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Fröhliches M geht zu
Niemand wusste vom Nutzerwechsel

Während die Erweiterung für den Homburger Standort des Möbelhauses „Fröhliches M“ laufen, wurde bekannt, dass ein Möbeldiscounter die Standorte Homburg und Saarlouis übernehmen will.
Während die Erweiterung für den Homburger Standort des Möbelhauses „Fröhliches M“ laufen, wurde bekannt, dass ein Möbeldiscounter die Standorte Homburg und Saarlouis übernehmen will. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Erst wollte das Möbelhaus „Fröhliches M“ seine Fläche in Homburg mehr als verdoppeln. Jetzt steht die Schließung an. Von Thorsten Wolf

Jetzt steht es also fest: Das Möbelhaus „Fröhliches M“ an der Homburger Richard-Wagner-Straße schließt seine Tore, aktuell läuft dort ein Total-Räumungsverkauf (wir berichteten). Auch der Standort Saarlouis wird geschlossen. Laut Informationen unserer Zeitung soll ein Möbel-Fillialist die Liegenschaft übernehmen. Dazu gibt es aber eine Vorgeschichte.


Bemerkenswert: Noch im Jahr 2016 hatte der Homburger Stadtrat einstimmig, allerdings nach ausführlichen Diskussionen, dem Eigentümer des „Fröhlichen M“ eine Erweiterung der Verkaufsfläche von bislang 4400 Quadratmetern auf dann insgesamt 10 250 Quadratmeter genehmigt. Begründet hatte man diesen Schritt damals auch mit dem Wunsch, einem regionalen Unternehmer in der Stadt wirtschafliche Perspektiven zu bieten. Von der nun getroffenen Entscheidung zeigte man sich in der Stadtverwaltung einigermaßen überrascht. „Die Thematik eines Nutzerwechsels ist uns als Stadtverwaltung relativ neu. Eine Anzeige oder Mitteilung seitens des Betreibers des ‚Fröhlichen M‘ liegt bei den Fachbehörden im Rathaus nicht vor“, so Jan Emser von der Pressestelle der Stadt. Und Emser verdeutlichte auch, dass man die von der Geschäftsführung getroffene Entscheidung aus Sicht der Stadt durchaus kritisch sehe.

„Es wäre uns viel lieber, wenn es keinen Nutzerwechsel geben würde. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Stadtrat mit seiner Entscheidung für die Erweiterung einen in Homburg ansässigen Unternehmer unterstützen wollte. Dennoch ist eine Nachnutzung wesentlich besser als ein Leerstand an der Stelle.“ Auf die Frage, ob man sich seitens der Stadt auf eine gewisse Weise hinters Licht geführt sehe, immerhin hatte man einige Anstrengungen unternommen, um die Erweiterung baurechtlich möglich zu machen, zeigte sich Emser diplomatisch. „Da uns die voraussichtliche neue Nutzung erst kürzlich bekannt wurde, können wir nicht beurteilen, wann die Idee zur Neuorientierung geboren und die Geschäftsübergabe beschlossen wurde. Auch wenn der sich anbahnende Betreiberwechsels durchaus überraschend ist, wäre eine Beurteilung, ob dies unlauter ist, Spekulation.“ So werde man im bisherigen Verfahren fortschreiten.

„Das Baugenehmigungsverfahren nimmt seinen gewohnten Gang. Ein Antrag auf eine anderweitige Nutzung oder eine Nutzung durch einen anderen Betreiber liegt nicht vor. Sofern sich an der beantragten und genehmigten Nutzung nichts verändert, werden voraussichtlich keine rechtlichen Schritte möglich sein.“

Auf unserer Facebook-Seite „Saarbrücker Zeitung/Homburger Rundschau“ machen sich die Nutzer in der Angelegenheit so ihre Gedanken. So schreibt Patrick Schneider: „Hä? Da wird doch momentan angebaut und jetzt soll geschlossen werden? Macht irgendwie keinen Sinn!“



Für Stefan Martens, den Geschäftsführer des „Fröhlichen M“, ist der Schritt allerdings durchaus sinnvoll. Gegenüber unserer Zeitung hatte er die Entscheidung zur Aufgabe mit der Konkurrenz durch Baumärkte und Discounter im Sortiment des Unternehmens begründet. Auch sei man mit nur zwei Standorten im Saarland zu klein, um eine entsprechende Rendite zu erzielen (wir berichteten ausführlich).

In Zukunft soll nun ein großer Möbel-Fillialist als Mieter die beiden Standorte des „Fröhlichen M“ übernehmen, ein Name wird offiziell nicht gehandelt. Doch auch dazu haben sich unsere Online-Leser so ihre Gedanken gemacht. So sind sich Frank Benesch und Marc Liebl in ihren Kommentaren auf unserer Facebook-Seite sicher, dass „Poco“, ein deutscher Möbel-Discounter mit Sitzen in Bergkamen und Hardegsen mit 118 Einrichtungsmärkten, die Liegenschaften in Homburg und Saarlouis mieten wird. Das Unternehmen steht derzeit auch im Fokus der Medien, laufen gegen den Poco-Mutterkonzern Steinhoff, einen international aktiven Möbelkonzern, aktuell Ermittlungen wegen möglicher Bilanzmanipulation. In der jüngeren Vergangenheit hatte die Tochter „Poco“ deswegen immer wieder versucht, sich von Steinhoff abzugrenzen. „Poco“ gehört seit 2008 zu 50 Prozent dem Steinhoff-Konzern. Unterdessen sind an der Richard-Wagner-Straße die Zeichen für die  Erweiterung des Standortes Homburg deutlich sichtbar, große Betonträger ragen in den Himmel und künden vom deutlichen Mehr an Verkaufsfläche, die dem neuen Mieter in Zukunft zur Verfügung stehen.