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Oliver Schales
Vom Schüler zum neuen Schulleiter 

Oliver Schales war schon als Schüler am Homburger Johanneum, jetzt leitet er es und hat viel vor. Auch davon berichtete er beim Besuch in der Homburger Redaktion.
Oliver Schales war schon als Schüler am Homburger Johanneum, jetzt leitet er es und hat viel vor. Auch davon berichtete er beim Besuch in der Homburger Redaktion.
Homburg. Oliver Schales ist der neue Leiter des Gymnasiums Johanneum. In der Redaktion hat er von seinen Vorstellungen berichtet. Von Ulrike Stumm

Das Johanneum ist schon eine Konstante im Leben von Oliver Schales. Als Schüler war er hier, später als junger Lehrer, der aus dem Rumpf-Internat und dem damaligen Silentium eine Nachmittagsbetreuung, quasi eine freiwillige Ganztagsschule aufbauen sollte, auch wenn dieser Begriff damals noch gar nicht im Raum stand. Jetzt hat er zu Beginn des neuen Schuljahrs die Leitung des Gymnasiums übernommen (wir berichteten).


Nach seinen ersten Wochen im Amt ist er in der Homburger  Redaktion zu Gast. Eigentlich ist er ja nicht wirklich einer, den man erst einmal ausführlich vorstellen müsste. Den meisten ist er als langjähriger Leiter des Silentiums im Gymnasium ohnehin  ein Begriff und durch das Afrikaprojekt, bei dem er die Arbeit seines Vaters, dem Mediziner Dr. Hans Schales, der mittlerweile seit vielen Jahren in Simbabwe wirkt, unterstützt.

Und dennoch, manches ist eben doch nicht so präsent. „Ich bin ein Saarbrücker, obwohl ich weltweit rumgekommen bin“, sagt er. 1964 kam er in der Landeshauptstadt auf die Welt, fast im Gründungsjahr des Johanneums, so Schales. Vielleicht war das ja so etwas wie ein Zeichen. Zweieinhalb Jahre, praktisch in seiner Vorschulzeit,  lebte er mit Vater, Mutter und Schwester in einer Missionsstation in Nigeria, „unter unglaublichen Zuständen“. Was er da erlebt habe, „prägt mich heute noch“ – das ist keine Frage. Und auch nicht, dass dies im Johanneum Spuren hinterlässt. Die Schule könnte Brücke werden in das afrikanische Land. Es gebe Schüler, die nach ihrem Abitur dort eine Zeit lang bei seinem Vater lebten, Einblicke in dessen Arbeit als Arzt dort bekamen, um sich so über ihren Berufswunsch klar zu werden. Lebenshilfe, auch die will er vermitteln. Ein weltweites Netz will er spannen und mit Afrika sowie der Hilfe für das südamerikanische Land  Peru über den Orden der Herz-Jesu-Missionare, der die Schule einst gründete, ist da schon mehr als ein Anfang gemacht.



Auch im Kernbereich der Schule gibt es viel zu tun. Unterstützt wird er da von Andreas Gingrich, ebenfalls frisch im Amt, „Ich bin froh, ihn als Stellvertreter zu haben“, betont Schales.

Eine wichtige Aufgabe: Er wolle, sagt er, die „Einzigartigkeit des Johanneums weiter modellieren“. Da sei zum einen die Lage als Campusschule im Grünen. Dazu komme das Ganztagsangebot, das als rein interne Lösung verwirklicht werde. Das bedeutet: Die Schüler werden auch am Nachmittag von den eigenen Lehrern betreut – und von solchen, die bereits in Rente sind, hier aber aushelfen. Dazu kommen ehemalige Schüler, Studenten, für die das quasi eine Art Ausbildungsmodul für den späteren Lehrerberuf sei. Auch das Essen wird nicht angeliefert, sondern vor Ort gekocht – fünf Menschen sind dafür angestellt.  Perspektivisch sieht Schales, dass der schulische Nachmittag, derzeit geht er bis 17 Uhr, ausgedehnt wird. Diese Aufgabenstellung sei angesichts der Lebenswirklichkeit, in der Eltern länger arbeiten, einfach da. Anderseits ist ihm wichtig, dass dies nicht verpflichtend für Schüler und Eltern wird. „Wir legen sehr großen Wert darauf, dass wir freiwillig bleiben.“ Auch wenn er nicht ausschließt, dass es irgendwann eine echte Ganztagsklasse geben könnte.

„Johanneum 2020 plus“ nennt er einen Denkprozess, den er angestoßen hat. Da gehe es nicht nur um den Umbau im baulichen Sinn, sondern auch um pädagogische Eckpunkte. Was das Gebäude angeht, wird im Hauptteil samt Aula am Brandschutz gearbeitet – oft sei dies auch ein Spannungsfeld zur kreativen Schule. Zugleich erstellt man etwa  ein neues Farbkonzept. Dazu kommt das Thema Digitalisierung, dem wiederum die  Datenschutzgrundverordnung gegenüber steht. Er wolle, sagt Schales, das Johanneum auch ein Stück weit als Unternehmen denken, sich um die Mitarbeiter kümmern. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn es um Lehrer geht. Denn als Privatschule stehe  immer die Frage im Fokus: Wie kommen wir an gute Lehrer ran? Insgesamt 65 Personen umfasst das Kollegium, das zuletzt stark verjüngt worden sei. „Wir sind in der Endphase des Generationenwechsels.“ Vorstellen, zunächst als Gedankenspiele,  kann er sich vieles: von der Lehrerlounge, wo man sich bei einer Tasse Kaffee austauschen, mal in Ruhe hinsetzen kann, bis zum internen Hort, in dem der Nachwuchs junger Lehrerinnen betreut werde.

Bei aller Zukunft, der Vergangenheit der Schule stellt er sich ebenfalls. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde ein Gedenkort für die Missbrauchs-Opfer errichtet. Er will offen mit dem Thema umgehen. Das ist ihm ein Anliegen.

Ebenso hebt er die diversen Pfunde hervor, mit der die Schule wuchern kann: von den musischen Angeboten bis zu den Präventionsprogrammen. Blickt man auf die künftige Ausrichtung des Unterrichts, gibt es ebenfalls Herausforderungen. Die reichen von der Umsetzung der neuen Oberstufenreform bis zum Umgang mit dem Fach Latein. Als Anfangssprache sei es nur noch sehr selten gewählt worden, als humanistische Schule will man aber ein Latinum weiter anbieten. Den Schwerpunkt sieht er jedoch im bilingualen Französisch-Zweig und auch in den naturwissenschaftlichen Klassen.

850 Schüler besuchen die Privatschule, „eine gute Größe“, sagt Schales. „Alle Räume sind gefüllt, noch mehr würden uns an unsere Leistungsgrenze bringen.“

Die ersten Wochen hätten viel Einarbeitungszeit erfordert, obwohl er vieles bereits gewusst habe. So richtig ruhig wird es angesichts der Aufgabenfülle für ihn aber sicher nicht werden.