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Wochenkolumne
Rathaussturm deranderen Art

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Der Rathaussturm in Homburg ist in diesem Jahr nicht ausgefallen, wie verkündigt, der war nur einen Tag früher. Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch ihre „Dauerbaustelle“ Homburger Rathaus, oder sollte man besser sagen „den Käfig voller Narren“, durchsucht, wie es in den sozialen Netzwerken hieß. Ja, man könnte wirklich darüber lachen, die Büttenredner am Wochenende werden eine Menge Spaß haben. Aber es bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Jetzt also auch noch Bürgermeister Klaus Roth. Damit muss sich der Dritte der ehemaligen Stadtführung um Alt-OB Schöner und dessen Nachfolger Schneidewind den Ermittlungen der Gesetzeshüter stellen. Eine schier unglaubliche, und wie es scheint unendliche Geschichte. Von pn

Für Roth gilt natürlich das Gleiche wie für die beiden anderen Beschuldigten: Bis zum Urteil zählt die Unschuldsvermutung. Doch die Vorwürfe sind heftig, geht es um nichts Geringeres als den Verdacht der Untreue und des Betrugs. Ob am Ende  etwas dran ist oder nicht, werden die weiteren Ermittlungen zeigen. Eines hätte der Beschuldigte aber wissen müssen:  Aufträge an seine frühere Firma herauszugeben, hat ein Geschmäckle. Gerade im hohen Amt eines Bürgermeisters sollte man hier äußerst transparent arbeiten. Und da stellen sich Fragen, die teilweise schon in der Stadtratssitzung am Mittwochabend aufgeworfen wurden: Funktioniert das Controlling im Rathaus etwa nicht? Gibt es überhaupt eine Kontrollinstanz? Was ist mit dem Vieraugen-Prinzip? Oder: Reden die in der Stadtspitze denn nicht miteinander? Letzteres scheint fast so, was zur nächsten Frage führt: Haben die Herren vielleicht zu viele andere Dinge im Kopf, dass für die eigentliche Arbeit zu wenig Zeit bleibt, um sich intensiv damit beschäftigen zu können?



Unterm Strich steht: Es ist wohl einmalig, dass — in unterschiedlichen Angelegenheiten, wohl gemerkt  — die Staatsanwaltschaft gleich gegen mehrere aktuelle und frühere Vertreter einer Verwaltungsspitze vorgeht. Deshalb ist eine entscheidende Frage, die mehrfach im Stadtrat gestellt wurde, unausweichlich: Braucht die Stadt Homburg nicht einen kompletten Neuanfang?