabei: Schulleiter Jürgen Mathieu, sein Vorgänger Jürgen Helwig und Lehrerin Simone Lukas, am Saarpfalz-Gymnasium verantwortlich für den Schüleraustausch.

In dieser Runde musste dann schon mal die Frage gestellt werden, was einen als jungen Menschen überhaupt in ein solches Austausch-Programm bringt. „Ich hab von Mitschülern, die im vergangenen Jahr in Georgien waren, gehört, dass es da sehr schön war. Im Frühling hab ich dann eine Austauschschülerin aus Georgien aufgenommen und bin dann im September mit nach Georgien“, erzählte Eva Packeiser. Ihre Vorstellung von Georgien und die Realität hätten sich dann schon gedeckt, „natürlich ist einiges unterschiedlich, vieles aber auch gleich“.

Für Evas Mitschülerin Lili Sprunck war es vor allem der Wunsch, ihre georgische Austauschschülerin wieder zu sehen, „wir haben uns sehr gut verstanden“.

An dieser Stelle machte Simone Lukas klar, dass es zwar als deutscher Schüler von Vorteil sei, wenn man einen Schüler aus Georgien im Zuge des Austausch-Programms bei sich aufnehme, dies aber keine Voraussetzung sei, um selbst nach Georgien zu reisen.

Was gestern natürlich auch zur Sprache kam: Wie unterscheiden sich die beiden Länder, wie präsentiert sich Georgien heute? Hier verdeutlichte Schulleiter Jürgen Mathieu, dass das Land im Kaukasus zwischen Moderne und „Mittelalter“ lebe. „In machen Dingen ist Georgien super weit entwickelt, in anderen nicht“ – diesen Eindruck bestätigten auch die Schülerinnen Hannah Matti und Sophie Kohler. „Es war mehrmals so, dass vor unserem Auto Kuh- oder Schafherden hergelaufen sind“, erinnerte sich Sophie. Ganz eigene Erfahrungen machten die Schülerinnen auch beim Brotbacken in einer dörflichen, traditionelle Bäckerei. Dort sei, wie Anna Lehmann erzählte, Brot auf eine sehr ungewöhnliche Art gebacken worden, „das war ganz anderes als bei uns“.

Was, und das machten gestern sowohl Begleiter als auch die Schülerinnen und Schüler unisono deutlich, aber alle gemachten Erfahrungen verband, das war die ausgesprochene Gastfreundschaft der Georgier. „Als ich da ankam und gerade den Koffer abgestellt hatte, da wurden mir alle traditionellen, georgischen Gerichte serviert“, lachte Alyssa Becker, „es gab Kaffee, alle waren super, super nett“. Diese Gastfreundschaft, ergänzte Jürgen Mathieu, sei charakteristisch für Georgien. „Das ist wirklich rührend, man kann es nicht anders sagen. Es gibt dort das Sprichwort ‚Der Gast kommt von Gott‘ – und genauso wird man dort auch behandelt.“ Dafür gaben die Schülerinnen und Schüler aber auch etwas zurück. So stand als pädagogischer Schwerpunkt des Austauschs auch das Thema Umwelt- und Naturschutz auf dem Plan. Hintergrund ist hier auch Initiative von Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo – er hatte ebenfalls an den 200-Jahr-Feierlichkeiten teilgenommen – Georgien bei der Errichtung eines Biosphären-Reservates zu unterstützen.

Folgerichtig stand auf dem Programm der Schülerinnen und Schüler der Saarpfalz-Gymnasiums auch eine zweitägige Exkursion in die Natur und Bergwelt von Wardzia. Und: Als Unterstützung für die 21. Öffentliche Schule in Tiflis, diese wird derzeit saniert, gestaltete die Austausch-Gruppe Papierkörbe für den Schulbereich – als Beitrag zu ganz praktischem Umweltschutz.

Zusammen mit ihren georgischen Freunden hatten die Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasium bei ihren Aufenthalt im Kaukausus viel vor, hier wurden gemeinsam T-Shirts bemalt.
Zusammen mit ihren georgischen Freunden hatten die Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasium bei ihren Aufenthalt im Kaukausus viel vor, hier wurden gemeinsam T-Shirts bemalt. FOTO: Jürgen Helwig/Saarpfalz-Gymnasium