| 16:24 Uhr

Heringsessen in Beeden
Ortsvertrauensmann Wagner fordert zügige Aufklärung

Beedens Ortsvertrauensmann Gerhard Wagner sprach beim Heringsessen am Mittwochabend in der Sporthalle gewohnt deutlich auch Probleme in der Stadt an.
Beedens Ortsvertrauensmann Gerhard Wagner sprach beim Heringsessen am Mittwochabend in der Sporthalle gewohnt deutlich auch Probleme in der Stadt an. FOTO: Thorsten Wolf
Beeden. Neben Beeder Themen ging es beim Heringsessen in der Sporthalle um die schwierige Situation der Homburger Stadtspitze. Von Ulrike Stumm

Werden am Aschermittwoch Heringe serviert, dann darf’s dabei in den politischen Reden gerne deftiger werden. Und angesichts der schwierigen Situation, in der Homburgs Stadtspitze derzeit steckt (siehe Bericht oben auf dieser Seite), hatten viele der Gäste beim Heringsessen in der Beeder Sporthalle, zu dem am Mittwochabend zum 22. Mal Ortsvertrauensmann Gerhard Wagner (SPD) eingeladen hatte, auch deutliche Worte erwartet.


Wagner servierte nach einem Tusch der Dorfmusik Hacke aus Limbach dann auch so einiges – unter viel Beifall derer, die ihm zuhörten. Gleich zu Beginn ging’s los mit einer Spitze in Richtung „offizielles“ Heringsessen der Stadt. „Ich hoffe, dass der OB seinen geladenen Besuchern viel Positives berichten kann.“ In Beeden könne nämlich jeder zum Heringsessen kommen. „Für mich zählt jeder Bürger gleich, das wird auch so bleiben“, machte Wagner deutlich.

Neben seinem Blick auf Beeder Themen stand der auf die Bundes-, Landes- und Stadtpolitik: Was sich ein Teil „unserer Berufspolitiker in Berlin, Saarbrücken und Homburg abhält, ist nicht ganz einfach für die Bevölkerung“, sagte Wagner. Da dürfe man sich nicht wundern, „dass die Leute nicht mehr wählen gehen und dass die AfD“ immer stärker werde. Er versprach, angelehnt an einen Satz des SPDlers Klaus von Dohnanyi, sich zu melden, wenn einer in der Stadt etwas falsch gemacht habe. Er wünsche sich, so Wagner weiter, dass das, was in Homburg im Raum stehe, entkräftet werden könne. „Fehler mache wir alle.“ Und er wandte sich an die Justiz: Die solle ihre Arbeit machen. Es könne doch nicht sein, dass man drei Jahre brauche, um etwas zu ermitteln, machte er seinem Ärger emotional Luft. Die Justiz solle zu Potte kommen, forderte er. „In ein paar Monaten sollen wir einen Kandidaten aufstellen für die Bürgermeisterwahl. Wir müssen handlungsfähig bleiben.“ Er frage sich generell, „wird diese Stadt noch richtig geführt. Da muss irgendwann eine Antwort her“.

Ein OB, so ein weiterer Punkt, den Wagner anführte, habe im Rathaus zu sein. Er nannte ein Beispiel, das ihn erschüttert habe. Als Oberbürgermeister Schneidewind gefragt worden sei, wo er sich befand, als im Rathaus Räume durchsucht wurden, soll dieser geantwortet haben: Er sei morgens um 9.30 Uhr zu Hause angerufen worden. Da frage er sich schon: Was macht er um diese Uhrzeit noch zu Hause?, so Wagner. „Da arbeite ich schon seit Stunden.“

Und als der Ortsvertrauensmann später nochmals das Wort ergriff,  mahnte er: Wenn man Kommunalpolitik betreibe, dann gehe es nur gemeinsam. Man könne nicht die Parteiinteressen vor das Interesse der Allgemeinheit stellen. „Der Mensch geht vor, dann erst kommt die Partei.“



Landrat Theophil Gallo, der ebenfalls ans Mikrofon trat, plädierte dafür angesichts all der Vorwürfe, die im Raum stehen, Ruhe zu bewahren und abzuwarten. „Viel lautes Getöse tut nicht gut.“ Eventuell werde am Ende etwas dabei herauskommen, was die Aufregung nicht wert war. „Wer handelt“, so Gallo, „der macht auch Fehler.“ Wichtig dabei: So lange einer nichts aus Eigennutz tue. Es gelte die Unschuldsvermutung. Man solle diejenigen, die arbeiten, ihre Arbeit machen lassen. Was dem Oberbürgermeister vorgehalten werde „hätte mir in einer schlechten Situation auch passieren können“.

Natürlich kamen beim Heringsessen auch originär Beeder Themen auf den Tisch, auf die neben Wagner Salvatore Vicari als stellvertretender Vorsitzender der Beeder SPD zu sprechen kam. Da ging es zum Beispiel um den Kindergarten, dessen Neubau im April bezogen werden soll, aber auch um die Diskussion über den möglichen Bau der „B 423 neu“. Es sei offen, machte Vicari deutlich, wann der endgültige Planfeststellungsbeschluss vorliege, also ob der Bund die Umgehung baue oder nicht. Weitere Themen auf der Beeder Agenda: das Beeder Brünnchen und das Biotop. Immer wieder hervorgehoben wurde der Zusammenhalt und das gute Zusammenleben in dem Homburger Stadtteil.

Einer der Höhepunkte des Abends: die Auszeichnung von drei Beedern mit der Bürgermedaille. Diesmal konnten sich darüber Helga Decker, Patrick Cappel und Claudia Bentz freuen – ein ausführlicher Bericht dazu und zu den Beeder Themen folgt.