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Posse um Masern-Wette vor dem Ende

Homburg/Ravensburg. 100 000 Euro, falls jemand einen Beweis für die Existenz des Masernvirus präsentiert: Mit diesem Angebot provozierte ein Impfgegner einen Homburger Arzt. Der legte Studien vor – und klagte auf Auszahlung der 100 000 Euro. Die Erfolgschancen sind offenbar gut. Daniel Kirch

Vor dem Landgericht Ravensburg geht der von einem saarländischen Arzt angestrengte Prozess um eine kuriose 100 000-Euro-Wette heute in die Schlussrunde. Der Homburger Mediziner David Bardens (30) hat den Impfgegner Stefan Lanka aus Baden-Württemberg im Streit um die Existenz von Masernviren auf Auszahlung der Summe verklagt - und kann sich offenbar Chancen auf einen Sieg ausrechnen. "Wir sind sehr zuversichtlich", sagte Bardens' Anwältin Caroline Gebhardt der SZ. Aus der ganzen Bundesrepublik haben sich Medienvertreter angesagt.

Lanka hatte auf seiner Internetseite 100 000 Euro geboten, falls ihm jemand eine wissenschaftliche Untersuchung vorlegt, die die Existenz von Masernviren beweist. Der Biologe ist nämlich der Auffassung, dass es das Virus gar nicht gibt und die Masern-Erkrankung unter anderem psychosomatisch bedingt sei - eine nach Meinung von Medizinern völlig abstruse Theorie. Als Bardens, ein gebürtiger Homburger, der seit einem Jahr als Hausarzt in Schweden arbeitet, davon erfuhr, schickte er dem Impfgegner einen Stapel wissenschaftlicher Studien zu - und seine Kontonummer gleich mit. Weil Lanka die Untersuchungen aber nicht akzeptierte und die 100 000 Euro partout nicht zahlen wollte, zog Bardens in Baden-Württemberg vor Gericht.

Das Landgericht Ravensburg schaltete daraufhin einen Gutachter ein: Professor Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Rostocker Uniklinik, sollte prüfen, ob die von Bardens vorgelegten Studien die Existenz des Masernvirus belegen. Bardens' Anwältin Nicole Gebhardt sagt, der Gutachter sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Untersuchungen "ganz eindeutig" die Existenz des Virus belegen. Allerdings - und hier beginnen die juristischen Spitzfindigkeiten - nur in der Gesamtschau, nicht jede für sich allein.

Impfgegner Lanka wird sich wohl auf den Standpunkt stellen, er habe zum Beweis eine Publikation gefordert. Gebhardt und Bardens werden hingegen argumentieren, Lanka sei es um einen wissenschaftlichen Beweis gegangen - egal ob in einer Studie oder in mehreren. Der Gutachter wird heute am letzten Verhandlungstermin noch einmal angehört.

Die Urteilsverkündung wäre bereits heute möglich, wird jedoch erst in einigen Wochen erwartet. Eine Berufung ist möglich. Sollte Bardens das Geld am Ende bekommen, will er es spenden - für eine Aufklärungskampagne oder ein Impfprojekt.