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Hautschutz durch Sonne
Ohne Sonne darben auch die Zellen

 Die pralle Sonne ist nicht gut für die Haut. Aber Sonne in Maßen muss sein, denn unter Sonneneinstrahlung bildet sich Vitamin D.
 Die pralle Sonne ist nicht gut für die Haut. Aber Sonne in Maßen muss sein, denn unter Sonneneinstrahlung bildet sich Vitamin D. FOTO: Patrick Pleul / picture-alliance/ dpa
Homburg. Maximilian Linxweiler hält am Uniklinikum eine Antrittsvorlesung über die Funktion der Vitamin-D-Gruppe. Besonders in den Wintermonaten fehlt dieses wichtige Hormon im Körper, weil man wenig Sonne abbekommt. Von Christine Maack

Es gibt Forschungsthemen, die versteht noch nicht einmal der Dekan. Jedenfalls gibt Professor Michael Menger bei den Promotionsfeiern unumwunden zu, dass er beispielsweise bei Themen über komplizierte Signalnetzwerke in Zellen passen muss.



Und es gibt Forschungsthemen, die verstehen sogar Homburger Bürger ohne medizinische Vorbildung. Etwa das Thema der Antrittsvorlesung von Dr. Maximilian Linxweiler, Privatdozent für Experimentelle HNO-Heilkunde: „Kann uns Sonnenlicht vor Krebs schützen?“

Aber ein einfach anmutendes Thema heißt noch lange nicht, dass die Forschung dahinter  ebenfalls simpel sei. Ganz im Gegenteil. Dr. Linxweiler, der tatsächlich aus der Nähe von Niederlinxweiler stammt und in St. Wendel sein Abitur gemacht hat, verbrachte Wochen und Monate in den Homburger Forschungslaboren der Biochemie, der experimentellen Chirurgie und der Hals-Nasen-Ohrenklinik.

Wie kann nun Sonnenlicht vor Krebs schützen? Eigentlich, so wollten wir von Maximilian Linxweiler wissen, hat Sonnenlicht doch eher einen schlechten  Ruf, zumal im Zusammenhang mit Krebs. „Das stimmt, aber da geht es um Hautkrebs. Und damit sollte man in der Tat nicht spaßen und sich nicht stundenlang der Sonne aussetzen.“ Aber bei der Forschungsarbeit von Maximilian Linxweiler geht es um die Krebsarten, die in der HNO-Klinik anfallen, um Hals, Ohren, Zunge und Kehlkopf.

Ausschlaggebend seien Studien gewesen, die bereits in den Vereinigten Staaten in den 30er und 40er Jahren veröffentlich worden waren, die aber auf Erfahrungswerten beruhten, weil eine molekulare Untersuchung noch nicht möglich war. „Schon damals hat man beobachtet, dass Sonneneinstrahlung das Tumorrisiko senken kann.“

Wobei es nicht um die Sonneneinstrahlung selbst geht, sondern um das Vitamin D, das der Körper unter dem Einfluss der Sonne bildet. Von Vitamin D gibt es die Varianten D1, D2 und D4, lebensnotwendig ist allerdings nur das Vitamin D3. Dabei handelt es sich nicht wirklich um ein Vitamin, denn es kann auch vom Körper selbst produziert werden. Deswegen wird es auch als D-Hormon bezeichnet. Voraussetzung für die Produktion im Körper ist allerdings genügend Sonnenlicht. „Es reicht durchaus, wenn man die Arme, die Beine und das Gesicht täglich etwa 30 Minuten in die Sonne hält“, sagt Linxweiler. Was allerdings im Winter schwierig wird, weshalb in den dunklen Monaten eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D angeraten wird. Man kann das Vitamin natürlich auch in der Nahrung zu sich nehmen, aber dazu müsste man täglich eine Portion fettreichen Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele essen, was nicht so einfach zu bewerkstelligen ist.

„Die meisten Leute wissen nicht, dass sie Vitamin-D-Mangel haben“, betont Linxweiler, „ich vermute, wenn ich an einem tristen Wintertag in Homburg eine Untersuchung machen würde, würden bei 80 Prozent der Leute deutliche Vitamin-D-Defizite zutage treten.“

Was ist nun so Besonderes an diesem Vitamin? „Es ist bekannt, dass Vitamin D die Abwehrkräfte der gesunden Zellen so stärkt, dass die Tumorzellen daran gehindert werden können, weiter zu wachsen. Das heißt, das  Autoimmunsystem wird angeregt und gestärkt, der Tumor breitet sich nicht mehr so schnell aus, sondern wird in seinem Wachstum gehemmt.“ Nun ist diese Information nicht neu, laut  Ärzteblatt laufen auch am National Cancer Institute zwei große Studien in den USA, die die Wirkung von Vitamin D auf Krebserkrankungen untersuchen.

Doch Maximilian Linxweiler wollte es ganz genau wissen. „Wir haben  Tumorzellen herausgenommen und einen Teil der kranken Zellen mit Vitamin D bearbeitet, einen Teil nicht. Und die Tumorzellen danach verglichen. Diejenigen, die mit Vitamin D in Berührung kamen, haben sich deutlich weniger vermehrt. Daraus konnten wir schließen, dass dies ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem modernen Forschungsfeld ist, körpereigene Zellen gegen Tumorzellen in Stellung zu bringen.“ Ein Ansatz, den auch Professor Michael Pfreundschuh, Direktor der Medizinischen Klinik 1 am Uniklinikum verfolgt, allerdings schwerpunktmäßig im Bereich des Lymphknotenkrebses. Arzneimittel, die die körpereigenen Immunzellen aktivieren, sind sehr teuer. „Vitamin D hingegen ist für jeden erschwinglich“, so Linxweiler.

Wer auf ausreichend Vitamin D achte, beuge nicht nur einem Krebsrisiko vor, sondern schütze seine Zellen auch vor anderen Angreifern, zum Beispiel auch vor Grippe- und Erkältungserregern sowie vor Knochenkrankheiten. Anhand einer Blutuntersuchung kann man den Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen, was jeder Hausarzt vornehmen kann.