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Orden schießt gegen die Diözese

Pater Hans Linnenbrink ist Geschäftsführer des Hiltruper Ordens. Foto: SZ/Hiegel
Pater Hans Linnenbrink ist Geschäftsführer des Hiltruper Ordens. Foto: SZ/Hiegel
Homburg. Der Hiltruper Orden befindet sich derzeit mit der Diözese Speyer auf Konfrontationskurs. Das Bistum ist zweitgrößter Geldgeber und auch im Stiftungsrat des Homburger Johanneums vertreten. Anscheinend wünscht Bischof Karl-Heinz Wiesemann, dass das Verhältnis zwischen Schul GmbH und Stiftung geklärt wird. Dagegen wehrt sich der Orden Von Merkur-Mitarbeiter Peter Neuheisel

Homburg. Der Hiltruper Orden befindet sich derzeit mit der Diözese Speyer auf Konfrontationskurs. Das Bistum ist zweitgrößter Geldgeber und auch im Stiftungsrat des Homburger Johanneums vertreten. Anscheinend wünscht Bischof Karl-Heinz Wiesemann, dass das Verhältnis zwischen Schul GmbH und Stiftung geklärt wird. Dagegen wehrt sich der Orden. Dessen Geschäftsführer, Pater Hans Linnenbrink, am Freitag gegenüber unserer Zeitung: "Eine Satzungsänderung ist für uns völlig indiskutabel." Er machte keinen Hehl daraus, dass er notfalls ein neues Konzept für die Schulträgerschaft suchen werde. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt der Ordensmann zu, dass die Zusammenarbeit zwischen Orden und der Schulleitung nicht die beste ist. Die Elternvertretung des Johanneums hatte dies in der vergangenen Woche kritisiert. Linnenbrink dazu lapidar: "Die Direktorin wird von mir keine zusätzlichen Zuständigkeiten erhalten." Auf Gerüchte, der Orden wolle Eva-Maria Wenzel-Staudt durch den Silentiumsleiter Oliver Schales an der Schulspitze ersetzen, antwortete der Ordensgeschäftsführer mit einem klaren "Nein! Herr Schales ist ein guter Eventmanager und ein ausgezeichneter Silentiumsleiter, aber kein Direktor - das weiß er auch." Außerdem habe Schales einen Großteil des Kollegiums nicht hinter sich.Linnenbrink hat sich am Donnerstagabend mit einigen Klassenelternsprechern zum Informationsgespräch getroffen ("25 waren gekommen"). Dabei habe er den in unserer Zeitung erschienenen offenen Brief der Elternvertretung kritisiert und sei damit bei einigen Eltern auf Zustimmung gestoßen. Über die genauen Inhalte des Gesprächs wollte sich Linnenbrink nicht äußern.

Die Elternvertretung hatte in ihrem Schreiben auch die aus ihrer Sicht "undurchschaubaren Zuständigkeiten" im Johanneum kritisiert und gefordert, die Nachmittagsbetreuung Silentium direkt der Schulleitung zu unterstellen. Das lehnt Linnenbrink ebenfalls kategorisch ab. Nun hat sich auch Silentiumsleiter Oliver Schales mit einer Stellungnahme zu diesem Thema an unserer Zeitung gewandt (wir berichteten kurz). Er kritisiert darin, dass in unserem Artikel vom 22. Juni die Themen Missbrauch im Internat des Johanneums, Machtkampf zwischen Schulleitung und Silentium und "im Kommentar dann das persönliche Verhalten des Silentiumsleiters nach seiner ,gescheiterten' Bewerbung für das Amt des Direktors" vermischt worden seien. Zum Machtkampf am Johanneum: "Den gibt es nicht. Um welche Macht sollte das Silentium kämpfen? Es hat ein klar geregeltes Aufgabenfeld innerhalb der Stiftung und funktioniert erfolgreich seit zehn Jahren und in der aktuellen Organisationsform seit fünf Jahren."

Es stimme, dass er sich vor zwei Jahren auf die Stelle des Schulleiters beworben habe. Dies sei nicht verboten und nicht gegen irgendjemanden gerichtet gewesen, da es keine weiteren Bewerbungen aus dem Kollegium gegeben habe. "Die Umstände der Bewerbung sind dem Kollegium und wohl auch anderen bekannt - wichtig war meine Entscheidung, danach am Johanneum zu bleiben und der neuen Schulleiterin meine Loyalität zu bekunden." Zur Zusammenarbeit zwischen Schulleitung und Silentium schreibt Schales: Das Silentium arbeite seit mehr als zehn Jahren mit der Schulleitung zusammen - ohne Streit.

"Mit Sicherheit haben alle Kollegen in der Schulleitung eigene pädagogische Auffassungen - auch von der Ganztagsschule. Aber zu keinem Zeitpunkt sei die Umgangsform in der Zusammenarbeit mit der Leitung unprofessionell und nicht getragen von der gemeinsamen Verantwortung gewesen. Er sei lange Jahre Mitglied der erweiterten Schulleitung gewesen, "seit zwei Jahren gehöre ich dem Gremium nicht mehr an". Er treffe sich einmal wöchentlich zum Austausch mit der Schulleiterin. Die Vorbereitung der Anträge, die Aufstellung der Einsatzpläne und vieles mehr seien einvernehmlich mit der Schulleitung abgestimmt worden. Letztendlich sei der Leiter des Silentiums allerdings unter der Maßnahmeträgerschaft der Stiftung angestellt und trage für diese die Verantwortung. Oliver Schales spricht sich für einen Runden Tisch aus. Der Prozess, ein Leitbild Johanneum zu entwerfen, das gemeinsam mit dem Kollegium entwickelt und getragen werde, sei vor Jahren unterbrochen worden. Deshalb fehle die Orientierung, "viele Kollegen wünschen sich diesen Prozess unter einer externen professionellen Moderation". "Um welche Macht sollte das Silentium kämpfen?"

Oliver Schales

Pater Hans Linnenbrink ist Geschäftsführer des Hiltruper Ordens. Foto: PM/Hiegel
Pater Hans Linnenbrink ist Geschäftsführer des Hiltruper Ordens. Foto: PM/Hiegel
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