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200 Jahre Saarpfalz-Kreis
Den Zuhörer beim Schopfe packen

Reiner Marx (links), Hans Ruge (rechts) und Jürgen Holzhauser (Mitte) lieferten sich als musikalisch-literarische Trio einen Schaukampf um Freiheit und Gleichheit – vor dem Hintergrund des 200-jährigen Jubiläums des Saarpfalz-Kreises.
Reiner Marx (links), Hans Ruge (rechts) und Jürgen Holzhauser (Mitte) lieferten sich als musikalisch-literarische Trio einen Schaukampf um Freiheit und Gleichheit – vor dem Hintergrund des 200-jährigen Jubiläums des Saarpfalz-Kreises. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Mit ihrer Kabarett-Revue „Freistaat Saarpfalz“ lieferte das Trio „Marx, Ruge & Holzhauser“ im voll besetzten Sitzungssaal des Homburger Forums einen gelungenen Auftakt zu den Aktivitäten im Jubiläumsjahr des Kreises. Von Thorsten Wolf

Wie beginnt man am besten mit einer Reihe von Veranstaltungen zur Feier eines großen Jubiläums? Der Saarpfalz-Kreis, der in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen feiert, fand da eine recht einfache Antwort: Mit einer nagelneuen und maßgeschneiderten Kabarett-Revue der Formation „Marx, Ruge & Holzhauser“. In der Tat, diese Antwort ist simpel – aber ebenso nicht ganz so präzise wie die Aussage „200 Jahre Saarpfalz-Kreis“, denn: Am Samstagabend präsentierten tatsächlich nicht nur Reiner Marx, Hans Ruge und Jürgen Holzhauser ihr neues Programm „Freistaat Saarpfalz“, sondern mit ihnen auch, als Teil des festen Ensembles, Felix Holzhauser, Thomas Benn, Leander Usner und Hannah Neumann.


Und ebenso tatsächlich feiert der Saarpfalz-Kreis sein Jubiläum als Nachfolger des früheren Landkreises Homburg und des Landkommissariats Homburg. Doch der große Abend im großen Sitzungssaal des Homburger Forums war nun nicht der geeignete Ort und die geeignete Zeit dafür, um unnötig Erbsen zu zählen. Vielmehr galt es, dem zu frönen, was Organisatoren und Akteure sich da als Ouvertüre für das Geburtstagsjahr hatten einfallen lassen. Und das war einiges und bemerkenswert.

Bevor allerdings das Trio, das kein Trio ist, in Tönen und Worten vom „Freistaat Saarpfalz“ kündeten, war es an Landrat Theophil Gallo, sich vorab an die rund 350 Gäste im voll  besetzten Sitzungssaal zu wenden. „Wir feiern in diesem Jahr das 200-jährige Jubiläum des Kreises Homburg, der in den Saarpfalz-Kreis übergegangen ist“, so Gallo grundsätzlich und historisch ziemlich korrekt. Dass der Landrat dabei für diesen Abend eben die Weltpremiere von „Freistaat Saarpfalz“ ankündigen konnte, das adelte den Samstag schon deutlich. Apropos Adel: Der sollte im Verlauf der Revue noch seine besondere Rolle haben – doch dazu später mehr.

Wie würdigt man nun ein solches Jubiläum wie das des Saarpfalz-Kreises/Landkreises Homburg/Landkommissariats Homburg – wenn man einen Ruf hat wie Marx, Ruge & Holzhauser? Nun am besten in dem man das tut, was Marx, Ruge & Holzhauser und ihre multiinstrumentalen Mitstreiter am besten können: Den Zuhörer beim Schopfe packen und ihn mit Liedern und Texten von Pol zu Pol schwingen lassen, am Samstag also zwischen Freiheit und Bevormundung, zwischen Demokratie und Monarchie, zwischen Bürgertum und Adel. Dass die Revue dabei auch mit emotionalen Schieflagen agierte, auch das gehört zum Konzept von Marx, Ruge & Holzhauser.

Die Protagonisten des Abends im verbalen Schaukampf der Ideologien und Weltanschauungen: Jürgen Holzhauser als rotbehemdeter Freiheitsmusikant mit Gitarre, Akkordeon und freiheitsliebenden Mitstreitern auf der einen Seite und Reiner Marx als wortgewaltigem „Monarchist“ auf der anderen. Dieser Zwist, gleich welchen Themas sich die Formation auch immer annimmt, ist Programm bei Marx, Ruge und Holzhauser. Dass die Musikanten da den Abend auch mit der französischen Nationalhymne begannen, als Kontrapunkt zu feudalen Märschen, das war für den Conferencier Marx natürlich ein gewollt gefundenes Fressen und die Glocke zur ersten Runde im künstlerischen Ringen um den „Freistaat Saarpfalz“: „Holzhauser! War ja klar und musste ja so kommen. Knackige deutsche Militärmärsche aus Preußen und Bayern, auseinandergerissen durch diese aggressive Revolutionshymne der freiheitsdurstigen Franken. Immer nur gegen den glorreichen Adel. Ihnen und Ihrem frankophilen Musikantenstadel kann ich nur eines empfehlen: Gehen Sie doch rüber, nichts wie ab über die grüne Grenze!“. In seiner Rolle als „Monarchist“ sorgte Reiner Marx so für Lacher, die einem schon mal im Angesicht der Erkenntnis im Halse stecken blieben – so als er Hegel mit dem Satz „Wenn alle Herren wären, dann gäbe es keine Knechte“ in Erinnerung brachte.



Als Gegenpol dazu lieferten Ruge, Holzhauser, Neumann, Benn, Usner und nochmal Holzhauser mit Eigenkompositionen, Arrangements, viel Lokalkolorit und Geschichten vom Bayerischen Kohlhof bis nach Schnappach aus der Zeit der bayerischen Regentschaft bis in die Gegenwart der Saarpfalz, einen freiheitlich-revolutionären Gegenentwurf. So drehte sich am Samstag alles mit viel Humor und Tiefgründigkeit um das Ringen für die Freiheit und um die Geschichte und die Geschichten im Saarpfalz-Kreis in zwei Jahrhunderten.