| 20:03 Uhr

Protestanten wählten LandessynodalenKirche zwischen Rhein und Blies

Saarpfalz-Kreis. Die evangelischen Christen in unserer Region sorgten am Wochenende bei den Wahlen zur Landessynode (entspricht auf der politischen Ebene dem Landtag) für manche Überraschung Von SZ-Redakteur Jürgen Neumann

Saarpfalz-Kreis. Die evangelischen Christen in unserer Region sorgten am Wochenende bei den Wahlen zur Landessynode (entspricht auf der politischen Ebene dem Landtag) für manche Überraschung. 19 der zwanzig Bezirkssynoden ("Kreistage") der Evangelischen Kirche der Pfalz, darunter Homburg und Zweibrücken, bestimmten ihre "Parlamentarier" (Synodalen) in die elfte Landessynode nach Speyer. Der neuen Landessynode gehören 65 Mitglieder an. Aufgrund eines Formfehlers wird die Bezirkssynode Speyer erst am 5. Juni ihre Landessynodalen wählen.Im Siebenpfeifferhaus in Homburg wählte die Bezirkssynode drei weltliche und zwei geistliche Landessynodale: Ursula Thilmany-Johannsen (Homburg), Ute Fischer (Schwarzenbach) und Daniela Freyer (Erbach) vertreten die Laien. Dekan Fritz Höhn (Homburg) und Pfarrer Thomas Risser (Bruchmühlbach) das Geistliche. Der Kirchenbezirk Homburg entsendet aufgrund seiner Größe fünf Abgeordnete ins Parlament nach Speyer. Ganz anders verlief die Tagung in der Karlskirche in Zweibrücken. Dort hatte die Bezirkssynode Zweibrücken ihre Wahlversammlung. Zu Zweibrücken gehören auch die Kirchengemeinden aus dem Bliestal und aus Einöd. Als weltliche Vertreter erhielten bereits im ersten Wahlgang Gisela Helwig-Meier (St. Ingbert), Christine Hoch (Zweibrücken-Mitte) und Jürgen Karl Neumann (Einöd) die erforderlichen Mehrheiten. Bei der Wahl eines geistlichen Synodalen gab es eine faustdicke Überraschung: Mit deutlicher Mehrheit distanzierte Pfarrer Jürgen Krebs aus Walsheim den amtierenden Zweibrücker Dekan Peter Butz bereits im ersten Wahlgang. Kirchenpräsident Christian Schad sagte am Montag, die neue Synode verfüge wieder über eine große Bandbreite an unterschiedlichen Mitgliedern. Es seien Menschen um die 30 Jahre ebenso vertreten wie solche, die über 70 Jahre alt sind. Mit 47 Prozent hat sich der Frauenanteil in der Synode gegenüber 2003 um elf Prozentpunkte erhöht. Die Gewählten seien dem Wohl der gesamten Landeskirche verpflichtet, sagte Schad. Es gehöre zum Wesen der evangelischen Kirche, dass Geistliche und Weltliche die Kirche gemeinsam leiten, da jeder Getaufte für die Kirche Verantwortung trage. Dies werde auch daran deutlich, dass die Landessynode aus einem Drittel geistlicher und zwei Dritteln weltlicher Mitglieder bestehe.Die elfte Landessynode tritt am 2. Juli zu ihrer konstituierenden Sitzung in Speyer zusammen. Die Landessynode ist auf sechs Jahre gewählt. Sie ist als kirchliche Volksvertretung Inhaberin der Kirchengewalt. Die Synode wählt den Kirchenpräsidenten und die Oberkirchenräte, beschließt den Haushalt der Landeskirche, erlässt Gesetze und prüft die Amtsführung der Kirchenregierung und des Landeskirchenrats. Die Mitglieder der Synode sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden. Speyer. Mit rund 640 000 Mitgliedern gehört die Evangelische Kirche der Pfalz, die ihren Sitz in Speyer hat, zu den kleineren der 22 Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie ist eine sogenannte "unierte" Kirche: Evangelisch-lutherische und reformierte Christinnen und Christen haben sich 1818 zu einer Kirche zusammengeschlossen. Ihr Kirchengebiet erstreckt sich auf der linken Rheinseite zwischen Worms und Landau, Zweibrücken, Homburg und St. Ingbert. Die Kirche untergliedert sich in 20 Kirchenbezirke (Dekanate) mit 429 Gemeinden. 397 Gemeinden liegen in Rheinland-Pfalz, 32 im Saarland. Die rund 600 Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Gemeindedienst tätig, in der Seelsorge, in Krankenhäusern, Gefängnissen und Seniorenheimen, oder sie unterrichten neben den staatlichen Lehrkräften in Grundschulen und Hauptschulen, an Gymnasien und an Berufsschulen. Zum Christsein gehört auch praktizierte Nächstenliebe. Ökumenische Sozialstationen bieten Kranken- und Altenpflege sowie hauswirtschaftliche Hilfe. Sie vermitteln Hospizhilfe, Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienste. Die Mitarbeiter der diakonischen Einrichtungen helfen Menschen in allen Lebenslagen. jkn "Geistliche und Weltliche leiten die Kirche gemeinsam."Kirchenpräsident Christian Schad



Auf einen BlickIm Saarland leben über 200 000 evangelische Christen. Zu der in Düsseldorf ansässigen Evangelischen Kirche im Rheinland (3 Millionen Mitglieder) mit Präses Nikolaus Schneider an der Spitze gehören auch die drei Saar-Kirchenkreise Saarbrücken, Ottweiler und Völklingen. Sie zählen 160 000 Mitglieder. Ihre höchsten Repräsentanten heißen Superintendenten. Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz mit Sitz in Speyer ist Christian Schad. Diese Kirche zählt 640 000 Gläubige. Ihre Würdenträger, die die Kirchenbezirke leiten, heißen Dekane. Das Dekanat Homburg mit rund 52 000 Mitgliedern steht unter der Leitung von Fritz Höhn, das Dekanat Zweibrücken mit über 42 000 Christen führt Peter Butz. jkn